Spiel mit dem Feuer

Letzte Woche berichtete mir mit Begeisterung ein Freund auf Facebook, dass Trumps Ex-Berater Steve Bannon am 6. März nach Zürich kommt. Warum muss ich das hier kommentieren? Weil es mit Religion zu tun hat – mit Politik und Religion. Das will ich erklären.

Steve Bannon wird von einer Bewegung innerhalb des Christentums stark beeinflusst. Sie heisst „Dominionismus“ oder auch „christlicher Rekonstruktionismus“. Dominionisten glauben, dass Christen alle Bereiche des Staats und der Gesellschaft unter ihre Macht bringen sollen. Das Ziel ist ein Gottesstaat, eine Theokratie. Das Gesetz des Landes muss dem alttestamentlichen Gesetz nach fundamentalistischer, wortwörtlicher Auslegung konform sein. Darum soll die Demokratie gestürzt werden. Darum sollen keine Muslime gewählt werden dürfen.

Das hört sich vielleicht weit hergeholt an. Es ist aber traurige Realität. Vermutlich 35 Millionen Christen in Amerika vertreten eine Form dieser Theologie. Bannon gehörte dem geheimtuerischen dominionistischen Rat für nationale Politik an, als er von Trump zum Hauptwahlstrategen ernannt wurde. Über Bannon liefen die Verbindungen zwischen christlichen Vereinigungen gegen Abtreibung, Ku Klux Klan – Rassisten und der neuen Südstaaten-Hass-Gruppe, die für einen unabhängigen Süden plädieren, der nur von Weissen kontrolliert wird. Er gewann Milliardäre, die hinter solchen Anliegen stehen und bereit waren, Trumps Wahlkampagne zu unterstützen.

Steven Bannon selber ist ein Opportunist. Er lebt nicht unbedingt nach den Gesetzen, die er propagiert, aber er kann fromme Amerikaner begeistern. Selber ist er viermal geschieden. Nach dem harten Flügel der dominionistischen Glaubensrichtung, müsste der Ehebruch mit dem Tod bestraft werden – wie auch Abtreibung und Homosexualität.

Dass Bannon sich immer wieder hinter solche Ansichten stellt, hat er im Dezember wieder bewiesen. Er unterstützte die Kandidatur von Roy Moore aus dem Bundesstaat Alabama für einen Sitz im US-Senat. Roy steht am rechten Rand der Republikanischen Partei. Als Richter hatte er einen Granitblock mit den Zehn Geboten der Bibel in den Gerichtssaal gestellt und gesagt, dass sie über den Gesetzen des säkularen Rechtsstaates stünden. Er sagte, dass es besser wäre, wenn alle Zusätze zur Verfassung der Vereinigten Staaten aufgehoben würden, also auch die Abschaffung der Sklaverei und die Einführung des Frauenwahlrechts. Er sagte, dass der Terroranschlag von 9/11 eine Strafe Gottes für die Abtreibungen und die Homo-Ehen in Amerika sei. Beinahe hätte er trotzdem die Wahl gewonnen – mit der Unterstützung von Bannon und dessen Breitbart-News-Plattform. Aber immer mehr Frauen sagten gegen ihn aus wegen sexueller Nötigung. Es waren ein paar tausend Stimmen, die seine Niederlage dann doch noch bewirkten. Zur Empörung vieler Christen in Amerika standen doch viele Kirchen bis zum Schluss zu ihm.

Steven Bannon zu schmeicheln, seine fremdenfeindlichen- und demokratiefeindlichen Ansichten in einer viel gelesenen Zeitschrift zu loben, ist ein Spiel mit dem Feuer. Er wettert gegen die Presse, betrieb aber eine Presse-Plattform, die er als Waffe bezeichnete. Er sagte einmal: „Ich will alles zum Einsturz bringen und das heutige Establishment zerstören.“ In einer Rede in Rom sagte er, der Westen stehe „am Beginn eines sehr brutalen und blutigen Konflikts“ gegen den „dschihadistisch-islamischen Faschismus“. Es brauche eine „aggressive Haltung“ gegen den radikalen Islam und zur Verteidigung der jüdisch-christlichen Kultur. Es sei an der Zeit, für den eigenen Glauben und „gegen die beginnende neue Barbarei zu kämpfen“. Nach seinem Weltbild muss es zum Krieg kommen. Er will es auch so, denn nur so könne man von „Ground-Zero“ neu anfangen. Seit Jahren werden solche Vorstellungen in bestimmten Kirchen salonfähig gemacht. Evangelikal ist nicht gleich evangelikal. Die Richtung innerhalb der Evangelikalen, die der sogenannten „Kingdom Now“ Theologie anhängen, propagieren dieses Weltbild, obwohl sie sich auch unter sich darüber streiten, ob das tausendjährige Reich vor oder nach der Wiederkunft Christi kommen wird.

Als Christin halte ich die Lehre von Jesus Christus in Ehren. Das ist eine Lehre der Versöhnung, des Friedens und der Barmherzigkeit. Sie ist nicht mit der theologischen Politik oder politischen Theologie der Dominionisten vereinbar.

Die Autorin ist für diesen Beitrag verantwortlich und der Inhalt entspricht nicht in jedem Fall der Meinung oder dem Standpunkt der Landeskirche.

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18 Kommentare
  • Barbara Oberholzer
    Gepostet um 08:15 Uhr, 27. Februar

    Wie eine solch christliche Theokratie nach alttestamentlichem Gesetz ausschauen könnte, beschreibt die kanadische Autorin Margaret Atwood in ihrem Roman „The Handmaid’s Tale“, dt. „Der Report der Magd“, auf erschreckendste Weise. Horror pur! Nur nie sowas! Das Buch erschien 1985.

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    • Norton
      Gepostet um 20:15 Uhr, 27. Februar

      Na ja, sollte es demnächst tatsächlich wieder einen neuen Puritanismus geben, so ist es eher unwahrscheinlich, dass sich dieser auf biblische Gesetze gründen wird, viel wahrscheinlicher ist es, dass er sich an die Diskriminierungs- und Belästigungsdiskurse hängen und seine Repression im Namen der PC und des Schutzes unseres labilen emotionalen Gleichgewichtes ausüben wird!

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  • Reinhard Rolla
    Gepostet um 11:23 Uhr, 27. Februar

    Wieder einer, der voll und ganz „mit dem Penis denkt“: Frauen – oder Kinder – antatschen oder gar vergewaltigen scheint absolut zu solchen Idiotien dazu zu gehören. Dazu dann die abstrusesten steinzeitlichen Phantasien (auch „biblische“!) und ein paar „Köppels“ als Steigbügelhalter mit Allmachts-Phantasien – und fertig ist die Giftbrühe…

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  • Ursula Schleuss
    Gepostet um 12:35 Uhr, 27. Februar

    Danke für diese klaren Informationen Frau McMillan…

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  • Anonymous
    Gepostet um 19:50 Uhr, 27. Februar

    wow… dieses christian-reconstructionism-dingens ist doch voll der spannende Ansatz! … klingt doch voll nach Zwingli & co… 😉

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  • Urs Meier
    Gepostet um 20:21 Uhr, 27. Februar

    Stutzig macht mich der Disclaimer unter dem Beitrag („Die Autorin ist für diesen Beitrag verantwortlich und der Inhalt entspricht nicht in jedem Fall der Meinung oder dem Standpunkt der Landeskirche.“) Der ist doch hier neu, oder täusche ich mich? Weshalb diese Vorsicht? Und vor allem: Seit wann gibt es denn „eine Meinung oder einen Standpunkt der Landeskirche“?

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    • Barbara Oberholzer
      Gepostet um 09:16 Uhr, 28. Februar

      Ich bin am Disclaimer auch ein wenig hängenglieben. M.E. würde genügen:

      „Unsere Autorinnen und Autoren sind für ihre Beiträge selbst verantwortlich. Die Landeskirche begrüsst grundsätzlich eine möglichst differenzierte Meinungsvielfalt.“

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      • Stephan Jütte
        Gepostet um 09:52 Uhr, 28. Februar

        Liebe Barbara,
        wir werden deinen Vorschlag diskutieren. Danke dafür! Ein bisschen stocke ich noch bei deinem zweiten Satz: Er würde mir gut passen, um die Diskussionen in der Kommentarfunktion zu umschreiben. Aber für einzelne Beiträge? Da kenne ich auf unserem Blog sehr starke Beispiele, die nicht zuletzt darin anziehend sind, dass sie Position beziehen und dabei nicht besonders differenziert sind.
        Gleichzeitig sehe ich, dass dein Vorschlag auf mich irgendwie weniger distanziert wirkt, was mir gefällt… Wir bleiben dran!
        Herzlich, Stephan

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    • Stephan Jütte
      Gepostet um 09:47 Uhr, 28. Februar

      Lieber Herr Meier,
      wir haben den Disclaimer diese Woche eingefügt. Damit verbindet sich nicht die Annahme, dass es EINE Landeskirchliche Haltung oder Meinung geben soll. Immer wieder wurde die Redaktion gefragt, ob und inwiefern dieser oder jener Beitrag „unsere Sicht“ verkörpere. Wir wollen mit dem Disclaimer aber klar stellen, dass es auf dem Blog nicht um eine solche geht, sondern um eine offene und differenzierte Diskussionskultur, in der die verschiedenen Perspektiven zu Wort kommen und öffentlich besprochen werden können.
      In keiner Weise distanzieren wir uns von unseren Autor*innen! Im Gegenteil: In dieser Klammer, nämlich der Feststellung, dass es sich um private, eigenverantwortete Beiträge handelt, liegt viel Freiheit, ohne die unser Blog nicht sein könnte, was er ist. Ein Gespräch auf Augenhöhe.
      Herzlichen Dank für Ihr kritisches Mitdenken!
      Freundliche Grüsse,
      Stephan Jütte (für die Redaktion)

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  • Andri Florin
    Gepostet um 00:36 Uhr, 28. Februar

    Die Landeskirche verweist nur auf die persönliche Verantwortung der Autorin. Damit ist gemeint, dass die Reformierten dem einzelnen Gläubigen die Kompetenz zutrauen, relevante Ansichten selber zu formulieren und selber dafür einzustehen. Es gibt kein fertige abgeschlossenes Exkathedra – im weltlichen Diskurs muss Gedanken- und Informationsfreiheit beachtet werden, dafür herrscht Meinungsvielfalt. Jedem ist aufgetragen, nach seinem Gewissen und Kenntnisstand sich seiner Ansichten bewusst zu
    werden und bis dann nachzufragen und zu denken. Darum werden keine Parolen ausgegeben, mehr als Informationen und überprüfbares Wissen ist nicht zu haben ? Im persönlichen Gespräch lässt sich manches ergänzen, in eigener Reflexion vieles entdecken, der Mensch ist als Sucher unterwegs, so lasst ihn suchen und entdecken.

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    • Reinhard Rolla
      Gepostet um 08:33 Uhr, 28. Februar

      Aber weshalb musste dass explizit dem Blog von Catherine – kursiv – angefügt werden? (Und vielen anderen Blogs nicht!?)

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      • Stephan Jütte
        Gepostet um 09:38 Uhr, 28. Februar

        Lieber Herr Rolla,
        wir haben den Disclaimer diese Woche eingefügt. Catherine McMillan ist also als zweite Bloggerin „davon betroffen“. Mit diesem Disclaimer wollen wir genau auf das hinweisen, was Herr Florin oben so treffend beschreibt: Wir begrüssen die Meinungsvielfalt unserer Blogger*innen. Aber keine dieser Positionen, Betrachtungen oder Ausführungen muss die Last tragen, DIE Meinung der Reformierten Landeskirche des Kantons Zürich wieder zu geben.
        In der Vergangenheit ist an die Redaktion immer wieder – und übrigens nicht nur bei genuin politischen Themen – die Frage gestellt worden, weshalb „Die Reformierte Kirche“ diese oder jene Sicht vertritt. Der Disclaimer soll bloss zeigen: Hier auf dem Blog vertreten wir keine bestimmte Sicht, sondern die Haltung, dass über das, was uns beschäftigt, offen, differenziert und vielfältig diskutiert werden soll.
        Gerade in diesem Sinne schätze wir Ihre Sensibilität für solche Veränderungen sehr!
        Mit freundlichem Gruss,
        Stephan Jütte (für die Redaktion)

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      • Barbara Oberholzer
        Gepostet um 09:47 Uhr, 28. Februar

        Es stand schon nach dem Beitrag vor Catherine von Stephan Jütte. Aber ich denke auch, entweder ein Disclaimer erscheint immer oder nicht.

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  • michael vogt
    Gepostet um 04:29 Uhr, 28. Februar

    das alttestamentliche gesetz verurteilt alle, die es auch nur in einem nicht einhalten, zum tod. dieses urteil wird aber nach dem neuen testament nicht rechtskräftig, es sei denn gewissermassen alternativ, indem wir während des lebens sterben und in einem von grund auf erneuerten leben wandeln. hätten das – oder die analogien in andern religionen und nicht-religionen – alle oder auch nur eine kritische masse* verstanden, wäre es vorbei mit dem krieg. peace!

    *die anzahl menschen, die eine wende herbeiführt

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  • Imke
    Gepostet um 12:10 Uhr, 28. Februar

    Besten Dank an Catherine McMillan für diesen interkulturellen Beitrag. Much appreciated.
    Wie gestaltet sich die Bewegung der Dominionisten denn hierzulande?
    Mitglieder, Gemeinden, Profilierung und Beziehung zur Landeskirche?

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  • Catherine McMillan
    Gepostet um 17:33 Uhr, 01. März

    Liebe Imke, danke für die Frage. Das weiss ich leider auch nicht. Ich habe erst nach der Wahl von Trump angefangen, darüber zu lesen, weil ich verstehen wollte, warum so viele Christen zu Trump standen. Ich nehme an, dass diese Ideen für die meisten Menschen hierzulande sehr fremd sind.

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    • Anita Ochsner
      Gepostet um 18:01 Uhr, 01. März

      … das hoffe ich wenigsten, dass solche Ideen für die MEISTEN Menschen in diesem Lande sowie auch in anderen Landen fremd sind und bleiben. Und, dass diese die diesen Gedanken „sehr fremd“ gegenüber stehen, sich untereinander verständigen und mitteilen und reden und nach Aussen treten und gleichsam einladen über das Wie und für zu sprechen….

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  • Esther Gisler Fischer
    Gepostet um 18:43 Uhr, 24. Mai

    Liebe Catherine
    Das scheint sich ja etwas zu wiederholen: Auch Ronald Reagan war beseelt von altestamentarischen Bildern, wie etwa der „Schlacht von Hermageddon“, welche er in Nahzeit erwartet hatte und welche dann so in etwa durch die Kriegstreibereien der beiden Bushs im Nahen Osten in leidvolle Erfüllung gegangen ist. Die ‚Achse des Bösen‘ lässt grüssen!

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