Darf man in der Kirche klatschen?

Nach seiner Predigt gab es einen spontanen Applaus. In dem mit über 700 Menschen gefüllten Berner Münster hatte Gottfried Locher nüchtern und zugleich ermutigend gesprochen. Er hatte die Reformierten herausgefordert, sich loszulösen aus ihren Sicherheits-Ängsten und aufgefordert, auf die Schätze des Evangeliums zu setzen. Fast wäre ein Feuer entfacht im kalten, alten Gemäuer.

Aber die meisten machten beim Applaus demonstrativ nicht mit. Nasen wurden gerümpft. Man schaute herab auf die Neuen, die Begeisterungsfähigen. Das Feuer wurde im Werden schon wieder gelöscht. So schön die Symbolik, als Kinder aus jedem Kanton die Kerze ihrer Kirche bei den Fürbitten entzündeten, so traurig doch die Tatsache, dass kaum junge Menschen aus eigenem Interesse zum Gottesdienst erschienen waren.

Ich hatte selber die Aufgabe bekommen, junge Wegweiser zu rekrutieren und nach Bern zu bringen. Schon vor drei Monaten habe ich angefangen, ehemalige Konfirmanden und die jungen erwachsenen Kinder von Kollegen anzusprechen. Am Ende waren es nur sechs junge Leute, die mitkamen, dafür aber Interessierte: der eigene Sohn, zwei Töchter eines Pfarrkollegen, eine ehemalige Konfirmandin und je ein Student und eine Studentin der Theologie. Sie interessieren sich für die Kirche von heute und morgen.

Ich hörte viel Lob für die freundliche Wegweisung zum Münster. Es ist schön, junge, frische Gesichter zu sehen, freundlich angesprochen zu werden, ein bisschen Lebensfreude, ein bisschen Humor zu spüren. Leider strömt die reformierte Kirche oft diese wohltuende Lockerheit nicht aus.

Selbst jüngere Kollegen ermahnen, den Applaus für den Gospelchor bis zum Schluss aufzuheben. Bei Traugesprächen sagen mir junge Paare besorgt, dass sie es doch begrüssen würden, wenn man in der Kirche klatschen dürfte.  Sie verstehen nicht mehr, dass man nicht klatscht, weil man im Gottesdienst nur Gott die Ehre geben soll, nicht den Menschen. Klatschen ist aber ein Ausdruck von Lebensfreude. Klatschen geschieht oft spontan, zeigt Zustimmung und Begeisterung. Nach meiner Abschiedspredigt in einer früheren Gemeinde haben alle geklatscht. Es hat mich zu Tränen gerührt.  Emotionalität suchen viele Menschen von heute.  Warum sind Reformierte da so misstrauisch?

Ich hoffe inständig, dass wir aufhören, alle Zeichen von Lebendigkeit mit unserer Gesetzlichkeit und Förmlichkeit abzuwürgen.  Ich träume von einer Zeit, in der junge Menschen es als grosse Chance empfinden, eingeladen zu werden zu einem so bedeutenden Gottesdienst.  Ich träume von einer Zeit, in der wir „fröhlich und frei“ sein können, wie Gottfried Locher den Reformator Zwingli in den letzten Sätzen seiner Predigt zitierte. Applaus.

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20 Kommentare
  • Anita Ochsner
    Gepostet um 06:50h, 24 Juni Antworten

    Nur schnell vor der Arbeit, Oh ja, bitte diesen Satz „Ich hoffe inständig, dass wir aufhören, alle Zeichen von Lebendigkeit mit unserer Gesetzlichkeit und Förmlichkeit abzuwürgen.“
    Meines Erachtens gehörte ein Applaus auch mal zwischen drinn, im Gottesdienst. Wenigstens darf er am Ende sein, wenn die Pfarrperson am Schluss von Herzen einlädt: „Jetzt darf aber herzlich kräftig geklatscht werden dem Chor… “ Der Lebensfreude die aufgekommen ist mit klatschen Ausdruck geben…
    Dass das im Berner Münster im Gottesdienst nach der Predigt war, finde ich ganz toll! 🙂
    Einen sonnigen freudigen Sonntag, Anita Ochsner

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  • THOMAS GROSSENBACHER
    Gepostet um 08:43h, 24 Juni Antworten

    Geht es heir um eine Stilfrage?
    Dann wäre die Frage, ob es wie bei einer Jazzperformance zu gehen hat, wo gewisse Solopassagen mittendrin beklatscht werden, während Im klassischen Konzert das taceat vom Publikum bis am Ende des Schlussatzes respektiert wird. Da mag die vorgetragene Kadenz der Solistin, noch so ergreifend klingen. Vor dem Schlussakkord des dritten Satzes wird nicht geklatscht.

    Nein kein Knigge, es geht um mehr als um Stil und Benimm.

    O komm, du Lebenswonne! Davon singen wir ja auch im Gottesdienst. Problematisch ist es jedoch, wenn einzelne Elemente eines Gottesdienstes herausgeklatscht werden und andere leer ausgehen – ohne Anerkennung bleiben.
    Ich hoffe nicht, dass landauflandab bald in den Kirchbänken Abstimmungsknöpfe installiert werden, wo ich die einzelnen Elemente des Gottesdienstes „liken“ oder „raten“ kann oder gar muss.

    Klatschen ist eine Form von Kommentar. Muss denn immer alles kommentiert sein? So wie im Blog? Auch auf dieser e-Plattform gehen Daumen hoch und runter. Das gehört zu diesem Genre der Kommunikation. Soll das wirklich auch im Gottesdienst so werden? Wie ist es mit dem „wirken lassen“ ? und dem „stille halten“? Die Kommunikation im Gottesdienst ist doch offensichtlich eine andere. „communicatio est communio“ und umgekehrt. Im Gottesdienst geht es um die Kommunikation der Gemeinschaft. Die Gemeinschaft kommuniuziert mit dem Einen und stillschweigend und singend miteinander. Oft auch im Gang zum Abendmahlstisch. Da wird das Aussichherausgehen Einzlener oder eines Teils der Gemeinde problematisch. Denn dadurch wird scheinbar Ansprechenderes gegen weniger Berührendes in Dezibelwerten ausgewiesen.
    Die Liturgie soll dienen, Gott und den Menschen.
    Und wenn die Veranstaltenden eines Gottesdienst darum bitten, dass die Teilnehmenden sich den Applaus auf das Ende des Gottesdienstes aufsparen möchten, dann ist es doch eine Frage des Respektes, es auch so zu halten. Nicht nur in Bern. Die Predigt von Kollege und Kirchenbundspräsident Godi Locher wäre auch ohne Applaus sehr zu Herzen gegangen.
    Ich fand den Hinweis der Veranstaltenden gut. Ein Schlussapplaus – ein fulminantes Ausgangsspiel würde es meines Erachtens auch tun – würdigt alle Elemente einer Feier. Denn nur so bekommen auch das Psalmwort, die Fürbitte und die Stille ihre Anerkennung und Wertschätzung. Das gesprochene Amen der Liturgin hat doch mindestens soviel Kraft wie der Applaus der Gemeinde.

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    • Barbara Oberholzer
      Gepostet um 09:59h, 24 Juni Antworten

      Lieber Thomas, es gibt auch Spital- und Heimgottesdienste, Gottesdienste in psychiatrischen Kliniken, Fiire mit dä Chlyne, Abdankungsgottesdienste, während derer die Menschen weinen …. Wann lernen wir, in „normalen“ Gottesdiensten mehrheitlich zu schweigen, passiv zu bleiben, uns ein Verhaltenskorsett vorschreiben zu lassen – oder einfach nicht mehr zu erscheinen?!
      Einer der befreiendsten, fröhlichsten Gottesdienste in letzter Zeit war für mich der Pfingstgottesdienst mit Tiersegnung im offenen St. Jakob. Die anwesenden Hunde verfügten vielleicht nicht über den erforderlichen liturgischen Verhaltenskodex – doch gerade sie öffneten die Tür für den heiligen Geist ganz weit.

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  • Esther Gisler Fischer
    Gepostet um 08:48h, 24 Juni Antworten

    Ich bin froh um diesen deinen Artikel aus aktuellem Anlass liebe Catherine! Zeitgleich mit dem Gottesdienst im Berner Münster hielten die Gemeinden in Zürich-Nord ihren zum Flüchtlingssonntag gemeinsam. Als Gästin war die ehemalige Schweizer SPitzenpolitikrin Monika Weber geladen, welche ich zu den Themen Heimat, Migration & Integration interviewene durfte. Der anschliessende spontane Applaus war ihr gewiss. So what? Mich jedenfalls hat’s gefreut und war Ausdruck davon, dass die Mitfeiernden im Gottesdienst a) ihr gut zugehört hatten und b) sich durch ihre sehr persönlich gehaltenen Worte und Schilderungen von Erlebnissen haben berühren lassen. Was mehr können wir erwarten?

    Lassen wir Freidrich Nietsche nicht Recht behalten mit seiner Aussage: Bessere Lieder müssten sie mir singen, dass ich an ihren Erlöser glauben lerne: erlöster müssten mir seine Jünger aussehen! (in: Also sprach Zarathustra 2. Teil, Von den Priestern – Friedrich Nietzsche: Werke in drei Bänden. München 1954, Band 2, S. 350.)!

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  • Barbara Oberholzer
    Gepostet um 09:06h, 24 Juni Antworten

    Ganz herzlich danke ich für diesen Beitrag! Mehr Lebendigkeit in den Gottesdiensten und der Kirche überhaupt – das wär was 😃! Doch nun kommt mein fettes ABER: Sind Gottesdienste dieser Art wirklich stellvertretend auch für die Kirche von morgen? Sollen sie? Wichtige, häufig männliche Menschen halten Reden, die Zuhörerinnen hören halt zu und sorgen allenfalls für Publikum u 30? Auch klatschen ändert an diesem Gesamtbild leider nicht viel. Meine Tochter, die sich seit Jahren in einem kirchlichen Jugendtreff engagiert, wäre hier garantiert auch nicht erschienen. Gottfried Lochers Predigt mag ermutigend und befreiend gewesen sein – doch die Gestaltung solcher Anlässe ist hoffentlich Kirche von gestern und nicht von morgen.

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  • Anonymous
    Gepostet um 09:22h, 24 Juni Antworten

    Sie haben recht, es geht nicht um eine Stilfrage sondern um eine Herzensfrage. Und wem das Herz voll ist, dem quillt nicht nur manchmal der Mund über, sondern die Hände und Arme verselbstständigen sich auch schon mal-ich finde, sogar beim Abendmahl darf man mal aus sich herausgehen und seine Nachbarn umarmen.
    Natürlich gibt es auch Predigten, die einen anders bewegen, so dass man kein Wort mehr sagen kann oder will. Aber lassen Sie doch dem Geist Gottes Raum,Menschen zu berühren und auf Ihn zu reagieren. Wenn schon die Bäume auf dem Feld in die Hände klatschen dürfen (Jes.55:12), dann dürfen wir es doch wenigstens gelegentlich auch.
    Amen hat übrigens mit Aufrichtigkeit zu tun, und vielleicht sollte man auch die vom Rest von Gottes grosser Menschenfamilie stehen lassen.

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    • Claudia Mehl
      Gepostet um 16:10h, 24 Juni Antworten

      Liebe(r) Anonymous, Ihr Beitrag spricht mir aus dem Herzen. Er ist sehr schön geschrieben. Auch bei uns wird bisweilen – nicht inflationär – im Gottesdienst geklatscht. Meist bekommen die Musiker Applaus. 🙂 Einmal wurde in einem ökumenische Gottesdienst applaudiert – nach einer gemeinsamen Predigt mit dem katholischen Pfarrer. Warum nicht? Das ist doch ein schönes Zeichen. Es war im übrigen eine Pfingstpredigt. Vielleicht war ja wirklich der heilige Geist im Spiel. 🙂

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  • Catherine McMillan
    Gepostet um 13:30h, 24 Juni Antworten

    Danke, Thomas Grossenbacher, für die ausgewogene und richtige Verteidigung der Liturgie. Ich möchte auch nicht, dass alles in Beliebigkeit zerfällt und dass die Elemente des Gottesdienstes gegeneinander ausgespielt werden. Ich möchte das Klatschen nach der Predigt nicht einführen. Andererseits finde ich, dass wir durchaus entspannter und flexibler sein sollten. Im Fall, dass Leute anfangen zu klatschen, ob für Gesprochenes oder für ein vorgetragenes Lied, würde ich es nicht unterdrücken. Da stellt man die Leute nur bloss. Und das ist ungnädig. Wenn wir für die ¨über 90% der Bevölkerung offen bleiben wollen, die nicht regelmässig klassische Konzerte besuchen, müssen wir den obersten Knopf lösen.,

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    • THOMAS GROSSENBACHER
      Gepostet um 14:22h, 24 Juni Antworten

      Liebe Catherine
      Danke für die freundlichen Worte. Genau um die Liturgie als Ganze ging es mir. Übrigens mit einem Augenzwinkern sei es geschrieben: Der oberste Knopf ist bei mir im Gottesdienst zu, weil ich unter dem Talar Krawatte trage. Ich bin froh, und geniesse Tenuerleichterung wo es der Umgebung entspricht. Gerne gehe ich offen durchs Leben. Aber es gibt Momente, wo ich gerne auf die Form achte. Du scheinst dem doch auch etwas abgewinnen zu können. 🙂

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  • Reinhard Rolla
    Gepostet um 13:33h, 24 Juni Antworten

    Der geistig-geistliche Unterschied zwischen Deinem Text, lieber Thomas und den Texten der Antwortenden und Kommentierenden ist eklatant. Solltest Du Pfarrer sein, gäbe es in deinen Gottesdiensten vielleicht wirklich nichts zu Beklatschen. – und es wäre Dir wahrscheinlich sogar Recht. Ich selber hätte absolut nichts dagegen, wenn in einem Gottesdienst Beiträge (Predigt, Orgelspiel) mit Applaus verdankt würden, wenn sie es verdienen. Gottesdienste haben doch – auch – mit dem „Herzen“ zu tun, und Applaus kommt doch „von Herzen“. Warum also soll man nicht das eigene berührt Sein, die eigene Begeisterung (kommt das nicht von „GEIST“?) mit Applaus beantworten? Wer nicht berührt oder gar begeistert ist, muss ja nicht klatschen. Übrigens könnte das Geräusch des Klatschens in der Kirche sehr wohl mit dem „Rauschen vom Himmel her wie von einem Sturmwind“ aus der Pfingsterzählung des Lukas vergleichbar sein. Oder?

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    • THOMAS GROSSENBACHER
      Gepostet um 14:15h, 24 Juni Antworten

      Lieber Reinhard Du beurteilt meine Antwort. Das ist dein Recht, doch genau das möchte ich im Gottesdienst nicht. Feedback gerne nachher. Kritisches und Lobendes. Ich würde es nie wagen, festzulegen, wo die geistlich-geistliche Ideallinie durchgeht. Mein lieber Kollege!
      Deshalb weder „Buh“ noch „Wow“ im Gottesdienst. Es reicht das Gspüri der Person, die ihn leitet. Es gibt auch andere Signale als Zurufe und Applaus, Feine Siganle der Körpersprache, die nicht nur aber hoffentlich auch, bei der Pfarrerin oder dem Pfarrer ankommen.
      Da ist das gute Gebet, das nachdenklich macht, den Schmerz der Welt auf den Kopf trifft. Es erträgt keinen Applaus. Derade, weil es tief bewegt. Das Leise und Starke soll im Stillen Platz haben. Der Heilige Geist äussert sich zuweilen auch ganz unhörbar geräuschlos. Das traue ich ihm zu. Wie es in deinen Gottesdiensten zu und her geht, weiss ich nicht. Würde ich auch nicht so über den Blog weg beurteilen wollen.
      Wenn ich beeindruckt, wenn ich berührt und erfüllt bin, muss das nicht immer zwingend aus mir heraus. Aber singen tu‘ ich gerne, ich liebe es, etwas zum Gottesdienst beizutragen, wenn ich ohne Leitungsfunktion bin. Maria soll das ja auch getan haben. Die Bibel weiss davon, dass sie das Wichtihge im Herzen bewahrt und das Magnificat gesungen hat.

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      • Esther Gisler Fischer
        Gepostet um 19:08h, 24 Juni Antworten

        Lieber Thomas
        Ein Glück, dass du nicht in einem lateinamerikanischen oder afrikanischen Kontext Pfarrer bist. Was ich sagen will, dass das Empfinden von Stil und Form enorm kulturell bedingt ist …

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        • THOMAS GROSSENBACHER
          Gepostet um 11:50h, 25 Juni Antworten

          Liebe Esther
          Deine Schlussfolgerung teile ich gerne.
          Allerdings fände ich es auch ganz und gar kein Unglück anderswo zur Welt gekommen zu sein. Aber nun ist es eben mal so, dass ich hier geboren und aufgewachsen bin. Und so freue ich mich, dass es im hiesigen kulturellen Horizont auch im 21. Jahrhundert stilvolle, gut besuchte Gottesdienste gibt. Nicht nur in Bern, mit der Tradition der musikalischen Vesper. Auch in Zürich – beispielsweise im Fraumünster am Sonntagmorgen, wo auch unapplaudierte Predigten zu Herzen gehen.
          Dabei bleibt klar: Es gibt nicht d i e Kirchgängerin, auch nicht d a s Volk (Stichwort: Volkskirche). Es gibt Menschen unterschiedlichster Bedürfnisse und Erwartungen. Schön wenn wir einander Raum geben. Auch Raum für die Stille.
          Ich erinnere mich an eine Aufführung der MAtthäuspassion vor ca 40 Jahren im Baslermünster, bei der ich als Chorist mitgesungen hatte Am Schluss war lange nur Schweigen im grossen Raum. Und dann standen die Menschen auf. Und niemand applaudierte. Aber es wurde im Stillen sichtbar, dass die Botschaft offenbar zu Herzen gegangen ist.

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          • Esther Gisler Fischer
            Gepostet um 21:19h, 26 Juni

            Lieber Thomas
            Alles klar! Ich bin eben in der weltweiten Kirche zuhause und da geht manchmal eben die sprichwörtliche Post ab!
            Mit forhem Gruss
            Esther.

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          • Esther Gisler Fischer
            Gepostet um 09:01h, 02 Juli

            Diese kulturellen Prägungen und Vorlieben sind wohl auch die Gründe, weshalb Christinnen und Christen aus der ganzen Welt an einem Sonntag nicht gemeinsam, sondern getrennt feiern. Schade eigentlich!

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  • Reinhard Rolla
    Gepostet um 13:57h, 24 Juni Antworten

    Nachtrag: Beim klassischen Konzert wird nach jedem Werk geklatscht. Da normalerweise mehrere Werke aufgeführt werden, ertönt mehrmals. Applaus. In Oper und Operette darf nach jeder Arie applaudiert werden. Im Oratorium nicht, wohl weil es vom Charakter her eher monolithisch ist. Ein Gottesdienst ist nicht aus einem Stück geformt, er ist also kein Monolith…

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  • Reinhard Rolla
    Gepostet um 20:37h, 24 Juni Antworten

    Lieber Thomas, wir haben offensichtlich ein verschiedenes Gottesdienstverständnis. Vermute ich richtig, dass für Dich der Gottesdienst eine „heilige Feier“ ist? Dein Vergleich mit einem „Konzert mit angehaltenem Atem“, wie ich das nennen möchte, legt mir diese Interpretation nahe. Du schreibst auch vom „Leitenden“. Das wiederum lässt in mir das alte Bild vom „Hirten“ und seiner „Herde“ auftauchen. Solche Gottesdienste gibt es noch viele. Aber die zunehmend abnehmende (ein kleines Wortspiel) Besucherzahl in den Kantonalkirchen deute ich so, dass immer weniger Menschen diese Form wollen und brauchen. Interaktive Veranstaltungen anstelle von relativ starren traditionellen und „pfarrerlastigen“ Feiern wären für mich willkommene Alternativen. Da ich nur noch Stellvertretungen mache und also in bestehende Strukturen hinein komme, halten sich meine Möglichkeiten natürlich in Grenzen. Trotzdem versuche ich immer, all zu Starres zu lockern. Auch die Ehrfurcht vor dem „Herrn Pfarrer“. (Ich habe noch nie einen Talar getragen, weil ich sichtbar am Sonntag kein anderer Mensch sein will, als ich die Woche hindurch war.) Ich orientiere mich am historischen Jesus, so gut ich ihn im Lauf der Jahre durch eifriges Suchen in den Evangelien gefunden zu haben überzeugt bin: Ein Mensch, bei dem „Mensch“ ein Ehrentitel ist, der erworben werden kann und muss. Das Wie steht für mich in den Seligpreisungen. Und Gottesdienste sind für mich – wie auch der Religionsunterricht – „Trainingseinheiten auf dem Weg zur „Menschwerdung“.. Gruss Reinhard

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  • Barbara Oberholzer
    Gepostet um 08:55h, 25 Juni Antworten

    Welche Rolle spielen eigentlich die Bedürfnisse der Gemeinde in dieser Frage? Der Menschen, die – immer noch – Gottesdienste besuchen? Fragen wir sie? Das Unverständnis von Paaren in Traugrsprächen wurde im Blog bereits angesprochen. Wir sind Volkskirche ….

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  • Reinhard Rolla
    Gepostet um 09:36h, 25 Juni Antworten

    Ich habe sie mein ganzes Pfarrerleben lang gefragt und einbezogen. Resultat: wir hatten neben „altmodisch-feierlichen“ Gottesdiensten auch jede Menge fröhlich-lockere, Beileibe nicht nur Familien-, sondern auch viele so genannte „Gemeinde-Gottesdienste“. Das Entscheidende war und ist immer, dass LIEBE geschieht, ZUWENDUNG. Was ja auch das „Geheimnis Jesu“ war und weswegen ich mich seit langer Zeit „Jesuaner“ nenne und „jesuanisch“ lebe. Auch und vor allem als Pfarrer/Seelsorger bin. Auch bei Hochzeitspaaren und bei Taufeltern mit wenig(er) Bezug zur Kirche, die aber – über die Kirchensteuer – doch noch dazugehören. Gilt das nicht Jesu Bild vom „Arzt“, zu dem wir heutzutage auch „Therapeut, Coach, Mediator…“ hinzufügen können? „Lehrt sie halten – und erst mal kennen und verstehen – was ich euch aufgetragen habe…“

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  • Joachim Finger
    Gepostet um 12:30h, 25 Juni Antworten

    Bei uns in der Kirche wird spontan geklatscht. Nicht immer, aber immer wieder mal. Wir lachen, wenn wir uns in der Kirche begrüssen. Wir erzählen uns lustige Begebenheit. Wir sind fröhlich und ich liebe diese Fröhlichkeit vor dem Gottesdienst – die ernsthaftes Nachdenken während des Gottesdienstes überhaupt nicht ausschliesst. Es wird auch beim Abendmahl zuweilen geschmunzelt oder auch mal leise gelacht. Das dürfte von mir aus ruhig mehr werden.
    Ich erinnere mich ungern an diese gedrückt gezwungen ernste Stimmung, die ich aus meiner Jugend in Erinnerung habe. Mag Gott kein Lachen? Wir sind doch nicht Jorge aus „der Name der Rose“! Wir sind keine Trauergemeinde, wir sind eine fröhlich glaubende Gemeinde. Eine lebendige Gemeinde, in der stilles Zuhören, auch mal Tränen in den Augen, Nachdenklichkeit genauso Platz hat wie Lachen und Klatschen.

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