Struktur gegen Menschen?

Betroffen musste ich in den letzten Tagen zur Kenntnis nehmen, dass ich gründlich missverstanden worden bin. Im Artikel des TA „Kirche zieht sich aus Hilfe für Suizidbetroffene zurück“ vom 1. Februar 2018 wird unser Stadtverband wie ein seelenloses bürokratisches Monster dargestellt, das neben der Immobilienverwaltung keine Ressourcen aufwenden will für Nebensächlichkeiten wie Suizidnachsorge.

Eine kalte Kirche
Als Kontrastmittel zu dieser unterkühlten Bürokratenkirche dient die langjährige und verdiente Arbeit Jörg Weisshaupts, eines Machers, der die Probleme noch angepackt und Kirche gestaltet, anstatt verwaltet hat. Er wird damit zum Bannerträger einer Kirche, die auf die Menschen zugeht und für die Schwachen unter ihnen einsteht, während „die Kirche“ sich lieber um „Immobilien statt Diakonie“ bemüht. Dieses Zerrbild einer machthungrigen und geldfixierten Kirche schliesst offenbar nahtlos an das Vorurteil an, das weite Teile der Kirchenmitglieder und Kirchenkritiker dort mitführen, wo Kirche strukturell organisiert und gesteuert wird.

Genau anders herum
In Wahrheit führt aber die Strukturreform, die möglich und nötig geworden ist, weil aus den fast drei Dutzend Stadtzürcher Kirchgemeinden eine grosse Kirchgemeinde wird, zum genauen Gegenteil: Die Kirchgemeinden vor Ort werden von Verwaltungsaufgaben entlastet und gewinnen mehr Freiraum um das zu tun, was das Kerngeschäft der Kirche ist: Mit den Menschen für die Menschen da sein.

Das führt dazu, dass ehemals zentralisierte Aufgaben, z.B. die Beratung für Zivildienstleistende oder die Vermittlung für Suizidbetroffene in Selbsthilfegruppen, nicht in einer isolierten Fachstelle, sondern im Netzwerk der Kirche übernommen werden. Die Angebote verschwinden nicht, sondern rücken näher zu den Menschen, die sie brauchen. Oder aus der Perspektive der Kirche: Sie zieht sich keineswegs aus der Hilfe zurück, sondern erbringt sie dort, wo Menschen vor Ort eng begleitet werden können. Genau dies tun zahlreiche Pfarrerinnen, Pfarrer, Diakoninnen, Diakone mit Freiwilligen schon lange, auch in der Notfallseelsorge. Wie geht es ihnen, wenn sie lesen, dass Kirche – die Kirche die sie ja auch sind – diese Arbeit nicht tut?

Die Kirche ist Teamwork
Ob im Fall der Suizidnachsorge eine spezielle Fachstelle besser gewesen wäre? Das ist schwierig zu sagen. Der Stadtverband hat mit dem Stelleninhaber nach Alternativen gesucht und neue Modelle bedacht, leider ohne Erfolg. Die Landeskirche hat den Stelleninhaber zudem eingeladen, deren Strukturen zu klären und ein Beitragsgesuch zu stellen; denn im Rahmen der Spezialseelsorge bei der Landeskirche wäre die Vermittlung von Selbsthilfegruppen thematisch und fachlich weit besser verortet gewesen. Dass dies dem Stelleninhaber nicht attraktiv genug erschien, bedaure ich. Um der Sache willen.

Wer nun den Reformierten Stadtverband gegen die Seelsorge und Diakonie ausspielt, handelt gefährlich: Denn wie es ohne Schulverwaltung keinen Unterricht, ohne Clubleitung keinen Ligaerhalt und ohne Intendanz keine Opern gibt, muss auch Kirche verwaltet werden. Und das ist kein Widerspruch! Die Organisation und Verwaltung von Kirche ist kein Selbstzweck und Geld kein Ziel. Beides sind Mittel um jetzt und künftig für Menschen da zu sein, ihnen beizustehen und durch „Glaube, Liebe und Hoffnung das Reich Gottes in Wort und Tat zu bezeugen“. Noch ein Beispiel dazu? Der Stadtverband plant seit Monaten mit dem Sozialwerk Pfarrer Sieber, ein Spital zu errichten.

Links zum Thema:

Artikel im Tages-Anzeiger vom 1.2.18 von Michael Meier
Kirche zieht sich aus Hilfe für Suizidbetroffene zurück

Beitrag von Michael Wiesmann vom 3.2. zu diesem Thema
Ein unbarmherziger Samariter

 

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31 Kommentare
  • Ruth Meier
    Gepostet um 08:31 Uhr, 04. Februar

    …ob es wirklich noch ein Spital braucht? Jedenfalls glaube ich auch, dass es Verwaltung und Struktur braucht. Wie ein Ruderboot mit zwei Rudern: Wer nur das eine zieht, dreht sich im Kreis. Hoffen wir, dass die Kirche da ein gutes Gleichgewicht findet!

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  • Barbara Oberholzer
    Gepostet um 09:13 Uhr, 04. Februar

    Lieber Martin, ich bin sehr froh, dass du reagiert hast. Dass die Landeskirche die Fachstelle weiter geführt hätte, wäre eine gute Lösung gewesen – vllt halt mit neuem Stelleninhaber? Mir geht es um die Sache – eine Fachstelle für überkonfessionelle Suizidnachsorge – und darum, dass die Kirche auch gegen aussen ein menschennahes, engagiertes, im besten Sinne christliches Gesicht behält.

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    • Hans Wiesmann
      Gepostet um 11:14 Uhr, 05. Februar

      Liebe Frau Oberholzer

      Grundsätzlich einverstanden, bis auf…..vielleicht mit einem neuen Stelleninhaber? War der bisherige nicht gut genug, will man den 61 jährigen schlicht loswerden wie dies im weltlichen Umfeld tagtäglich geschieht? Oder geht es darum, Mitabeiter mit höher dotierter Ausbildung in diese Fachstelle einzubringen?
      Seltsam erscheint mir auch, das Suizidnachsorge keine Kernkompetenz mehr sein soll, andererseits will die städtische Kirche trotzdem dieses Thema dezentral angehen, und dies, ob wohl man weiss, dass Jörg Weisshaupt die Arbeit mit einer Trägerschaft weiterführen will. Was jetzt wirklich?
      Verzeihen Sie diese Fragen eines Laien zum Thema, aber auch wir sind Kirche.

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      • Anonymous
        Gepostet um 17:48 Uhr, 05. Februar

        Sehr geehrter Herr Wiesmann

        Meine Anregung „vllt mit neuem Stellenhaber“ bezog sich auf nachstehenden Absatz von Martin Peier:

        „Die Landeskirche hat den Stelleninhaber zudem eingeladen, deren Strukturen zu klären und ein Beitragsgesuch zu stellen; denn im Rahmen der Spezialseelsorge bei der Landeskirche wäre die Vermittlung von Selbsthilfegruppen thematisch und fachlich weit besser verortet gewesen. Dass dies dem Stelleninhaber nicht attraktiv genug erschien, bedaure ich. Um der Sache willen.“

        Herzliche Grüsse, Barbara Oberholzer

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        • Hans Wiesmann
          Gepostet um 18:27 Uhr, 05. Februar

          Sehr geehrte Frau Oberholzer

          Besten Dank für Ihre Antwort.
          Unklar bleibt beim Ganzen, wer nun richtig liegt, der Berichterstatter Michael Meier oder Martin Peier, ich weiss es nicht, also lassen wir die Sache nun ruhen und hoffen auf eine gute Lösung. Ich persönlich würde Jörg Weisshaupt unterstützen bei seinem Projekt.

          Herzliche Grüsse, hans Wiesmann

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  • Jürg Hürlimann
    Gepostet um 10:00 Uhr, 04. Februar

    Ich danke Martin Peier für seine klärenden und berichtigenden Ausführungen. Das System der Kirchgemeinde der Stadt Zürich mit ihren zehn Kirchenkreisen ist das Ergebnis mehrjähriger umfangreicher Diskussionen, in welche sich die in den einzelnen Gemeinden wohnhaften und tätigen Menschen intensiv einbringen konnten. Es wurde gestritten, auch um Machtfragen und um das Verhältnis zwischen der „Zentrale“ und den einzelnen Orten / Kreisen / Quartieren des kirchlichen Lebens. So wie ich das Ergebnis verstehe, gilt der Grundsatz, dass die seelsorgerlichen, diakonischen, soziokulturellen Dienste möglichst an der Front, direkt bei den Menschen und unter Einbezug der örtlich beheimateten Menschen (auch den Freiwilligen!) angeboten werden, also die Kirche zu den Menschen geht und in den Kreisen / Quartieren verankert ist. Damit ist es folgerichtig, dass sich die „Zentrale“ auf administrative Aufgaben wie die Finanz- und Liegenschaftenverwaltung konzentriert.

    Die Verlagerung der Suizidnachsorge in die Kirchenkreise, also dorthin, wo üblicherweise Seelsorge und Diakonie betrieben wird, ist in dem Sinne konsequent. Ob es auch klug ist, wird sich weisen. Ich nehme an, dass es noch einige Jahre gehen wird und es erst nach der Aufnahme des Gemeindebetriebs möglich sein wird, das Nebeneinander von zentralen und dezentralen Aufgaben befriedigend auszutarieren und durchgehend zu erkennen, welche Aufgaben in fruchtbarer Inkonsequenz eben doch besser zentral für die ganze Stadt erfüllt werden sollen, auch wenn einzelne Kreiskommissions-, Kreisdiakonie- und Kreispfarrperson dies als Eingriff in ihr mühsam abgestecktes Gärtlein empfinden dürfte.

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    • Barbara Oberholzer
      Gepostet um 10:27 Uhr, 04. Februar

      „fruchtbare Inkonsequenz“ – super! Muss ich mir grad merken 😃

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    • René Schärer
      Gepostet um 00:27 Uhr, 07. Februar

      Herr Hürlimann, weshalb es sinnvoll ist, die „fruchtbare Inkonsequenz“ nicht mit bestehender Fachstelle, sondern nur mit aufgelöster Fachstelle zu testen, erschliesst dann aber dem geneigten Leser nicht. Abgesehen davon können nun mal im Bereich der Spezialseelsorge nicht alle Themen an die Basis abgeschoben werden. Dass dort Betreuung ebenfalls geschieht ist völlig logisch, aber eine Fachstelle ermöglicht mit ihren Angeboten auch eine Langzeitbetreuung in einer Pace, die bei der Arbeitsbelastung in dieser Weise nicht geleistet werden kann.

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  • Barbara Oberholzer
    Gepostet um 10:06 Uhr, 04. Februar

    Zumindest die Fraktion von Michael Wiesmann begrüsst die Fusion in der Stadt Zürich ja grundsätzlich nicht, wie ich an der letzten Synode live miterlebt habe. Was sein Blog aber deutlich spiegelt, ist, wie solche Entscheidungen gegen AUSSEN ankommen, vor allem dann, wenn sie unglücklich kommuniziert werden – also z.B. reformtechnisch statt inhaltlich. Daraus könnten wir lernen.

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    • Michael Wiesmann
      Gepostet um 10:32 Uhr, 04. Februar

      Liebe Barbara

      Mit Verlaub: Das ist so einfach schlicht falsch. Grundsätzlich wird die Notwendigkeit der Strukturreform im der Stadt Zürich von unserer Fraktion weder offiziell noch effektiv bestritten. So habe ich – wie die meisten anderen in meiner Fraktion – für den Zusammenschluss an sich gestimmt und votiert.

      Der Nichteintretens-Antrag meinerseits in der letzten Sitzung bezog sich lediglich darauf, dass a) die Synode mit der Teilrevision der Kirchenordnung erst noch die rechtlichen Grundlagen für eine so zusammengeschlossene Stadtgemeinde schaffen muss, und b) die Gemeindeordnung für die neue Stadtgemeinde der Synode noch nicht vorgelegen hat – und ich der Meinung bin, dass diese Hausaufgaben von Synode und Stadtverband vor einem solchen Beschluss kommen müssten.. Das wird auch genau so im Synode-Protokoll nachzulesen sein.

      Aber zurück zum eigentlichen Thema. Wir sehen nun, wie sich die Strukturen, die sich der Stadtverband bei der Überführung in die neue Stadtgemeinde gibt, effektiv auswirken. Und ja: Hier habe ich meine Anfragen.

      Martin Peier beantwortet diese Anfragen damit, dem Stelleninhaber besagter Fachstelle mehr oder weniger explizit die Schuld dafür in die Schuhe zu schieben, dass es keine Nachfolge-Finanzierung gab, um sämtliche Mitverantwortung von sich zu weisen. Eine solche Argumentationslinie spricht meines Erachtens nicht gerade für die Kritik- und Reflektionsfähigkeit auf der Führungsetage des Stadtverbandes. Vor allem in Anbetracht dessen, dass es sich hier um das zweite gröbere Kommunikations-Fiasko in der Tagespresse innert ein paar Monate handelt (Stichwort: Immobilien-Strategie).. Es sind doch immer die anderen… „Alles nicht unsere Schuld!“ Auch theologisch ein ziemlich fragwürdiges Konzept (wär mal was für einen eigenen Blog-Beitrag).

      Und dann die (eigentlich noch nicht mal spruchreife) Blendgranate mit dem neuen Spital mit den Sozialwerken Pfarrer Sieber. Man fordert Anerkennung für Leistungen ein, die so noch nicht einmal effektiv erbracht wurden. Und dort, wo Leistungen erbracht wurden, ist alles die Schuld der anderen, wenn es nicht weitergeht.

      Die eigentliche Frage bleibt: Wie genau soll eine überkonfessionelle und überregionale Arbeit wie die Nachbetreuung von Suizidbetroffenen KONKRET gewährleistet werden? Stattdessen folgt eine Apologie der Verwaltung, die an sich ja gar nicht zur Debatte steht (höchstens in ihrem Umfang, aber bei einer Strukturreform muss auch das sein dürfen).. Aber auch das ein Hinweis, wo der Fokus liegt..

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      • Barbara Oberholzer
        Gepostet um 11:13 Uhr, 04. Februar

        Lieber Michael
        Dann entschuldige ich mich in aller Form für meine – ausser der Schlussabstimmung, da hast du völlig recht – offensichtlich falschen Eindrücke. Manchmal kommts gegen aussen einfach anders rüber, als es offenbar gemeint war – Parallele zum Stadtverband 😉? In der Sache Fachstelle für Suizidprävention und -nachsorge sind wir uns aber nach wie vor einig.

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        • Michael Wiesmann
          Gepostet um 16:42 Uhr, 04. Februar

          Liebe Barbara

          Entschuldigung selbstverständlich angenommen 😉 Und mit dem Thema „Sender-Botschaft-Empfänger“ triffst Du definitiv einen wesentlichen Punkt würde ich meinen. Und da täte der Stadtverband gut daran, proaktiver, transparenter und auch selbstkritischer zu kommunizieren. Das wäre, wie man so schön sagt, „authentischer“, früher hätte man das wohl einfach als ehrlich bezeichnet.

          Und ja, beim Anliegen selbst sind wir uns durchaus einig. Wie man das so oft feststellt, wenn man offen und ehrlich den Dialog sucht.

          En liebe Gruess
          Michael

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      • Seraphim Weibel
        Gepostet um 17:24 Uhr, 05. Februar

        Zitat „Es sind doch immer die anderen… „Alles nicht unsere Schuld!“ Auch theologisch ein ziemlich fragwürdiges Konzept (wär mal was für einen eigenen Blog-Beitrag).“

        Als Psychologe frage ich mich wieso Abwehrmechanismen theologische Konzepte sein sollten ? Meines Erachtens behandelt die Theologie die Beziehung des Menschen zu Gott, bzw. stellt Überlegungen zur Transzendenz an. Ich halte es für sehr gefährlich sollte die Theologie wiederum beginnen zu ‚psychologiesiern‘. Dafür ist sie nicht geschaffen und darum auch gänzlich inkompetent. Wenn es aber nur darum ging verbal um sich zu schlagen sind sie natürlich gänzlich frei in der Wahl ihrer Argumente, bzw. Waffen, seien sie noch zu zweifelhaft.

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  • Beat Schwab
    Gepostet um 10:09 Uhr, 04. Februar

    ‚Das führt dazu, dass ehemals zentralisierte Aufgaben, z.B. die Beratung für Zivildienstleistende oder die Vermittlung für Suizidbetroffene in Selbsthilfegruppen, nicht in einer isolierten Fachstelle, sondern im Netzwerk der Kirche übernommen werden.‘
    Zwei Fragen dazu: Weshalb muss eine Fachstelle zwingend ‚isoliert‘ sein, wie es der Artikelschreiber unterstellt? Eine Fachstelle kann doch auch voll integriert und bei den Leuten sein!
    Weshalb baut der Stadtverband zuerst die Stellen ab, ohne vorher sichergestellt zu haben, wer denn diesen Spezialdienst willig und kompetent übernimmt und auch die Finanzierung gesichert ist?

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  • Andreas Losch
    Gepostet um 10:23 Uhr, 04. Februar

    vor allem weiss es der Schreiber doch auch besser, als es die erste Apologetik vermuten lässt“ …denn im Rahmen der Spezialseelsorge bei der Landeskirche wäre die Vermittlung von Selbsthilfegruppen thematisch und fachlich weit besser verortet gewesen.“ Zitat Ende.

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    • stephan jütte
      Gepostet um 10:29 Uhr, 04. Februar

      lieber andreas, kannst du noch sagen, woher das zitat stammt? kontext würde mich interessieren. merci, lg!

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  • Barbara Oberholzer
    Gepostet um 11:21 Uhr, 04. Februar

    Aus dem Blogbeitrag von Martin Peier gegen Schluss 😀

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    • stephan
      Gepostet um 13:59 Uhr, 04. Februar

      hihi, merci! habs ohne zusammenhang nicht erkannt. 🙂

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  • Barbara Oberholzer
    Gepostet um 11:23 Uhr, 04. Februar

    So, Schluss für mich heute! Heute ist doch Sonntag, da wird nicht rumgestritten 😆.

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  • Anita Ochsner
    Gepostet um 12:32 Uhr, 04. Februar

    es bewegt halt sehr, und zeigt auch wie Komplex dieser Zusammenschluss ist. Den ich aber, von gaanz weit, wohl sehr weit aussen, für eine gute Sache für die Sache wie hier gesagt im „Genau anders herum“ wichtig und gut finde. Und es scheint auch durch, wie Komplex diese Fachstelle für Suizidbetroffene ist. Wieviel Erfahrung und Wissen wohl auch ein Beziehungsnetzwerk sich hier aufgebaut haben konnte. Dass soll doch unbedingt weitergepflegt und weitergeführt werden können.
    Das Zitat wie oben erwähnt, im Abschnitt, „Kirche ist Teamwork“ ist mir gleich aufgefallen, dachte daran, wäre wohl eine Fachstelle die von der Landeskirche vielleicht sehr gut weiter, besser angeboten werden könnte .. wie es wohl versucht, angedacht angestossen worden ist.. Das ganze Wissen und Erfahrungen die darin liegen.. so eine Geschichte
    ein Beispiel von andren.. daraus lernen, wie schon wo gesagt.. alles ist Erfahrung.. dass es wohin kommt? Menschen für Menschen..
    Nun, habe da die Predigt gelesen ja, von Pfr. Michel Müller, „Kopfzerlüften“ sozusagen, nicht die ganze genau, doch der letzte Satz: und beziehe ihn auf diese Sache.
    „Noch einmal lasse Engelscharen singen./ Noch einmal führe uns zu deinem Kind./ Wovon wir träumen, lass es uns gelingen./ Schenk uns den Frieden, der in dir beginnt.“

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  • Martin Peier
    Gepostet um 19:07 Uhr, 04. Februar

    Auf Ende 2018 wird der Stadtverband aufgelöst. Sämtliche seiner Engagements müssen daher überprüft und in einen neuen Kontext überführt werden. Diese Klärung erfolgt zusammen mit den Beteiligten. Wir fragen nach denen, die die Angebote nutzen, woher sie kommen und eben auch, wo jedes Engagement den geeigneten Ort innerhalb der Kirche finden soll.

    Diese Gespräche finden auch mit der Landeskirche statt, die in einem ihrer Legislaturziele der Frage nachgeht, welche Aufgaben durch die Kirchgemeinden und welche durch die kantonalen Angebote wahrgenommen werden sollen. Und umgekehrt finden ähnliche Gespräche auch mit den sich bildenden Kirchenkreisen statt. Der Prozess ist nicht abgeschlossen.

    In diesen Rahmen gehörten auch Gespräche mit der Fachstelle Kirche & Jugend. Die Analyse ergab, dass die Jugendarbeit Aufgabe der Kirchenkreise sein soll, dass ein Netzwerk zu Jugendarbeit im Rahmen der neuen Kirchgemeinde gestärkt werden soll, der Erfahrungsaustausch jedoch bei der Landeskirche stattfinde. Weiter, dass die Beratung zu Sekten, die Vermittlung von Zivildienstleistenden für Kirchgemeinden sowie die Beratung und Vermittlung im Zusammenhang von Suizid bei der Landeskirche ihren Platz erhalten könne. Die Spezialseelsorge biete dazu einen geeigneten Kontext, ergänzend zur Seelsorge im Gemeinde-Pfarramt und der Diakonie.

    Im Aufbau ist zudem ein Konzept für eine Hotline, wozu die Landeskirche eine erste Testphase durchläuft. Ob dieses Angebot für die Stadt ausgebaut werden kann? Auch dazu braucht es Gespräche; denn die Kirchgemeinde Zürich liegt nicht einfach vor, sie muss entwickelt werden. Dazu benötigt es Kräfte, die solche Veränderungsprozesse mögen, mitgehen und die Kirche im Netzwerk entwickeln.

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  • Paula Walter-Gassmann
    Gepostet um 10:00 Uhr, 05. Februar

    Grüezi Mitenand
    Als Mitglied der reformierten Kirche Kanton Zürich bin ich froh, wenn ich kurz und bündig weiss, wohin ich mich wenden kann zu Fragen von Suizid. Ich möchte unter „Google“, „Reformierte Kirche Zürich, Suizid“, Fachleute erreichen, die thematisch ausgebildet sind und mir die benötigen Auskünfte geben können. Ich möchte, dass diese Personen unter optimalem Bedingungen und an einem gut erreichbaren, zentralen Ort arbeiten. Ich erwarte von der Organisation Kirche, das dies ohne Querelen in einer diakonischen Haltung eingerichtet wird. Ich danke allen, die sich mit Herz und Verstand dafür einsetzen.

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  • Seraphim Weibel
    Gepostet um 11:29 Uhr, 05. Februar

    Ja die Ref Kirche… *seufz* Da hat man mal ein Thema in der Presse das nicht öde langweilige Strukturreform ist und dann versenkt man sich selber mit persönlichen Grabenkampfäen. Gratuliere.

    Dabei hätte hier genau endlich eine Inhaltliche Debatte stattfinden sollen. Braucht es Suizid Hilfe ? Wer macht das, wie ist die Anbindung. Im Idealfall hätte man so der breiten Öffentlichkeit zeigen können : a) wie man in der Kirche ringt, und wie gut das man ein Angebot pflegt und entwickelt.

    Aber die Ref. _bezahlten_ Profis reden dann doch lieber wieder über Strukturen, Geld, Macht und Einfluss.

    *mirübelwird*

    Für den normalen engagierten und interessierten Menschen der eine gefühlte Heimat und Identität in einer spirituellen Organisation sucht ist das blos entfremdend.

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  • Corinne Duc
    Gepostet um 15:19 Uhr, 05. Februar

    Eigentlich ging es ursprünglich um die Nachsorge für Hinterbliebene…
    Bei „suizidgefährdeten“ Personen ist zwar ebenfalls jeder Fall wieder anders, aber meistens werden die Personen nicht im Suizid ihr Problem, sondern einen möglichen Ausweg aus ihren Problemen sehen. Daher sind die Seelsorgeangebote und offene Strukturen mit gesellschaftlichen Integrationsmöglichkeiten vor Ort so wichtig.
    Dass besonders im Citybereich ein Schwerpunkt für Seelsorge und Treffpunkte mit besonders niedriger Schwelle auch für Auswärtige und Nichtmitglieder erhalten bzw. mit den neuen Strukturen nach Möglichkeit noch besser sichtbar gemacht und koordiniert werden sollen, ist wohl kaum umstritten.
    Für Notfälle gibt es zudem die Notfallseelsorge (http://www.nfszh.ch/). Eine Ausgliederung in Ambulatorien oder Fachkliniken kann nicht die Kernaufgabe der Kirche sein; aber auch die Führung von spezifischen Fachstellen, in denen psychologische, psychiatrische oder medizinische Behandlungsformen angeboten werden, sollten im Normalfall entsprechend primär nicht unter kirchlicher, sondern unter fach-psychologischer bzw. psychiatrischer oder medizinischer Leitung stehen.
    Bei (e.g. interkonfessionell geführten) Paarberatungsstellen z.B. stellt sich das Problem wieder ganz anders u.a. weil heutige Beziehungen meist gemischtkonfessionell sind und nicht selten gerade auch die Verschiedenheit der Konfessionen bzw. Nichtkonfessionen tangierenden Fragen oder Konflikte gelöst werden wollen (inkl. ggf. Implikationen für die Kinder und deren Sozialisierung usw.).

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    • Seraphim Weibel
      Gepostet um 17:39 Uhr, 05. Februar

      Danke Corinne für den inhaltlichen Input. Tatsächlich sollte doch jeder Pfarrer/in in der Lage sein Hinterbliebene zu Seelsorgerisch zu betreuen ? Zudem gibt es psychologische Betreuung die in einem solchen Fall auch von der Krankenkasse übernommen wird. Wenn es nun eine Art Kompetenz-Zentrum geben soll, dass die vielen Angebote in der Stadt Zürich und darüber hinaus koordiniert und vernetzt wäre das natürlich eine tolle Sache. Aber das wäre wohl ein Projekt, dass tatsächlich eher für die Landeskirche und nicht nur die Stadt geeignet wäre. Oder wie sind die Angebote genutzt ?

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  • Fabian Kramer
    Gepostet um 18:12 Uhr, 05. Februar

    „Kommunikations-Fiasko“? Sowohl im Fall der Immobilienstrategie als auch der Suizidnachsorge wurden Medien von direkt Beteiligten instrumentalisiert, denen es nicht zuletzt um persönliche Interessen ging. Das ist verständlich, sowohl von der Seite der Beteiligten als auch von der Seite der Medien her. Dagegen lässt sich als öffentliche Institution und Arbeitgeber wenig ausrichten, wenn man sich an die Regeln der Sachlichkeit und Fairness halten will. Die Story vom reichen Stadtverband, der die Suizidbetroffenen im Stich lässt, klingt zu gut, als dass man sie mit blosser Kommunikationsarbeit verhindern könnte. Die Story vom Stadtverband als Spekulant auf dem Immobilienmarkt ebenso. Wen interessiert es da schon, dass die Immobilien in Wahrheit Millionen verschlingen statt Millionen einbringen? Beide Themen wurden übrigens von Journalisten bearbeitet, die sehr wohl und gründlich über die Fakten informiert waren.
    Der Stadtverband wird weiterhin mit Negativschlagzeilen leben müssen, solange der Reformprozess bestehende Strukturen bedroht und Menschen dadurch verunsichert sind, und solange es ein dankbares Publikum gibt für Berichte über faule Eier im Garten der Kirche, egal ob sie dort gefunden oder hineingelegt wurden. Was wir dagegen unternehmen können, ist einzig, dass wir noch mehr und besser über das Gute, das wir tun, auch sprechen. Das neue Sieberhuus in Affoltern ist nur ein Beispiel dafür. Es ist schade, dass mein Vorredner die Nachricht von diesem konkreten Projekt als „Blendgranate“ bezeichnet, während er sich bereitwillig empört über einen dürren Artikel im Tages-Anzeiger. Wer immer kirchlicherseits mit solchen Themen die Öffentlichkeit sucht, sollte bedenken: Von aussen betrachtet, bleibt das schlechte Bild nicht an einer einzelnen Institution wie dem Stadtverband haften, sondern an der reformierten Kirche als Ganzem.

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    • Michael Wiesmann
      Gepostet um 22:40 Uhr, 05. Februar

      … schreibt der Kommunikations-Verantwortliche des Stadtverbandes.

      Soviel zum Thema Transparenz. Klar kann man das auch googeln. Aber genau das ist des Pudels Kern: Um Transparenz zu erhalten, muss man erst nachbuddeln. Schade. Nun, zum eigentlichen…

      Lieber Herr Kramer

      1. Der Stadtverband könnte einfach mal zur Abwechslung versuchen, proaktiv und transparent zu kommunizieren und sich bemühen, etwas nachvollziehbarer zu begründen. Zum Beispiel, wie man sich konkret vorstellt, dass ein Thema wie Nachbetreuung von Suizidbetroffenen vor Ort und in einem „Neztwerk der Kirche“ konkret aussehen soll. Oder wenn das noch nicht klar ist, das einfach mal eingestehen. Die TA-Artikel sind wenigstens Teilweise dieser kommunikativen Unterlassungen geschuldet. Schliesslich erfährt selbst die Synode erst aus der Tagespresse, was in Zürich geplant und entschieden wird.

      2. Ich freue mich sehr, wenn die SWS angemessene Räumlichkeiten für Ihre Arbeit erhalten durch die Zusammenarbeit mit dem Stadtverband. Aber was genau hat das mit diesem konkreten Thema hier zu tun? Und warum spricht man davon, wenn es noch nicht wirklich spruchreif ist? Nennen Sie es Blendgranate, nennen Sie es Täuschungsmaneuver. Oder nennen wir es, als was es hier benutzt zu werden scheint: Ein Feigenblatt, weil man nicht bei eigentlichen Thema bleiben möchte. Das ist schade um eine eigentlich wirklich gute Sache.

      3. Sie unterstellen eine Instrumentalisierung der Medien. Nicht nur, dass Sie damit die Journalisten dahinter in relativ arroganter Weise als dumm hinstellen – es ist schlicht und ergreifend Tatsache, dass die Öffentlichkeit ohne die entsprechende Berichterstattung kaum etwas darüber erfahren hätte. Vergessen wir aber nicht: Die Kirche ist eine öffentlich-rechtliche Körperschaft, und dementsprechend darf man in Sachen öffentlicher Information gewisse Standards erwarten.

      Es stellt sich die Frage, warum die konstante Apologetik – anstatt einfach mal einzugestehen, dass man in Sachen Öffentlichkeitsarbeit reagiert und nicht agiert – und auch das nicht immer ganz glücklich. Ich wünschte mir als Synodaler und auch einfach als Kirchenmitglied, dass sich meine Kirche in dieser Hinsicht anders verhält.

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  • Imke
    Gepostet um 10:59 Uhr, 06. Februar

    Seit Anfang 2016 musste ich mich im Rahmen meiner Behördentätigkeit für eine Gemeinde mit dem Thema der Suizid- und Suchprävention beschäftigen. Anlass war ein trauriges Ereignis, plötzlich war ich involviert. Ich habe konkrete Fragen in Bezug auf das Handling von Sucht- und Suizidprävention an der Basis gestellt, die nicht beantwortet wurden. Stattdessen riet man mir, Vertrauen zu haben. Ich habe Aufsichtsbeschwerden eingereicht – entgegen dem Rat der Aufsichtsbehörde.

    Dass es eine zentrale Anlaufstelle, nämlich das Team um Jörg Weisshaupt, gibt, war mir bis dato gar nicht bekannt!

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  • Fabian Kramer
    Gepostet um 22:07 Uhr, 06. Februar

    Lieber Herr Wiesmann

    Ich hatte keineswegs vor, meine Aufgabe beim Stadtverband zu verschweigen. Bisher ist niemand in diesem Blog in seiner offiziellen Funktion aufgetreten. Dem habe ich mich angepasst. Doch ich antworte Ihnen gerne nochmals als Kommunikations-Verantwortlicher des Reformierten Stadtverbands. Ich würde mich freuen, wenn Sie Ihre Rolle in diesem Austausch ebenfalls offenlegen würden. Haben Sie mir als Pfarrer geschrieben? Als Synodaler? Als Fraktionskollege des Leiters der Fachstelle Kirche und Jugend? Oder als Kirchenmitglied?

    Zu Ihren Punkten:

    1. Ich räume gerne ein und habe das auch bereits in meinem letzten Beitrag getan, dass wir uns beim Reformierten Stadtverband punkto Kommunikation noch verbessern können. Der Zürcher Reformprozess stellt in vielerlei Hinsicht eine Pionierleistung dar und bedeutet auch für den Bereich der Kommunikation eine grosse Herausforderung. In der Angelegenheit der Fachstelle finde ich, dass unser Geschäftsführer Martin Peier die Beweggründe und Ziele ausführlich dargelegt hat. In einigen Tagen wird auch noch eine gemeinsame Stellungnahme der Landeskirche und des Stadtverbands im Tages-Anzeiger erscheinen. Daraus werden Sie ersehen, dass es durchaus eine Zukunft für die Suizidnachsorge mit kirchlicher Unterstützung hätte geben können, die der Stelleninhaber aber in der angebotenen Form nicht wollte. Die Auflösung der Fachstelle wurde übrigens bereits am 29. August 2017 mit einer offiziellen Mitteilung angekündigt.

    2. Ich gebe Ihnen gerne recht, dass das neue Sieberhuus nicht viel mit der Suizidnachsorge zu tun hat. Allerdings stellt sich mir dann die Frage, was die Immobilienverwaltung mit der Suizidnachsorge zu tun hat. Diesen völlig willkürlichen Zusammenhang hat der Tages-Anzeiger ja hergestellt, und er gab der Geschichte erst den nötigen Dreh, weshalb wir hier und heute darüber diskutieren.

    3. Es liegt mir völlig fern, Journalisten als dumm zu bezeichnen, da ich für die längste Zeit meines Berufslebens selber einer war. Ich kann gut nachvollziehen, wie solche Berichte zustande kommen. Den Begriff „Instrumentalisierung“ nehme ich zurück, wenn er zu scharf gewählt war. Ich wollte keinem der Beteiligten etwas unterstellen. Aber klar ist: Sachlich und seriös aufbereitet, würden Themen wie Suizidnachsorge oder Immobilienverwaltung bei der reformierten Kirche kaum ein grösseres Publikum interessieren. Erst die Personalisierung und Skandalisierung sorgen für die nötige Aufmerksamkeit. Das gehört zum journalistischen Handwerk.

    Ich hoffe, wir können damit diesen Austausch abschliessen, und das Wechselspiel von Polemik und Apologetik findet ein versöhnliches Ende. Zum Schluss habe ich auch noch einen Wunsch als einfaches reformiertes Kirchenmitglied: Ich wäre gerne Teil einer Kirche, die weniger von Verlustängsten und Selbsterhaltungstrieben geleitet ist, und die sich über Neues ebenso freuen kann, wie sie den Abschied von Altem fürchtet.

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    • Michael Wiesmann
      Gepostet um 09:24 Uhr, 07. Februar

      Lieber Herr Kramer

      Zur „Deklarations-Pflicht“: Als Autor auf diesem Blog kann man sämtliche Basic Infos meiner Person per Mausklick einsehen. Was meine konkrete Perspektive angeht, meine ich diese mehr als einmal explizit angeführt zu haben. Ich zitiere mich selbst: “ Ich wünschte mir als Synodaler und auch einfach als Kirchenmitglied, dass sich meine Kirche in dieser Hinsicht anders verhält.“

      Die wiederholte Unterstellung, aus Interessensverstrickungen mit Jörg Weisshaupt heraus zu schreiben, entspricht der gängigen Argumentationslinie des Stadtverbandes, sagt aber meines Erachtens mehr über die Denk- und Funktionsweise im Stadtverband selbst aus als über irgend etwas anderes.

      So schwer verständlich es für Sie vielleicht sein mang, aber mein Einsatz für Belange verschiedener Themen der Spezialseelsorge ist nicht neu. Als Synodaler habe ich schon Nachfragen bezüglich der Nachfolge des AIDS-Pfarramtes gestellt (im Rahmen der Budget-Debatte), habe mich intern dafür eingesetzt und an einem Konzept für eine mögliche Nachfolgelösung massgeblich mitgearbeitet (welches letztlich – welch Wunder – an den finanziellen Rahmenbedingungen gescheitert ist). Auch in anderen Fällen habe ich mich als Synodaler wiederholt für die Anliegen der Spezialseelsorge eingesetzt.

      Der Vorwurf einer persönlichen Interessensverstrickung aufgrund Fraktionszugehörigkeit ist also ein billiger Fingerzeig. Und sie kennen es ja, wer mit einem Finger auf den anderen zeigt, zeigt mit dreien auf sich selbst .Meine Motivation habe ich nun offen gelegt. Was ist die Ihre?

      Zu den Punkten:

      1. Tatsächlich ist ein Teil der Schwierigkeiten dem Prozess geschuldet, das mag gut sein. Umso mehr vermisse ich eine proaktive Informationsstrategie mit dem Ziel, Vertrauen zu schaffen (oder wenigstens zu erhalten) mit transparenter Kommunikation. Auf den Leserbrief von Stadtverband und Kantonalkirche bin ich durchaus gespannt – hoffe aber sehr, dass man sich nicht schon wieder darauf beschränkt, den eigenen Anteil völlig abzustreiten und alles dem früheren Stelleninhaber in die Schuhe zu schieben. Das ist schlicht unzureichend.

      2. Ich fand den Vergleich mit der Immobilienverwaltung auch nicht hilfreich, da sind wir einig. Fakt ist aber, dass sich der Verwaltungsapparat des Stadtverbandes nicht nur hinüberrettet, sondern punktuell ausgebaut wird. Ich bin kein Immobilien-Fachmann, deshalb ist es nicht an mir die Notwendigkeit des Ausbaus in diesem Bereich zu bestreiten. Aber wenn Verwaltung bleibt und erweitert wird, während Basis-Arbeit ohne konkrete Nachfolge-Lösung gestrichen wird, dann sieht das von aussen einfach so aus, als würden die Apparatschniks dafür sorgen, dass ihr Job bleibt (das Stichwort „Selbsterhaltungstrieb“ haben Sie ja geliefert) – egal, was dabei auf der Strecke bleibt weiter aussen. Um diesem Verdacht vorzubeugen, bräuchte es – einmal mehr – mehr Transparenz und weniger Schuldzuweisungen.

      3. Ich bin kein Journalist. Aber ich schaue und lese Nachrichten. Da bezeichnen „besorgte Bürger*innen“ die freien Medien als Lügenpresse und Pressesprecher*innen des „Mächtigsten Mannes der Welt“ unliebsame Berichterstattung als „fake news“. In einem solchen Umfeld sollte man als PR-Mensch und als Vertreter der Kirche seine Worte gegenüber der Presse mit bedacht wählen. Mag sein, dass nicht immer alles so läuft, wie wir es subjektiv als fair empfinden. Aber dann die Rolle des Presse-Opfers einer „instrumentalisierten“ Berichterstattung erscheint mir wenig zielführend.

      Das Eingeständnis der eigenen Apologetik ist sicher ein erster Schritt. Wenn ich aber im Zusammenhang mit der Frage, wie die Nachbetreuung von Suizidbetroffenen einen Satz lese wie diesen: “ und die sich über Neues ebenso freuen kann, wie sie den Abschied von Altem fürchtet.“ dann schein mir inhaltlich wesentliches nicht angekommen zu sein. Ginge es nur um Strukturen, wäre ich da ganz bei Ihnen. Aber hier geht es letztlich um Menschen. Und genau von diesen verabschieden wir uns (immerhin teilweise) als Kirche aktuell. Das ist mehr als nur bedauerlich – das ist eine Schande. Und das sage ich als Kirchenmitglied, Pfarrer und Synodaler – und vor allem als (Mit-)Mensch.

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  • Imke
    Gepostet um 17:43 Uhr, 07. Februar

    Ökonomie der Aufmerksamkeit. Vielen Dank für die Erläuterungen.

    Instrumentalisierung? Das ist mir dann doch etwas zu viel. Bei Michael Meier darf man Kirchenexpertise erwarten, selbst dann, wenn er als Aufmerksamkeits-/ Stilmittel die starke Gegensätzlichkeit Liegenschaft und Seelsorge nutzt; as aber nicht heisst, dass nichts dran ist.

    Institutionen mit öffentlich-rechtlichen Status, die berechtigt sind, Steuern zu erheben, müssen sich eine Berichterstattung gefallen lassen. War es nicht eigentlich viel zu lange viel zu ruhig um die Kirchenfusion? Ist nicht schon alles entschieden?

    Es steht ausser Frage, dass für die Kirchenarbeit Ressourcen benötigt werden, die auch mit der Nutzung von Immobilien erwirtschaftet werden. Es steht auch ausser Frage, dass kirchliche Liegenschaften Ressourcen verschlingen. Doch wohin fliessen sie eigentlich? Und geschieht das nach dem Prinzip der Wirtschaftlichkeit?

    Man muss kein Immobilienmanager sein, um das festzustellen, doch man muss sich die Jahresrechnungen ansehen, nachrechnen und Fragen stellen – das muss man schon.

    INTRANSPARENZ und AUTONOMIE

    Ein Grundproblem ist die Intransparenz, die persönlichen Verpflechtungen von Interessen und die enorme Ämterkumulation. Der eigene Arbeitgeber und dessen Zulieferer werden beauftragt, die eigenen Kinder und die Familie mit bezahlten Jobs versorgt, während der Bruder die Rechnungsprüfungskommission mehrerer Gemeinden präsidiert. Ein Finanzverantwortlicher nimmt sich neben seiner vollen Erwerbsarbeit der stattlich honorierten Gutsverwaltung an, die Arbeit aber verrichtet seine Frau, und so weiter, und so weiter …

    Mit Verlaub: Hier kommen solche in den Genuss eines stattlichen Zustupfs, die ihn gar nicht nötig haben. Hier werden Männernetzwerke gepflegt – auch und besonders für die Zeit nach der Fusion.

    Für die Aufsichtsbehörde sind das „Gepflogenheiten“, aber genau das geht in der Privatwirtschaft längst nicht mehr durch.

    Noch eine Anmerkung zur Aufmerksamkeitsökonomie:

    An einer öffentlichen Veranstaltung erklärte der Gesamtprojektleiter Reform und Präsident des Reformierten Stadtverbandes Zürich „Es ist egal, wie viele Mitglieder wir verlieren – unsere Botschaft kommt durch.“

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