Für eine bessere Welt biete ich….

Brot für alle geht auch als Unternehmen in die Offensive

Das Schweizer Fernsehen an Ihrem Arbeitsplatz, um eine interne Sitzung zu filmen? Eine Sitzung, die nur halb so lang dauert als vorgesehen? Können Sie sich das vorstellen? Oder dauert es bei Ihnen meistens länger und die Fernsehzuschauer würden vermutlich wegzappen?

Brot für alle hat am 20. März in Bern das Westschweizer Fernsehen zu Gast. Es soll über das neue Organisationsmodell von Brot für alle berichtet werden. Das Kamera-Team bewegt sich deshalb laufend durch den Sitzungsraum, ändert immer wieder die Perspektive. Dennoch hoch konzentriert und effizient findet ein General Cercle statt. Das ist eine Sitzung mit gewählten Vertretern aus jedem Ressort von Brot für alle/ Bfa.

Rituale und Effizienz um Spannungen zu beheben

Seit etwa einem Jahr befindet sich die Unternehmensstruktur von Bfa in einem spannenden Experiment. Bernard DuPasquier, Geschäftsleiter seit Herbst 2015, hat seine KollegInnen dafür gewinnen können, sich auf eine andere Art der Unternehmensführung einzulassen. Er hat ihnen nicht versprochen, dass es klappt. Er hat sie jedoch überzeugen können, es zu versuchen.

An diesem Vormittag moderiert er ruhig, zielgerichtet und mit viel Humor und Gelassenheit die Gruppe des General Cercle. An jedem Punkt ist transparent, welche Fragen beantwortet und welche Aufgaben umrissen werden sollten. Es gibt, das wird der aufmerksamen Beobachterin sehr schnell deutlich, eine exakt strukturierte Vorgehensweise. Sie ist ritualisiert und bietet einen angenehmen und effizienten Rahmen, um sich auf die anstehenden Inhalte und Probleme, Spannungen genannt, konzentrieren zu können.

Die Wortwahl ist bewusst, es sollen keine Probleme, sondern Lösungen fokussiert werden. Denn Spannungen sind die Gegebenheiten, die den Umgang mit anstehenden Aufgaben beeinträchtigen. Der General Circle bietet deshalb einen Raum und einen klar strukturierten Prozess, um diese auf zielstrebige Weise zu lösen und denjenigen, der die Spannung eingebracht hat, mit Ressourcen ausgerüstet an seine Arbeit zurückgehen zu lassen.

Die kollektive Intelligenz eines Vogelschwarms

DuPasquier hatte am Anfang dieses Umwandlungsprozesses der Unternehmenskultur bei Bfa ein französisches Supervisionsteam der Université du Nous gebeten, die Mitarbeitenden, ihn eingeschlossen, darin zu unterrichten, wie sie Führung anders verstehen können.

Ein Ziel war dabei, das Phänomen der kollektiven Intelligenz zu verstehen. Man stelle sich einen Schwarm Vögel vor, der gemeinsam unterwegs ist. Der Schwarm ändert die Bewegung blitzschnell harmonisch, zielgerichtet und ohne Zusammenstösse. Wir schauen fasziniert an den Himmel: Wie geschieht das?

Es ist ein Phänomen kollektiver Intelligenz. Die Führung des Schwarms geht nicht von einem bestimmten Vogel aus, sondern wechselt von einem zum anderen. Das Tier, das vorne ist, hat den Überblick und führt. Ändert es aber die Richtung, so ist zwangsläufig ein anderes Tier „vorne“ und hat jetzt den Überblick. Die kollektive Intelligenz kommt aber nicht zum Tragen, wenn nun die Führung nicht wechselte. Gleichzeitig bedarf es einer hohen Aufmerksamkeit aller Tiere, um die Richtungsänderung antizipieren und schnell genug darauf reagieren zu können. Das heisst, es kann jede/n treffen, alle müssen bereit sein, zu übernehmen.

Führung neu einüben

Jan Tschannen, Theologe bei Bfa, erklärt mir, es gebe drei Faktoren, die Führung in diesem Ansatz definieren: Kompetenz, Relevanz und Moment.

Bei Brot für alle geht es also auch darum zu sehen, wer in einer Frage die grösste Kompetenz hat, welche Relevanz die unterschiedlichen Kompetenzen für eine Fragestellung haben und wann der Moment gekommen sei, um jemandem die Führung in dieser Frage zu überlassen. Die Ritualisierung der Sitzungsprozesse hilft deshalb, möglichst schnell die Situation zu überblicken, gibt der Intuition Raum und hilft schnell zu entscheiden.

Für jeden der knapp vierzig MitarbeiterInnen bei Bfa hat mit der Entscheidung, die Unternehmenskultur zu ändern, ein langer Prozess der Auseinandersetzung mit eigenen Führungsansprüchen begonnen. In den Steuerungsprozessen Führung so zu verstehen, dass einer allein und alles kennt, versteht und entscheidet ist, wenn man den Vogelschwarm betrachtet, un-intelligent. Denn das lässt Ressourcen von Einzelnen brachliegen, verlängert Entscheidungswege und ist bildlich gesprochen Quelle von Zusammenstössen.

Bfa setzt sich für einen Wandel in allen Regionen der Welt ein, nun ist das Unternehmen selber im Wandel begriffen, voller Vertrauen in eine gute Idee.

 

Der Fernsehbeitrag wurde noch nicht gesendet. Hier darum ein Link zu einer anderen Sendung über Bfa:
http://www.telebielingue.ch/de/node/242062
http://universite-du-nous.org

Die Meinung der Autorin in diesem Beitrag entspricht nicht in jedem Fall der Meinung der Landeskirche.

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1Kommentar
  • michael vogt
    Gepostet um 16:40 Uhr, 28. März

    Der Vogelschwarm als Bild für die kollektive Intelligenz: Das Ich als Illusion, die Bewegung aus dem Gesamten. Wo dies nicht durch Verblendung verdeckt ist, haben tatsächlich alle eine wunderbare Speise vor sich, bei der auch das Brot nicht fehlt.

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