Ein Regenbogen im Spital

Nein, das ist kein PR-Beitrag. Oder nicht nur :-). Das 30igjährige Jubiläum unserer Spitalkirche im Unispital beschäftigte uns Seelsorgende dringlichst seit anfangs Jahr, nachdem wir es erst fast verpasst hätten. Wir legten also den Turbo ein. Und sein Highlight erfolgte Ende Juni: Die Einweihung der Regenbogenbank im USZ-Park.

Inspiriert war unser „Jubiläumsgeschenk“ ans Unispital vom 250igjährigen Bestehen der ref. Kirche Wädenswil. Habt Dank für diese tolle Idee! Die Kirchgemeinde Wädenswil schenkte der Bevölkerung zu ihrem Jubiläum einen kleinen Park. Nun, ein sehr schöner Park gibt’s hier schon, auf 250 Jahre können wir auch nicht zurückblicken, aber vielleicht etwas Kleineres? Was auch öffentlich wäre, gut sichtbar, den Menschen im Spital zugute käme? Von starker, doch offener Symbolkraft? Und so wurde die Idee einer Regenbogenbank geboren.

Abgesehen davon, dass die Bank ein echter Hingucker ist und weitherum sichtbar  – doch ein wenig PR -, besitzt das Motiv des Regenbogens für uns Seelsorgende eine tiefergehende Bedeutung. Gott schliesst seinen Bund mit unserer Welt, allen lebendigen Seelen, mit uns Menschen, mit Natur und Naturwissenschaft.  In Gesundheit und Krankheit, in guten und schlechten Tagen, Erfolg und Versagen. Er schliesst ihn mit uns, genau so, wie wir sind. So unterschiedlich manchmal und doch so ähnlich; alle Farben in einem Bogen vereint.

Ja, Gottes lebendige Seelen. Diversität ist im Universitätsspital augenfällig. Mitarbeitende aus fast 90 Nationen arbeiten hier, bei den Patient*innen und Angehörigen sieht es nicht anders aus. Viele Sprachen sind zu hören auf den langen Gängen – oder ist in Wirklichkeit nur eine Sprache dahinter verborgen? Die Sprache der Seele? Weinen und Lachen, Schmerz und Erleichterung, Angst und Hoffnung? Leiden Patient*innen aus andern Ländern anders als wir? Wachen gleichgeschlechtlich liebende Partner*innen anders am Bett ihrer Liebsten? Ist der Schrei nach Fürsorge „schwieriger“ und meist zutiefst einsamer Menschen weniger präsent? Und sind wir immer die, die wir meinen zu sein? Farben changieren. Auch glaubensstarke Christ*innen erfahren Augenblicke von Zweifel und Gottverlassenheit; und lebenslange Skeptiker*innen Momente tiefsten Vertrauens.  Die Arbeit in einem Spital öffnet Augen. Für die „lebendigen Seelen“ in ihren vielen Farben – und für den EINEN Bogen, der uns alle hält. Unsere Bank im Park mag auch daran erinnern.

Und dass ja nicht die Leichtigkeit des Seins vergessen gehe: Schon nur der Anblick der Bank macht fröhlich. Oder kann die Hoffnung beflügeln, dass irgendwann im Leben wieder Glück und Freude einkehren. Wir in Gottes Hand sind, was immer geschieht. Das befreit. „Zeit und Raum für die Seele“  ist ganz diskret am oberen Bankrand eingraviert. Man muss sie fast ein wenig suchen, die Zeit und den Raum, sowohl auf der Bank wie auch im eng getakteten und vermessenen Unispital. Doch es gibt sie. Zeit und Raum für die Seele, in diesem Leben und darüber hinaus.  Somewhere over the rainbow skies are blue … (Lyrics „Over the Rainbow, E. Y. Harburg)

Die Regenbogenbank befindet sich im USZ-Park vor dem Trakt Ost 4, Eingang Palliativstation, am einfachsten via oberer Parkzugang Gloriastrasse zu finden.

Die Meinung der Autorin in diesem Beitrag entspricht nicht in jedem Fall der Meinung der Landeskirche.

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7 Kommentare
  • Andrea Rembges
    Gepostet um 07:13 Uhr, 06. Juli

    Ein schöner Beitrag, eine schöne Bank!
    Etwas schmunzeln musste ich trotzdem…
    Dass man sich, wohl als Patient der Palliativstation, vor der die Bank steht, auf eine Regenbogenbank setzen darf, wohl als geistige Vorbereitung für den Gang über die Regenbogenbrücke 😉

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  • Barbara Oberholzer
    Gepostet um 09:31 Uhr, 06. Juli

    Das ist natürlich nicht ganz auszuschliessen … 😉 Doch es bestehen auch andere Optionen. Die Zeit gut zu gestalten, die noch bleibt. Oder die eigene Lebensrückschau unter dem Aspekts eines Regenbogens mit vielen Farben zu betrachten … täte vielleicht uns allen ganz gut … Danke und herzlich!

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  • Brigitte Hauser
    Gepostet um 13:19 Uhr, 06. Juli

    Schöner Beitrag. Super Idee die Regenbogenbank.

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    • Barbara Oberholzer
      Gepostet um 19:20 Uhr, 12. Juli

      Danke! Freut mich, hab ich deinen Kommentar noch gesehen!

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  • Anita Ochsner
    Gepostet um 16:35 Uhr, 06. Juli

    Ein schönes Bild, die Bank da! Und alles was dazu gesagt ist, auch in den beiden Kommentaren „…. täte vielleicht uns allen ganz gut… “ dann auch, finde ich wichtig, zu erwähnen, dass hier auf der Bank auch noch steht: 30 Jahre Spitalkirche! USZ. – Ist an vielen Orten, und finde ich wichtig, dass es Spitalseelsorge gibt. Die Bank ist ein schönes Zeichen dafür.

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  • michael vogt
    Gepostet um 18:45 Uhr, 06. Juli

    der text gefällt mir sehr gut. die farben des regenbogens in natura oder auf einer fotografie wirken anders auf mich. woran liegt das? aber ich wünsche allen, dass sie alle sintfluten in frieden überleben.

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  • Barbara Oberholzer
    Gepostet um 08:30 Uhr, 07. Juli

    Liebe Frau Ochsner, lieber Herr Vogt
    Ich hab mich sehr an Ihren wertschätzenden Kommentaren gefreut. Vielen herzlichen Dank! 🌈

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