Ehe für alle – Biblische Perspektiven

Der gesellschaftliche Trend ist klar: die „Ehe für alle“ findet zunehmend Rückhalt in der Schweizer Bevölkerung. Die parlamentarischen Mehrheiten für die „Ehe für alle“ dürften vorhanden sein. Selbst die Schweizerische Bischofskonferenz lehnt die „Ehe für alle“ zumindest nicht ab. Wie einsame Rufer in der Wüste treten freikirchliche Kreise und evangelikal ausgerichtete Christinnen und Christen aus den reformierten Landeskirchen im Namen der biblischen Botschaft gegen die „Ehe für alle“ an, weil die Bibel Homosexualität klar ablehne. Für sie wäre es schlicht ein „Kniefall vor dem Zeitgeist“, wenn die reformierten Kirchen diese Entwicklung befürworten würden. In den Medien wird demgegenüber die Forderung laut, die reformierten Kirchen sollten sich von diesem evangelikalen Flügel nicht zu sehr blockieren lassen und sich endlich ihrer freiheitlichen und offenen Tradition entsprechend klar und eindeutig positionieren (zuletzt Simon Hehli in der NZZ). Im Interview von Bund und Tagesanzeiger hat der Präsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes seine persönliche Haltung in dieser Frage in dankenswerter Klarheit formuliert. Homosexualität entspreche Gottes Schöpfungswillen und die Ehe sei keine Bekenntnisfrage.

Zeichen der Zeit

Eine kirchliche Positionierung in dieser Frage muss gesellschaftliche Entwicklungen offen und selbstkritisch zur Kenntnis nehmen. Und sie muss nach biblisch-theologischen Gründen und Argumenten in dieser Thematik zu fragen! Denn eines scheint mir klar: das Bedürfnis, modern und zeitgemäss zu sein, dem liberalen Zeitgeist zu entsprechen, kann und darf kein Grund für eine kirchliche Neupositionierung sein. Umgekehrt ist aber auch zu betonen, dass Kirche und Theologie ihre Botschaft und ihre Auslegung des biblischen Zeugnisses immer wieder neu im Lichte der „Zeichen der Zeit“ (Vaticanum II) überprüfen müssen. Die Bibel ist nicht nur eine Hilfe, sich nicht dem Zeitgeist zu unterwerfen. Der Zeitgeist kann ebenso eine Hilfe sein, unser Bibelverständnis zu überprüfen. Und aus guten biblisch-theologischen Gründen sollten wir dann dem Zeitgeist widersprechen (egal wie die Mehrheiten sind) oder aber die Zeichen der Zeit verstehen und neue Erkenntnisse und Einsichten in unser Bibelverständnis aufnehmen.

Homosexualität und die Bibel

Wie sieht es also mit der biblischen Botschaft aus im Blick auf gleichgeschlechtliche Partnerschaften? Eine weitverbreitete Meinung ist ja, dass die biblische Botschaft gleichgeschlechtliche Liebe klar ablehne. Die erste Überraschung ist deshalb, dass es nur ganz wenige Bibelstellen gibt, die mit Homosexualität zu tun haben. Davon haben zwei Stellen (1. Kor 6,9 und 1. Tim 1,10) vermutlich Homosexualität in Abhängigkeitsverhältnissen (die Knabenliebe der hellenistischen Kultur im Blick) und in Genesis 19 geht es um die brutale Vergewaltigung von Männern. Alle drei Stellen lassen sich in meinen Augen nicht für eine biblische Beurteilung gleichgeschlechtlicher Liebe heranziehen, weil sie Abhängigkeits- oder Gewaltverhältnisse im Blick haben und nicht die freie Zuwendung und Liebe zweier Menschen.

Es bleiben lediglich zwei Stellen im Buch Leviticus und eine im Römerbrief. In Lev 18,20 heisst es: „Mit einem Mann sollst du nicht schlafen, wie man mit einer Frau schläft“. Und in Lev 20,13 wird dies als ein Greuel bezeichnet und mit der Todesstrafe bedroht. Diese Stellen sind eindeutig – auch wenn sie nicht ein breites biblisches Zeugnis darstellen. Allerdings gehören sie zu den alttestamentlichen Reinheitsvorschriften, die von Jesus zumindest relativiert worden sind. Und ein Greuel ist in der Bibel auch der Verzehr eines nicht durchgebratenen Steaks, von Blutwurst oder Meeresfrüchten ohne Schuppen und Flossen. Gibt es nicht viele gute Gründe, in diesen beiden Stellen den Zeitgeist zur Zeit ihrer Entstehung zu erkennen, einen Ausdruck einer zutiefst patriarchalen Kultur, für die der Beischlaf zwischen Männern einen Akt der Entmännlichung darstellen musste? Dürfen wir bei solchen Texten wirklich nicht klüger werden – so wie wir uns stillschweigend von vielen anderen Reinheitsgeboten verabschiedet haben?

Aber Paulus…!

Aber Paulus lehnt die gleichgeschlechtliche Sexualität doch ebenfalls ab! In Römer 1,26f. wird Sexualität von Frauen mit Frauen und von Männern mit Männern als widernatürlich bezeichnet. Es ist übrigens die einzige Stelle, die gleichgeschlechtliche Sexualität von Frauen negativ beurteilt. Hier ist das Problem also, dass Homosexualität angeblich gegen die Natur sei. Im 1. Jahrhundert nach Christus war diese Sicht vermutlich plausibel. Und sie ist bis vor wenigen Jahrzehnten auch in unseren Breitengraden medizinisch und juristisch vertreten worden. Heute kann man aber auf wissenschaftlicher Basis diese Position nicht mehr vertreten. Gleichgeschlechtliche Liebe ist nicht gegen die Natur. Sie ist wie die heterosexuelle Liebe eine Spielart menschlichen Begehrens. Das ist keine Frage der persönlichen Einschätzung, sondern eine Frage der wissenschaftlichen Erkenntnis. Wir werden auch nicht mit biblischen Gründen behaupten, dass die Erde eine Scheibe sei und nur wenige werden die Evolutionslehre deshalb ablehnen, weil die Erde nach biblischem Zeugnis in 7 Tagen von Gott geschaffen worden sei.

Homoerotische Züge

Von der vermeintlich so klaren biblischen Verurteilung der Homosexualität bleibt also nicht viel übrig. Drei knappe Stellen, die Ausdruck einer patriarchalen Kultur sind oder einer zeitgebundenen Sicht des „Natürlichen“ und die lediglich den Geschlechtsakt betreffen. Eine heutige verantwortliche Exegese wird weder dieser Fixierung auf den Geschlechtsakt noch den veralteten Weltbildern in ihrer Beurteilung gleichgeschlechtlicher Liebe folgen können.

Aber bleibt es nicht doch dabei, dass die biblischen Äusserungen zur Homosexualität vielleicht zeitgebunden, aber doch alle negativ sind? Auch hier ist Widerspruch notwendig. Es gibt tatsächlich keinen einzigen Text, der den gleichgeschlechtlichen Sexualakt positiv konnotiert. Aber in den neutestamentlichen Texten wird Sexualität überhaupt eher negativ konnotiert und am ehesten mit der Fortpflanzung verknüpft. Wollen wir ernsthaft zu einer solchen Sicht zurück? Wichtiger aber scheint mir die Feststellung, dass es durchaus biblische Texte gibt, die homoerotische Züge haben und eine starke gleichgeschlechtliche Zuneigung zeigen. Dies gilt besonders für die Trauer Davids um Jonathan (2. Sam 1,26): „Du warst mir so lieb. Wunderbarer war deine Liebe für mich als die Liebe von Frauen“. Und auch die Einführung des Lieblingsjüngers im Johannesevangelium (Joh 13,23) trägt zumindest homoerotische Züge. Er lag in Jesu Schoss und lehnt sich danach an die Brust Jesu zurück. Oft wird auch die Rutherzählung in diesem Zusammenhang erwähnt (Ruth 1,16f: Wo du hingehst, will ich auch hingehen), aber da ist der Kontext ein anderer – auch wenn wohl nicht zufällig dieser Text oft bei Trauungen gewünscht wird.

Die grossen Linien

Mindestens so wichtig wie die Neubeurteilung der kritischen Stellen und die Beachtung der Stellen, in denen gleichgeschlechtliche Zuneigung positiv konnotiert ist, scheint mir aber ein Blick auf die grossen Linien der Botschaft der Bibel und der Botschaft Jesu und ihre Einordnung in eine zeitgemässe theologisch-ethische Bewertung. Es dürfte keinen Streit darüber geben, dass die Gottes- und Nächstenliebe im Zentrum der biblischen Botschaft steht und in allem das oberste Kriterium darstellt. Ebenfalls unumstritten sollte hoffentlich sein, dass jegliche Form der Diskriminierung nicht mit dem biblischen Zeugnis vereinbar ist. Und eindeutig scheint mir auch, dass die Zuwendung Gottes zu den Menschen nicht an irgendwelche Vorbedingungen gebunden ist. All diese biblischen Grundsätze gelten auch und uneingeschränkt für gleichgeschlechtlich Liebende und Begehrende. Gerade weil sie über Jahrhunderte unter Diskriminierung – auch und besonders – von kirchlicher Seite gelitten haben, ist von den Kirchen ein starkes und eindeutiges Zeichen notwendig. Alles andere als ein Ja zur „Ehe für alle“ wäre theologisch unverantwortlich und eine Fortsetzung einer Diskriminierungsgeschichte, durch die die Kirchen viel Schuld auf sich geladen haben.

Mehr Mut

In seiner Vorlage für die AV vom vergangenen Juni zur „Ehe für alle“ schreibt der SEK: „Wir sind von Gott gewollt, so wie wir geschaffen wurden. Unsere sexuelle Orientierung können wir uns nicht aussuchen. Wir nehmen sie als Ausdruck geschöpflicher Fülle wahr. Unabhängig von unserer sexuellen Orientierung begegnen wir homosexuellen Menschen mit Respekt. Wir nehmen uns gegenseitig als Schwestern und Brüder in Christus an.“ Diese wenigen Sätze sind theologisch gut begründet. Sie lassen aber das folgende „Sowohl – als auch“ in der Vorlage nicht zu. Wenn alle Menschen von Gott so gewollt sind wie er sie geschaffen hat und sich ihre sexuelle Orientierung nicht aussuchen können, dann ist das Ja zur „Ehe für alle“ die zwingende Folgerung aus dieser Feststellung. Wenn diese Sätze ernst gemeint sind, bedeutet alles andere, dass man gleichgeschlechtliche Liebe doch als minderwertige Form ansieht und damit eine Diskriminierungsgeschichte fortsetzt. Den Mut zu einer klaren Positionierung sollte der SEK aufbringen – auch wenn damit innerkirchliche und ökumenische Auseinandersetzungen verbunden sind. Der Präsident des SEK Gottfried Locher hat mit seiner persönlichen Stellungnahme im Zeitungsinterview ein wichtiges Zeichen gesetzt.

 

Weitere Beiträge zum Thema «Ehe für alle»:

In der Liebe vorangehen von Rhea Dübendorfer, 5.11.2019

Nid drunger, nid drüber: drnäbä! von Andreas Kessler, 

Streit um die «Ehe für alle» – zur kirchlichen Diskurskultur von Matthias Zeindler, 

Ehe für alle – ein Zwischenruf von Bernd Berger, 

Habt ihr nicht gelesen… Ehe für alle? von Stephan Jütte, 

Rückwärts Marsch von Michel Müller, 

Ja, ich will! von Brigitte Hauser, 2.8.2019

Ach Kirche, halt die Klappe! von Stephan Jütte, 17.6.2019

Streitfrage «Ehe für alle» und die Bibel von Stephan Jütte, 5.3.2019

Die Meinung des Autors in diesem Beitrag entspricht nicht in jedem Fall der Meinung der Landeskirche.

Blog abonnieren     Alle Beiträge ansehen    

Diesen Beitrag fand ich...
  • wichtig (102)
  • inspirierend (20)
  • fundiert (61)
  • frech (4)
  • berührend (5)
  • langweilig (1)
  • falsch (24)
  • schlecht (8)
  • lustig (0)
25 Kommentare
  • Vroni Stähli
    Gepostet um 08:37 Uhr, 20. August

    Danke lieber Bernd für diesen sehr sorgfältigen Beitrag!

    8

    1
    Antworten
  • michael vogt
    Gepostet um 09:23 Uhr, 20. August

    es gibt viele spielarten des menschlichen begehrens, die wider die natur sind. dort, wo es interessant würde, hört es auf. über die entstehung von homosexualität habe ich bisher nichts vernommen, was ich als allgemein gültig verstehen könnte. die sicht des natürlichen betrifft nicht nur den geschlechtsakt. ob ich am vaginal- oder am analverkehr orientiert bin, wirkt sich auf das gesamte aus, ob ich nun homosexuell, bisexuell oder heterosexuell bin, wo der analverkehr zu den vehütungsmethoden zählt, und sich dann die frage stellt: wo liegt nun die priorität, in der verhütung oder in der auswirkung auf die physik der beteiligten körper und auf die seele der beiden beteiligten? meine meinung ist, dass sich aus darlegungen wie der Ihren keine eindeutigen schlüsse ziehen lassen. damit werfe ich eine lanze für die unentschiedenheit der kirchenleitung. es gibt nämlich auf der anderen seite noch einen genuin biblischen – wie das vorangehende und folgende nicht auf das evangelikale beschränkten – grundsatz: die unterordnung unter die untersten. ich finde, der drohende klimakollaps zeigt, dass wir uns tüchtig verirrt haben. jetzt müssen wir noch mal von vorne anfangen. ich finde die homosexuellen denken zu sehr nur an sich selbst, und die heterosexuellen, die sie unterstützen, zu sehr nur an die homosexuellen. sie soll sich ihm unterordnen, sagt das neue testament, und er unterordnet sich ihr noch mehr als sie sich ihm, indem er ihr und für sie sein leben hingibt. (eph 5.25) und wir alle sollen uns den embryonen unterordnen. nicht nur hinsichtlich homosexueller, sondern auch heterosexueller reproduktionsmedizin. aber eben auch homosexueller. wie die bedeutung der ehe (für alle) für die reproduktionsmedizin bestritten wird oder gar nicht erst in betracht gezogen wird, sehe ich als beweis dafür, dass sie nicht bestritten werden kann und in betracht gezogen werden soll. wenn Sie mir zum schluss ein spässchen erlauben: eigentlich müssten wir ja die ehe für gleichgeschlechtliche paare erlauben und die für heterosexuelle verbieten, denn s i e haben uns ja in die aktuelle klima- und beleuchtungspolitische (led obligatorium, widernatürlicher blaulichtanteil etc, nicht das wahre licht) situation gebracht. und nochmal im ernst: „der ganz andere“ – diese worte kennen wir im jahr, in dem karl barth gefeiert wird. liebe ist die ganz andere.

    1

    6
    Antworten
  • Samuel Burger
    Gepostet um 09:28 Uhr, 20. August

    Es ist tatsächlich eine Frage des Bibelverständnisses, wie man dieses Thema theologisch angeht. Und ich bin froh, hast du da exegetisch ein paar Pflöcke eingeschlagen. Darüber, wie wir diese fraglichen Bibelstellen interpretieren, sollten Evangelikale und Liberale zusammen diskutieren und sich nicht für einen Stellungskrieg eingraben. Es ist ja schon frappant: Viele andere Reinheitsgebote wurden stillschweigend gestrichen, dieses aber nicht. Eine zentrale Frage für mich wäre: Was hätte Jesus dazu gesagt? Hätte er kein Jota an der Schrift verändert oder hätte er gesagt: «Die Alten haben gesagt, aber ich sage euch?» Dass wir da im Gespräch bleiben, ist nicht nur für die gleichgeschlechtlich Liebenden wichtig, sondern für die Kirche und ihre Einheit.

    15

    -1
    Antworten
    • michael vogt
      Gepostet um 11:18 Uhr, 23. August

      „wenn das salz seine schärfe verliert, ist es zu nichts mehr nütze, als dass es herausgeworfen und von den menschen zertreten werde.“ das heisst: wenn ihr alles in voller schärfe durchdenkt, seht ihr die übereinstimmung, von wissenschaft und schrift zb, und ihr spaltet euch nicht. alles läuft dann immer noch über das liebesgebot. wer sagt, das oder das nicht, muss immer noch fragen, ob er damit dem liebesgebot entspricht, das einzige gebot, das immer und überall gilt. die wissenschaft sagt, dass biologische vorgaben aktualisiert werden entsprechend dem, was ein kind im mutterleib oder in seinen ersten jahren erfährt. rm 1.18 sagt meines erachtens nichts anderes – nur in einem anderen, zornerweckenden kontext. fragt man nach dem widernatürlichen, muss man auch nach der wiedernatürlichkeit der heterosexualität fragen. sie hat zb unsere naturfeindlichkeit so sehr verbreitet, dass die natur schweren schaden genommen hat. und, wie immer man sie beurteilt, die homosexualität stammt aus der heterosexualität. 😉

      1

      0
      Antworten
  • Carsten Ramsel
    Gepostet um 10:53 Uhr, 20. August

    Sehr geehrter Herr Berger

    Im Interesse Aller möchte ich Sie freundlich bitten, Sex mit Minderjährigen oder Pädophilie nicht zu den homosexuellen oder homoerotischen Lebensweisen zu zählen. Selbst wenn dies die antiken Autoren gemacht haben, wissen wir es heute besser. Ich spare mir eine ausführliche Begründung, weil ich die Aufmerksamkeit von Ihrem eigentlichen Anliegen nicht ablenken möchte.

    Freundliche Grüsse
    Carsten Ramsel

    4

    2
    Antworten
    • Bernd Berger
      Gepostet um 10:58 Uhr, 20. August

      Selbstverständlich war dies nicht meine Absicht. Vielmehr wollte ich gerade darauf hinweisen, dass einige der häufig angeführten Stellen von etwas ganz anderem handeln! Aber danke für die Klarstellung.

      5

      0
      Antworten
    • michael vogt
      Gepostet um 11:50 Uhr, 20. August

      müssten Sie nicht genauer sagen: kein spezifikum der homosexualiät? meinerseits möchte ich präzisieren, dass, was ich in meinem kommentar zum thema reproduktionsmedizin sage, nicht auf den schwangerschaftsabbruch angewendet werden kann, jedenfalls nicht ohne weiteres: eine ungewollte schwangerschaft wird nicht absichtlich herbeigeführt, und es gibt andere, etwas schwerer dazulegende unterschiede.

      0

      2
      Antworten
    • michael vogt
      Gepostet um 11:36 Uhr, 23. August

      bitten ist undialogisch, ein verkapptes überlegenheitsgefühl und damit ein recht zuverlässiges anzeichen für verdrängung – dass nämlich auch diese frage nicht eindeutig beantwortet werden kann. besser fände ich eine begründung, „ausführlich“ braucht sie ja nicht zu sein. ich neige zur logik, dass pädophilie sowohl zur heterosexuellen wie zur homosexuellen lebensweise gehören k a n n . zu der einen mehr als zur andern? einen moment lang habe ich Ihren kommentar als parodie auf zu schöne aussagen verstanden. sehe aber den ernst ein.

      0

      0
      Antworten
  • Karin Spiess
    Gepostet um 10:56 Uhr, 20. August

    Danke Bernd für diesen sehr guten Beitrag! Er ist auch sehr wertvoll für unsere Kommissionsarbeit!

    2

    1
    Antworten
  • Gerhard Fenner
    Gepostet um 13:03 Uhr, 20. August

    Die Folgen in letzter Konsequenz der „Ehe für alle“ kann man im Klassiker von Aldous Huxley’s Roman «Brave New World»? (1932) nachlesen. Da steht zuerst die Entkopplung von menschlicher Fortpflanzung und Sexualität. Die naturgegebene Selbstverständlichkeit von Mann und Frau wird durch die Genderpropaganda der LGBT-Bewegung, («Ehe für alle», Verharmlosung der gesellschaftlichen Wirkung der Gleichgeschlechtlichkeit im schulischen Sexualunterricht, usw.) und die Möglichkeiten der künstlichen Fortpflanzung massiv in Frage gestellt. Auch stellt die Forderung nach der «Ehe für alle» eine Art Steigbügelhalter dar, um die «Mehrpartner-Ehe» oder im Klatext Polygamie (z. B. bisexuellen Ehe) in unserer Gesellschaft einzuführen und damit vor der Scharria zu kapitulieren. Die Frage von Leihmutterschaften für homosexuelle Paare ist ethisch äusserst Fragwürdig, da sie vor allem wirtschaftlich schwache Frauen in 3-Weltländern zu eigentlichen Gebärmaschinen degradiert. Es folgt die pränatale Ausmerzung von Krankheiten durch Selektion und medizinischer Indikation bei Schwangerschaftsabbrüchen. Ehepaare, welche sich z. B. ganz bewusst für die Austragung eines Kindes mit Down-Syndrom entscheiden, werden gesellschaftlich und finanziell sehr stark durch Gesundsheitsökonomen unter Druck gesetzt. Die gesellschaftlichen Auswirkungen auf geistig und körperlich Behinderte lassen sich noch nicht abschätzen. Die gesundheitsökonomische und demographische Problematik der gesundheitlichen und finanziellen Alterssicherung wird zu starkem ökonomischem und existenziellem Druck auf die Menschen (Stichwort Sterbehilfe) am Lebensende führen.

    9

    6
    Antworten
    • Bernd Berger
      Gepostet um 13:43 Uhr, 20. August

      Das Steigbügelhalter-Argument ist in meinen Augen eine unfaire Unterstellung. Dass die Debatte unter dem Titel „Ehe für alle“ geführt wird, ist deshalb auch unglücklich. Es geht in der gesellschaftlichen Debatte einzig und allein darum, ob Paare eine Ehe eingehen dürfen unabhängig davon, ob es sich um eine gleichgeschlechtliche oder eine gegengeschlechtliche Partnerschaft handelt. Ethische Fragen wie die Leihmutterschaft müssen diskutiert werden – aber sie stellen sich unabhängig von der Frage, ob es sich um ein homosexuelles oder ein heterosexuelles Paar mit unerfülltem Kinderwunsch handelt.

      9

      3
      Antworten
      • Klaus Tracher
        Gepostet um 15:10 Uhr, 20. August

        Das Argument mit der Mehrehe ist leider nicht ganz von der Hand zu weisen. Warum sollte in einer „Ehe für alle“ nicht auch die Ehe mit mehreren Partnern eingschlossen sein? Diese Forderung besteht bereits. Es gibt auch keinen triftigen Grund sie auszuschliessen, wenn sich die Ethik zuoberst am Grundsatz orientiert: „Solange es allen Spass macht, ist es gut.“ Das zeigt, dass die Ethik noch auf einem anderen Grund stehen muss, als diesem. Der Trend in der Gesellschaft zeigt aber keinen andern Grund, auf dem sie irgendwann einmal zu stehen kommt. Woher soll der auch kommen, wenn die Kirchen nicht irgendwann auch einmal in der Lage sind, „Stopp!“ zu sagen.

        0

        0
        Antworten
  • Roland Portmann
    Gepostet um 16:12 Uhr, 20. August

    Vielen Dank, Bernd Berger für diesen wichtigen und interessanten Artikel. Der islamische Theologe Ali Ghandour führt die Debatte um die „Ehe für Alle“ bzw die Ehe generell gedanklich noch weiter, so dargestellt in Bref Nr. 14/2019: Fokussiert bzw. reduziert die „Ehe für Alle“ nicht wieder zu sehr auf eine Zweierbeziehung? In einer liberalen Gesellschaft müsste eigentlich jede Bürgerin und jeder Bürger mit anderen Bürgerinnen und Bürger Verträge eingehen können, die Erbschaft, Pflegeverantwortung, etc. regeln.; Ob Mann oder Frau das mit einer Frau oder einem Mann oder mit zwei Männern und einer Frau etc. tut, ist eigentlich jeder bzw. jedem selber überlassen. Der Staat hätte hier nur die Aufgabe, seine Bürgerinnen und Bürger mit den passenden Rechtsgrundlagen zu schützen und ihnen diese Freiheit zu ermöglichen bzw. zu garantieren.
    Ich selber lebe in der Ehe und schätze diese sehr und würde mir persönlich auch nichts anderes wünschen, aber solche liberalen Gedanken zu Ende gedacht finde ich schon beachtenswert…

    4

    1
    Antworten
    • Corinne Duc
      Gepostet um 00:49 Uhr, 21. August

      Ein-Ehe ist ein Symbol für die Anerkennung von grundsätzlicher Gleichwertigkeit jedes Individuums, wird daher in unserer Gesellschaft besonders unterstützt und rechtlich sondergestellt.
      Beliebig viele Menschen können darüber hinaus miteinander beliebig geartete Verträge aushandeln, welche im Rahmen der Rechtsordnung als solche geschützt werden. Ich teile die Ansicht von Ali Ghandour nicht wonach andere Beziehungsformen deshalb „noch immer tabu“ seien. Sie haben einfach einen anderen Status in unserer Gesellschaft

      2

      1
      Antworten
  • Alpöhi
    Gepostet um 17:13 Uhr, 20. August

    Als „liberaler Evangelikaler“ 🙂 sage ich herzlichen Danke für das sorgfältige Aufdröseln der biblischen Aussagen.

    4

    0
    Antworten
  • Alpöhi
    Gepostet um 17:17 Uhr, 20. August

    Was mir bei den Gegnern der Homo-Ehe (egal ob reformiert, freikirchlich oder katholisch) auch immer wieder auffällt: Wenn zwei Männer (oder zwei Frauen) in einer WG zusammenleben, dann wird das nicht nur gutgeheissen, sondern ausdrücklich als positives Beispiel gewertet: Schaut her, da sind zwei Menschen miteinander in der Jüngerschaft, sie tragen sich gegenseitig.

    Aber wehe, es kommt die sexuelle Komponente hinzu! Dann ist sofort fertig lustig.

    Diese Fixierung auf Sexualität (oder sexuelle Sünden) finde ich merk-würdig. Ich verstehe sie nicht. Es zeigt eigentlich nur: „Sex sells“, auch und gerade in der Kirche.

    7

    4
    Antworten
    • Carsten Ramsel
      Gepostet um 20:29 Uhr, 20. August

      Werter Alpöhi

      Wir sind nicht häufig einer Meinung, wobei ich unseren Austausch immer sehr schätze, doch heute möchte ich Ihnen aus vollem Herzen zustimmen. Insbesondere bei manchen Menschen, die betonen, dass eine Partnerschaft aus mehr als nur Sex bestehe, finde ich diese Fixierung – wie Sie – merk-würdig. Vielleicht hat die Sexualität wie auch der Humor etwas Subversives, dass es zu kontrollieren gilt. Aus kulturwissenschaftlicher und soziologischer Perspektive lässt sich zeigen, dass es in den Religionen nicht nur eine Fixierung auf die Sexualität gibt, sondern auch andere Körperkontrollen (Ernährungsvorschriften und interessanterweise Haare) eine bedeutende Rolle spielen. Dazu ist viel geschrieben worden. Deswegen nenne ich hier nur ein paar Beispiele.

      Marcuse, Max: Handwörterbuch der Sexualität, Eintrag: Religion
      Foucault, Michel: Sexualität und Wahrheit, Bd. 1
      Schwikart, Georg: Sexualität in den Religionen
      Ammicht Quinn, Regina: Körper – Religion – Sexualität : theologische Reflexionen zur Ethik der Geschlechter
      Ammicht Quinn, Regina: Körper und Sexualität

      Ich bin kein Experte. Deswegen gibt es wahrscheinlich noch andere lesenswerte Publikationen. Ich bitte um Ergänzung.

      Freundliche Grüsse
      Carsten Ramsel

      2

      0
      Antworten
    • michael vogt
      Gepostet um 10:54 Uhr, 23. August

      die dramatisierung der sexualität dürfte auf die sozialen katastrophen zurückgehen, die sie schon mit sich gebracht hat. angesichts des nicht zuletzt durch sie bedingten drohenden oekologischen aus, würde ich das auch nicht bagatellisieren. persönlich wäre mir das auskommen einer sexuellen beziehung zweier zusammen wohnenden fauen primärsympathisch. entsprechend der ehrgeiz bei zwei männern, sie genau so anzuerkennen wie andere.

      0

      0
      Antworten
  • Markus Brandenberger
    Gepostet um 20:54 Uhr, 20. August

    Ein wohltuend unaufgeregter,, fundierter Text zu einem Thema, das dem Leben mitgegeben wird wie die Händigkeit, Augenfarbe und Schuhgrösse,, das aber Bibel- und Schöpfungsinterpreten hochkochen, als hätten sie die Welt erschaffen.. Danke

    0

    0
    Antworten
  • Paul Bruderer
    Gepostet um 08:52 Uhr, 22. August

    Danke Bernd Berger für Ihren Artikel, den ich mit Interesse gelesen habe!.

    Mich überrascht, dass sie so schnell 1. Kor 6,9 und 1. Tim 1,10 abtun mit der Vermutung, es handele sich dort um Abhängigkeitsbeziehungen, wenn es zur Zeit der Niederschrift schon Wörter dafür gab, z.B. das griechische Wort ‚paiderastes‘. Warum benutzen ihrer Meinung nach die Autoren dieser Stellen dieses Wort nicht? Die damalige Gesellschaft kannte ja diverse Formen von ausgelebter Homosexualität, untern anderem Formen die ähnlich wie heute sind: feste homosexuelle Beziehungen und Partnerschaften. Man dachte damals also durchaus differenziert in dieser Sache. Warum haben die neutestamentlichen Autoren Ihrer Meinung nach diese Differenzierung nicht aufgenommen?

    In Ihrer Argumentation zu Paulus in Römer 1 führen sie unsere heutige wissenschaftliche Erkenntnis über ‚die Natur des Menschen‘ als Grund, weshalb Paulus sich getäuscht haben muss. Wenn Paulus unsere heutige wissenschaftliche Erkenntnis gehabt hätte, hätte Paulus ihrer Meinung nach Römer 1 anders geschrieben? Hätte er dann festgehalten, dass es auch Varianten ausgelebter Homosexualität gibt, die Gott wohlgefällig sind? Wenn Sie diese Argumentationslinie wählen, wie ordnen Sie es dann ein, dass es schon damals Schöpfungstheologien gab, welche Homosexualität als der menschlichen Natur zugehörig darstellten (z.B. Plato’s ‚Symposium‘). Paulus zeigt sonst eine akzeptable Fitness und Intelligenz im Verständnis anderer Weltanschauungen. Kannte Ihrer Meinung nach Paulus diese Schöpfungstheologien nicht?

    14

    1
    Antworten
    • Corinne Duc
      Gepostet um 13:04 Uhr, 22. August

      Im Römerbrief werden alle Register gezogen um die Erlösungsbedürftigkeit aller Menschen hervorzuheben: Alle haben gesündigt; keiner ist (aus sich selber heraus) gerecht. Dazu wird nicht nur schablonenhaft eine allgemeine Liste aller möglichen menschlichen Laster aufgezählt (Kap. 1,29), sondern speziell auch mit den Klischees von den zügellosen EinwohnerInnen Roms gespielt.
      Vor allem auch aufgrund von Röm. 2,1ff. (insbes. 2,3: Du aber, der Du doch das selbe tust…) geraten somit die (in Rom ja auch zahlreich vertretenen) Juden mit in den Blick, welchen Paulus erklären will, dass ihr Gesetz eben nicht (Selbst-) Erlösung ermöglicht, sondern ihr Vorteil einzig darin bestehe, dass sie zur Einsicht in die eigenen Schwächen oder Verfehlungen helfen können.
      Schliesslich lebte er in der Erwartung des baldigen Endes dieser Welt und meinte offenbar dass es gut wäre, möglichst viele Menschen vorher noch rasch zu bekehren bzw. vom Glauben an Jesus als den Christus zu überzeugen (und/oder um die zagenden Christen in der Ansicht zu bestärken, dass eine Übernahme der jüdischen Gesetze für sie wirklich keinen Gewinn mehr bringen würde, sondern dies als Zeichen für mangelndes Vertrauen zu deuten wäre).
      Gerade weil aus Rom mancherlei Gerüchte über Exzesse (mit und ohne massive Gewaltanwendungen) kursierten, konnte er so leicht mit diesen Klischees spielen. Dass nun bald zwei Jahrtausende später noch unter Berufung auf solche Texte Homosexuelle verunglimpft werden, war also einerseits gar nicht vorgesehen; andererseits dürfte aufgrund seiner Aufgeschlossenheit für radikale Reformen wohl schon erwartet werden dass ein heutiger «Paulus» sich von diesen alten Texten ebenfalls distanzieren bzw. sie aus dem historischen Kontext heraus, gewissermassen als Werbekampagnen aus dem damaligen Zeitgeist heraus, erklären würde.
      Dass in der Genesis nur von Frau und Mann, nicht aber von Zwitter-, Neutral- und allen anderen möglichen (Zwischen-) Formen, die Rede ist, hat weder die Bedeutung dass es solche nicht gebe, noch dass sie zu verurteilen, diskriminieren oder andere Spielarten gar zu eliminieren wären. Sondern die Intention dieser Grobtypologisierung ist m.E. schlicht, in dieser patriarchalisch geprägten Welt darauf aufmerksam zu machen, dass Frauen und Männer gleichermassen als Menschen zu zählen sind. Also ein durchaus emanzipatorisch wirkender Hinweis, der sicher auch auf alle anderen geschlechtlichen (Zwischen-) Formen oder (Nicht-) Ausprägungen bezogen werden kann, welche in der Genesis nicht ausdrücklich Erwähnung fanden. – Womit keineswegs gesagt wäre, dass es in der Bibel keine Passagen gäbe, die gerade im Gegenteil aus patriarchalischen Strukturen heraus entstanden und diskriminierende Ansichten transportieren. Vielleicht ist Genesis 1,27 („als Mann und Frau schuf er sie“) ja gerade auch als Korrektiv dem Entstehungsmythos der Frau aus einer Rippe des Mannes (Gen. 2) vorangestellt worden.
      [Zumal davon auszugehen sein dürfte, dass diese Autorenschaft Gott nicht (mehr; d.h. im Gegensatz wohl zu gewissen archaischeren Vorstellungen) als geschlechtlich bestimmtes Wesen definiert verstanden haben wollte, könnte Genesis 1 mit dem Hinweis auf die Ebenbildlichkeit Gottes sogar als Hinweis auf Anerkennung aller Menschen als grundsätzlich gleichwertig unabhängig von ihrem Geschlecht, bzw. unabhängig von Geschlechtsmerkmalen überhaupt, ausgelegt werden. Aber letztlich geht es ohnehin nicht um die Ansicht einzelner Autoren, sondern darum dass wir uns selber zu kritischen Reflexionen anregen lassen sollten.]

      4

      1
      Antworten
    • Anonymous
      Gepostet um 15:47 Uhr, 22. August

      Vielen Dank, Paul Bruderer, für diese wichtigen Anmerkungen und Einwände. Ich masse mir nicht an zu beurteilen,wie Paulus heute argumentieren würde. Deutlich scheint mir aber, dass seine zentrale Begründung ist, gleichgeschlechtliche sexuelle Handlungen seien gegen die Natur. Er grenzt sich dabei gegen ein paganes Umfeld ab – wie Corinne Duc sehr sorgfältig argumentiert. Was aber ist die Konsequenz, wenn die Begründung „gegen die Natur“ beim gegenwärtigen Stand der Wissenschaft nicht mehr tragfähig ist? Ich bin überzeugt,dass dann neu nachgedacht werden muss. Und die bedingungslose Liebe Gottes, die im Zentrum der Botschaft Jesu steht, seine zeichenhaften Handlungen gegen jegliche Diskriminierung und Verurteilung – sie legen zumindest den Schluss nahe, dass es dem Geist Christi entspricht, gleichgeschlechtliche Liebe nicht zu verurteilen und bestehende Diskriminierung abzuschaffen. Wenn wir von Gott gewollt sind, so wie wir geschaffen wurden und uns unsere sexuelle Orientierung nicht aussuchen können, wenn wir sie als Ausdruck geschöpflicher Fülle wahrnehmen, dann können wir nicht einfach am paulinischen Wortlaut festhalten. Dann ist Umkehr notwendig – nicht weil der Zeitgeist das fordert, sondern weil der Geist Christi uns dazu bewegt.

      1

      0
      Antworten
  • Eva Youssef
    Gepostet um 20:12 Uhr, 26. August

    Vielen Dank für die Ausführungen. Was mich wundert, ist dass nicht auf das theologische Verständnis von Ehe und der sexuellen Verbindung von Mann und Frau eingegangen wird, das in der Bibel ja auch sinnbildlich für Aspekte der Beziehung zwischen Gott und dem Menschen verstanden wird, gerade hinsichtlich Hingabe, Treue und bedingungsloser Liebe (ganz stark im Bild von Christus als Bräutigam und der Kirche als Braut). Ich bin überzeugt, dass das Ausleben von Sexualität mit viel Verantwortung verbunden ist, sich selber und auch dem Partner gegenüber. Mir scheint, dass diese Aspekte der „Heiligkeit“ von Sexualität in unserer Gesellschaft stark vernachlässigt werden und viele Menschen schon früh sexuelle Zerbrüche erfahren. Alle Ausprägungen menschlicher Sexualität einfach grundsätzlich als positiv und „gottgefällig“ zu etikettieren blendet dies aus – unabhängig von der Frage der Ehe für alle. In denselben Kontext gehört die gesellschaftliche Akzeptanz von Pornographie etc., die erwiesenermassen zu enormen (ich bin überzeugt negativen) Prägungen im sexuellen Verhalten führt. Ich wünsche mir, dass sich die Kirche des heissen Eisens der Sexualmoral neu in Deutlichkeit annimmt und schlussendlich nicht sagt: macht was ihr wollt, ist ja eh alles gut.

    1

    0
    Antworten
    • Corinne Duc
      Gepostet um 00:52 Uhr, 08. September

      ich glaube da muss es sich um ein Missverständnis handeln. Natürlich geht es nicht darum „alle Ausprägungen menschlicher Sexualität einfach grundsätzlich als positiv und „gottgefällig“ zu etikettieren“ – schon gar nicht, zum Beispiel, gewalttätige Formen. Aber auch das ist völlig unabhängig von der Geschlechterkonstellation, bzw. ob homo- oder hetero.

      0

      0
      Antworten
  • Jürg Wildermuth
    Gepostet um 07:15 Uhr, 15. Oktober

    Da hat sich in Bernd Bergers Artikel einmal wieder das Missverständnis eingeschlichen, Paulus hätte weibliche Homosexualität zusammen mit der männlichen verurteilt, wenn ich mir diese Fussnote erlauben darf: Wenn Paulus in Römer 1,26 vom „widernatürlichen Umgang“ von Frauen spricht, so lehnt er sich als geschulter ehemaliger Pharisäer an das levitische Gesetz an. Dieses regelt in Levitikus 18.22f nach damaligem Verständnis, wer wen begatten darf oder eben nicht. Und da soll sich eben eine Frau nicht von einem männlichen Tier begatten lassen. Das ist die Quelle der Orientierung bei Paulus. So jedenfalls argumentiert auch Klaus Haacker in seinem Theologischen Handkommentar zum Römerbrief. Eine weibliche Homosexualität kennen weder Paulus noch das levitische Gesetz, so weit ich sehe. Übriges hat der Evangelist Lukas in der Apostelgeschichte die Auseinandersetzung des Urchristentums mit dem levitischen Gesetz an einem Punkt handstreichartig dargestellt: Mit Bezug auf die Unterscheidung von rein und unrein betreffend Fleischkonsums lässt er die Stimme des Himmels zu Wort kommen: „Was Gott für rein erklärt hat, das nenne du nicht unrein.“ Apg. 10, 15. Diese Erzählung kann uns als Vorbild dienen, wie das Urchristentum mit dem überlieferten Gesetz umgegangen ist.

    1

    0
    Antworten

Kommentar abschicken