Religion und Innovation – ein Widerspruch

Über den Jahreswechsel kam ich endlich dazu, das vieldiskutierte Buch „Homo deus“ von Yuval Noah Harari zu lesen. Darin beschreibt er, wie die digitale Entwicklung einen ungeheuren Umbruch in der Weltgeschichte darstellt und – so seine These – das Zeitalter des Humanismus nun abgelöst würde durch den Dataismus, der letztlich zu einer Abschaffung des Menschen führen könnte. Es liesse sich über Vieles diskutieren. Seine Religionskritik ist in meinen Augen sehr undifferenziert und holzschnittartig. Er sieht darin eigentlich nur eine überwundene Stufe der Menschheitsgeschichte, die von einigen noch gepflegt wird. Seine Schlüsse aus den Erkenntnissen der Neurowissenschaft, wonach von einem freien Willen des Menschen keinesfalls die Rede sein könne, bedürften auch eingehender Diskussion. Aber darum geht es mir hier nicht.

Mir geht es um die Frage, ob christlicher Glaube heute tatsächlich in erster Linie mit Rückzugsgefechten beschäftigt ist und nur auf Entwicklungen reagiert (in der Regel fortschrittsskeptisch bis fortschrittsfeindlich), wie dies Harari behauptet, oder ob wir den christlichen Glauben auch als eine innovative Kraft zur Geltung bringen können. Harari stell in seinem Buch die Frage, was wohl die einflussreichste Entdeckung, Erfindung oder Schöpfung des 20. Jahrhunderts gewesen sei. Das sei, so meint er, gar nicht so leicht zu beantworten, weil es eine grosse Liste von Entdeckungen, Erfindungen, Schöpfungen gäbe, die dafür in Frage kommen. Und dann stellt er diesselbe Frage im Blick auf die traditionellen Religionen Christentum und Islam im 20. Jahrhundert. Auch das sei eine schwierige Frage, aber in diesem Fall, weil es so wenig Auswahlmöglichkeit gebe. „Von wem also“, so Harari, „werden angesichts dessen die grossen Veränderungen des 21. Jahrhunderts ausgehen: vom Islamischen Staat oder von Google?“ Aber natürlich meint er hier das Christentum ebenso wie den IS. Für ihn ist es ein Faktum, dass von den grossen Religionen keinerlei Kreativität und Innovationskraft mehr ausgeht.

Das mag uns ärgern, das mag polemisch und unfair sein. Aber mich interessiert diese Frage und wir sollten eine Antwort darauf versuchen. Wo ist das Christentum im 20. Jahrhundert eine Quelle der Kreativität und der Innovation gewesen und wo und wie kann sie es im 21. Jahrhundert werden? Oder liegt es im Wesen des christlichen Glaubens, dass wir die politischen, gesellschaftlichen, technischen und wirtschaftlichen Entrwicklungen kritisch begleiten und die Menschen an ihre geschöplichen Grenzen erinnern? Ist der Anspruch, dass der Glaube zu Innovatoion und Kreativität beitragen sollte, ein falscher Anspruch? Aber eigentlich möchte ich diesen Anspruch nicht aufgeben.

Manchmal beschleicht auch mich der Eindruck, dass die Kirchen und Christinnen und Christen primär auf gesellschaftliche Entwicklungen reagieren und kaum Innovation anstossen, selten Avantgarde sind. Ich halte es ja auch für wichtig, mit einem kritischen Blick die Entwicklungen wahrzunehmen und an das Mass des Menschlichen und Geschöpflichen zu erinnern. Und wenn Entwicklungen immer rasanter und immer weniger steuerbar voranschreiten, haben wir damit ja auch alle Hände voll zu tun. Aber ist das genug?

Innerkirchlich gibt wohl einige wichtige Entwicklungen und Innovationen – ich denke daran, wie sich die Rolle der Frauen in der protestantischen Kirche in den letzten hundert Jahren verändert hat, wie der Pluralismus gewachsen ist. Klare Stellungnahmen für die Anerkennung homosexueller Lebensformen und die Verschiedenheit von Beziehungsformen wären noch vor wenigen Jahrzehnten ein Sonderfall gewesen und auf vehementen Widerspruch gestossen. Aber in all diesen Bereichen haben wir meist lediglich gesellschaftliche Entwicklungen mitvollzogen oder nachvollzogen. In vielen ethischen Fragen zeichnen sich kirchliche Stellungnahmen dadurch aus, dass sie versuchen, problematische Entwicklungen aufzuhalten als eigene kreative und innovative Konzepte zu entwickeln. Selbst da, wo es innovative Konzepte gibt – z.B. im Bereich palliative care – wird eher wahrgenommen, dass die Kirchen gegen Sterbehilfe sind, und es gelingt uns kaum deutlich zu machen, dass wir für ein würdevolles Sterben und eine menschliche Begleitung Sterbender sind und nicht einfach gegen Sterbehilfe.

Also – wo sehen wir den Beitrag des Christentums zu Innovation und Kreativität im Blick auf die gesellschaftliche Entwicklung in den letzten Jahrzehnten? Und wo soll unser Beitrag in den nächsten Jahrzehnten liegen? Wie können wir stärker gestaltend einen Beitrag leisten und nicht nur reaktiv? Ich habe keine Antwort zu bieten, aber ich würde mich freuen über eine kontroverse Debatte!

Die Meinung des Autors in diesem Beitrag entspricht nicht in jedem Fall der Meinung der Landeskirche.

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27 Kommentare
  • stephan jütte
    Gepostet um 06:48 Uhr, 08. März

    Lieber Bernd,
    Danke für deinen Beitrag!
    Es gibt sicher viele Themen, auf die „Kirche“ reagieren muss und wird. Vorreiterin könnte sie sein, wenn sie in der Schweiz, die Steuerwettbewerb unter den Kantonen und gegenüber dem Ausland bis zum Sozialabbau treibt, finanzielle, konkrete Solidarität national und international vorlebt. Wir haben sehr reiche Kantonalkirchen und mausarme. Das liesse sich ändern und es wäre ein starkes politisches Zeichen.
    Besonders die Pflege internationaler Kontakte hat zur Zeit nicht das Gewicht, dass Kirche gut anstünde… Wir drohen zu provinzialisieren. Aber wir könnten genau darin einen neuen Stil und Werte in die Globalisierung eintragen.
    Lieber Gruss!
    Stephan

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  • THOMAS GROSSENBACHER
    Gepostet um 07:52 Uhr, 08. März

    Guter Artikel, wichtig, Danke.
    Zur Ermutigung:
    Ich sehe Spuren der Innovation und möchte eine als mutmachenden Beitrag hier skizzieren.
    Die Kirche in der Stadt Zürich ist mutiger als der Staat. Während ich bei den Wahlen nur KandidatInnen meines Wahlkreises mit meiner Stimme ausstatten kann, bin ich seit neustem bei Kirchens in der Lage nicht nur in meiner Kirchgemeinde politisch mitzureden, sondern was das Wahlrecht angeht für die ganze Stadt Mitverantwortung zu übernehmen. Diese grössere Weite gefällt mir. Sie sollte wegweisend sein auch für das staatliche Wahlrecht. Es macht mich stutzig, dass ich da im 21. Jhdts immer noch nur in meinem Bezirk Kandidatinnen in den Gemeinde-, und aktuell gerade in den Kantonsrat wählen kann. Längst denken und leben wir doch digital vernetzt, kennen vertrauenswürdie Personen, weit über unser Quartier hinaus. Fazit: Manchmal zeigt das freimachende Evangelium auch heute in der Kirche seine vorbildliche Innovationskraft. Weiter so.

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  • Barbara Oberholzer
    Gepostet um 08:35 Uhr, 08. März

    Ja, wollen wir denn überhaupt kreativ mitgestalten? Ist es nicht einfacher, sein Fähnlein nach dem erfolgsversprechendsten Wind zu hängen? Und andere zu kritisieren, die mehr Mut zeigen und Farbe bekennen? Wohlverstanden: Ich spreche von der Kirche als ganzer. Einzelne Mitglieder sind höchst innovativ und engagiert, und manchmal sehr allein damit. Und leider entstammen auch Palliative Care und Spiritual Care der Medizin, nicht den Kirchen. Und dass kirchlicherseits Palliative Care gegen Autonomie und Suizidbeihilfe ausgespielt wird – in der Kirche, nicht in der Medizin – wird vor allem in der kath. Kirche zu recht so wahrgenommen.

    Ich glaube, wir könnten innovativer und kreativer sein, wenn wir mit der Realität ehrlicher und achtsamer umgehen würden. Schauen, wie etwas ist, und nicht, wie es nach christlicher Glaubenslehre sein müsste. Sich davon berühren und inspirieren lassen. Theologisch wären heilige Geistkraft und creatio continua des Schöpfergottes massgebend und nicht der allmächtige und richtende Herr und Vatter.

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    • Bernd Berger
      Gepostet um 10:51 Uhr, 08. März

      Liebe Frau Oberholzer
      Danke für ihren Kommentar. Ich vermute, dass wir uns in vielem ziemlich einig sind. Mit meinem Beitrag wollte ich vor allem denjenigen Mut machen, die in der Kirche (oft eher an den Rändern) innovativ und kreativ sind – oder auch die, die sich heute vielleicht eher ausserhalb der Kirchen wahrnehmen. Aufbrüche, Querdenken – das sollten wir unterstützen und nicht auf Mainstream zurechtstutzen. Wer in den Kirchen Verantwortung trägt, sollte der Vielfalt Raum geben – einer Vielfalt von profilierten Formen, Haltungen, Positionen, … Eben: „Schauen, wie etwas ist, und nicht, wie es nach christlicher Glaubenslehre sein müsste. Sich davon berühren und inspirieren lassen.“ Und innovativ und kreativ heisst bestimmt nicht einfach zeitgeistkonform und trendig.

      Zu Palliative Care und Spiritual Care: hier geht es mir vor allem darum, dass wir uns dafür einsetzen um der Menschen willen. Palliative Care darf auf keinen Fall gegen Autonomie und Suizidbeihilfe ausgespielt werden. Palliative Care braucht es, weil jeder Mensch es wert ist, dass er seinen letzten Lebensabschnitt in Würde und mit liebevoller Zuwendung gehen kann und sich getragen fühlen darf und nicht ausgeliefert fühlen muss. Das gilt völlig unabhängig von der Tatsache, dass es Sterbehilfeorganisationen gibt. Persönlich stehe ich aus ethischen Gründen dem assistierten Suizid und den Sterbehilfeorganisationen kritisch gegenüber. Vor allem finde ich ein unkritisches Autonomieverständnis sehr fragwürdig, das den assistierten Suizid einzig Ausdruck von Freiheit und Selbstbestimmung feiert. Menschen stehen in Beziehungen und absolute Autonomie führt in die Irre. Selbstwirksamkeit und Selbstbestimmung braucht als Gegenpol die Resonanzfähigkeit und Beziehungsfähigkeit. Freiheit entsteht erst da, wo beides in eine gelungene Balance kommt. Aber ich weiss auch darum, dass Menschen in ihrer konkreten Situation möglicherweise keinen anderen Weg mehr für sich sehen als den assistierten Suizid. Ist es dann an mir, sie zu verurteilen oder ist es dann meine Aufgabe, ihnen nahe zu sein und sie seelsorglich zu unterstützen? Die Antwort scheint mir klar zu sein.

      Innovation heisst für unsere Kirchen: Keine Angst vor Vielfalt, vor klaren Profilen, vor Widerspruch und Auseinandersetzung. Offen sein für Aufbrüche, für die heilige Geistkraft, die uns manchmal auch ziemlich irritieren kann. Und erst zu urteilen, wenn ich glaube verstanden zu haben, was das Anliegen und die Motivation der anderen ist. Es ist mehr möglich als das, was wir für „kirchlich“ halten.

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  • Barbara Oberholzer
    Gepostet um 08:39 Uhr, 08. März

    Aber auf jeden Fall vielen Dank für diesen Artikel, Herr Berger! Traf grad einen wunden Punkt bei mir 😉

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  • michael vogt
    Gepostet um 08:47 Uhr, 08. März

    die frage nach nur einer religion und nicht nach der vereinigung der religionen und die frage nach religion und nicht nach dem in sich zusammenfallen des gegensatzes von religion und nicht-religion darf von mir aus „eine überwundene stufe der menschheitsgeschichte“ genannt werden. und der freie wille darf gerne bestritten werden: frei ist er, soweit er zur freiheit befreit ist. homo deus? sollte sich das leben auf elektronisch verarbeitete daten reduzieren, wäre das wohl schon ein verlust, der einer innovation bedürfte: die daten müssten zu neuem leben erweckt werden. meister eckhart sagt, dass der mensch gott zu werden vermag in der liebe. die nicht-zweiheit von gott und mensch. wenn schon, würde ich eher in diesem nicht-technischen suchen. und in der nicht-reduktion auf den menschen: die mit sich selbst vereinigte schöpfung als schöpferin. genauer das in sich zusammenfallen des gegensatzes von technik und nicht-technik, in der der mensch nicht abgeschaft ist, sondern sozusagen eingarbeitet. möglicherweise bei weitgehender abschaffung der technik. 😉

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    • michael vogt
      Gepostet um 08:52 Uhr, 08. März

      „genauer“ bezieht sich auf „nicht-technisch“, kann auch einfach weggelassen werden

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    • michael vogt
      Gepostet um 08:58 Uhr, 08. März

      die innovation des christentums besteht in seiner selbstaufhebung in einem umfassenderen als alternative zu seiner selbstabschaffung

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  • Reinhard Rolla
    Gepostet um 09:54 Uhr, 08. März

    Wenn wir das zeit- und ortsbedingte „Paulinische“ aus unserem „Christlichen“ weitgehend entfernen – alias: ins Museum stellen – und dem „Jesuanischen“ (Seligpreisungen und entsprechende Gleichnisse) endlich Gehör verschaffen und den Vorrang geben, haben wir das „durch alle Zeiten Gültige“ in Reinkultur. Dann müssen wir nicht ständig nach Neuem Ausschau halten. Dann genügt es, eben dieses Jesuanische in jeweils zeitgemässer Sprache umzusetzen und konsequent zu vertreten und zu leben.

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    • Bernd Berger
      Gepostet um 11:09 Uhr, 08. März

      Sollten wir wirklich Jesus gegen Paulus ausspielen? Abgesehen davon, dass wir ohne Paulus vermutlich nichts von der Botschaft Jesu wüssten (bekanntlich sind die Evangelien erst nach den Paulusbriefen entstanden und die Missionsreisen des Paulus mitverantwortlich für die Ausbreitung des christlichen Glaubens) und die Jesusbewegung eine jüdische Sekte geblieben wäre, möchte ich die paulinische Freiheitsbotschaft im Galater- und Römerbrief oder bahnbrechende Sätze wie Gal 3,28 („… weder Jude noch Grieche, weder Mann noch Frau …“) nicht missen – auch wenn ich mich immer wieder an diesem Paulus reibe. Und die Weisheit Heraklit’s, dass man nicht zweimal in den selben Fluss steigt, gilt auch hier. Wenn wir das Jesuanische in zeitgemässer Sprache umzusetzen, konsequent zu vertreten und zu leben versuchen, ist es nicht mehr dieses Jesuanische, kein „durch alle Zeiten Gültiges“, sondern unser Versuch, heute etwas neues zu schaffen, das in Verbindung mit Jesus von Nazareth steht. Das mag ein feiner Unterschied sein, aber ein wesentlicher. Denn er macht deutlich, dass „Bewahren“ und „Neues entwickeln“ zusammengehören und es das „durch alle Zeiten Gültige“ nicht jenseits und unabhängig von den konkreten Menschen und darum in vielerlei Gestalt geben kann.

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      • michael vogt
        Gepostet um 16:07 Uhr, 08. März

        solange die einen selig gesprochen werden und die andern nicht, will ich nicht selig gesprochen werden. wollte nicht jesus verflucht werden, zusammen mit andern verdammt? ich weiss es genau genommen nicht, aber ich kann damit etwas sagen. man könnte davon ausgehen, dass paulus mit seinen zweimal drei worten „der tod des todes“ und „alles in allem“ alle selig spricht. aber die elementarste wahrheit spricht nicht selig, sie vereinannahmt sie nicht in eine erscheinungsform von religion, die als solche durchaus zu würdigen ist.

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  • Samuel Burger
    Gepostet um 12:47 Uhr, 08. März

    Warum sollte Kirche innovativ sein? Und wer genau ist in dieser Frage «Kirche»? Sollte es nicht eher die Aufgabe der Kirche sein, ein Klima zu schaffen – oder: bescheidener: zu einem Klima beizutragen –, in dem Menschen zu guten Innovationen fähig werden? Technische und medizinische Entwicklungen sind nun einmal nicht die Kernkompetenz der Kirche. Aber wenn sie es schaffen würde, Menschen zu guten, sinnvollen, lebensdienlichen Innovationen zu motivieren, das wäre ein erstrebenswertes Ziel. Ich finde es nicht hilfreich, die Kirchen und Religionen gegen den Rest der Gesellschaft auszuspielen. Sie sind ein Teil davon, der sie mal stärker und mal weniger stark prägt und beeinflusst. Noch heute.

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    • Bernd Berger
      Gepostet um 13:27 Uhr, 08. März

      Lieber Samuel
      Lieber Samuel
      So ganz verstehe ich dein Argument nicht. Zum einen rede ich mehr vom Christentum und von Christinnen und Christen als von der Kirche bei der Frage nach Innovation. Ausserdem: dass die Kirche als Organisation veränderungsbereit und innovativ ist – den Anspruch habe ich schon!
      Der Dualismus von Kirche und Gesellschaft ist mir völlig fremd. Kirchen sind Teil der jeweiligen Gesellschaft und die Menschen, die zusammen Kirche sind, sind ebenso Teil der Gesellschaft. Also kann die Frage nach Religion und Innovation nichts anderes sein als die Frage danach, wie Christinnen und Christen, wie Kirchen im Vertrauen auf Gott nicht krampfhaft am Bestehenden festhalten, sondern Schritte ins Offene wagen. Und es geht mir darum, dass wir nicht immer nur den Veränderungen, die andere prägen, hinterherlaufen oder versuchen etwas aufzuhalten, sondern dass wir versuchen zu gestalten, Mit Innovationen sind ja nicht in erster Linie technische Veränderungen gemeint, sondern die Suche nach dem guten Leben (wie es z.B. bei Hartmut Rosa in seinem Resonanzkonzept heisst), die kreative Suche nach solidarischeren und partizipativeren Formen des Zusammenlebens in der Gesellschaft oder auch nach Formen, in denen die spirituelle Suche von Menschen Raum finden kann.

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      • Samuel Burger
        Gepostet um 13:29 Uhr, 19. März

        Lieber Bernd, in diesem Sinne bin ich total einverstanden. Ich habe manchmal nur Angst, dass die Kirche vor lauter Innovation ihr Kerngeschäft vernachlässigt. Gute Innovation würde für mich heissen: Das Evangelium in den Sprachen, die heute verstanden werden, zur Geltung zu bringen.

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    • Reinhard Rolla
      Gepostet um 15:43 Uhr, 08. März

      Das genau meine ich mit „jesuanisch“.

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  • Reinhard Rolla
    Gepostet um 15:59 Uhr, 08. März

    Hallo Bernd Berger, Paulus hat ein paar gute Gedanken aufgeschrieben. Aber sein „Gestrüpp“ aus Erbsünde – Verdammung (Tod) – Opfertod Jesu – Glaubensgehorsam – Gnade Gottes – Erlösung (oder „ewige Verdammnis“) hat eine „Kirche“ entstehen lassen und eine Christologie, die weit von der Botschaft Jesu entfernt ist. Ich habe mich schon vor langer Zeit entschieden, Jesu Botschaft, wie ich sie – auch intuitiv – erkannt habe und lebe, als Pfarrer (und Mitmensch) weiter zu geben. Diese Botschaft kommt genau genommen als „Seelen-Trainings-Programm“ daher und ermuntert die Menschen, ihre innewohnenden Kräfte zu mehren und einzusetzen für eine „Welt des Friedens“. Leider haben Paulus und andere das „ohne göttlichen Geist könnt ihr nichts tun“ propagiert. Und damit zum „Elend des Christentums“ massgeblich beigetragen. D a s gilt es konsequent zu korrigieren, bin ich überzeugt. Das werde ich bis zu meinem letzten Atemzug tun. Übrigens: Luther kan nur bis Paulus. Leider.

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    • michael vogt
      Gepostet um 16:38 Uhr, 08. März

      „ohne göttlichen geist könnt ihr nichts tun“. bei entfernung des zeit- und ortsbedingten, wie du in deinem kommentar, etwas anders verstanden, schreibst, gibt es doch einen weitreichenden konsens von religion über astrophysik bis. . . , dass der mensch von sich aus nichts ist und nichts kann, schon gar nicht erst ist – es sei denn, mann nennt das, woraus er ist, mensch. alles aus allem erscheint mir aber als die elementarste ursprungsbestimmung.

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      • michael vogt
        Gepostet um 17:16 Uhr, 08. März

        das ist eine geisterfahrung. da beginnt alles zu fliessen, da beginnt etwas zu wehen. deine wendung geht im übrigen wahrscheinlich zurück auf das jesus zugeschriebene wort: „ohne mich könnt ihr nichts tun.“ das ist ja noch „schlimmer“ – oder, besser gesagt, integrierender und integrierter bestandteil – wie soll ich sagen? – der innovation. dann: wenn man sehr verärgert ist oder gar traumatisiert, wird man vielleicht mal von verdammung sprechen. und später spricht man wieder anders.

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  • Seraphim Weibel
    Gepostet um 08:07 Uhr, 09. März

    Guter Beitrag. Die meisten Kommentatoren haben nur nicht begriffen um was es geht.
    Die Kirche war mal Innovativ :
    Das Evangelium brachte die Menschenrechte hervor, weil vor Gott alle Menschen gleich sind. Heute normal (ausser bei Katholiken), check!
    Krankenpflege/Bildung/Arme/Weisen Die Kirchen kümmerten sich darum. Heute vom Staat getragen -> check!
    Die Reformierte Kirche hätte noch innovative Aufgaben, aber leider wird die Energie auf Verwertung und Verteilung von Pründen in der Form von Lohn und Macht verwendet. -> Kotz.
    Die reformierte Kirche wäre Innovativ würde sie zu den Zeitthemen Stellung nehmen, sich engagieren und mögliche Rollenbilder vorleben:
    – spirituelle Gemeinschaft mit christlicher Ausdruck alle Kalkbreite vorleben. Die sind total im kommen. Einsamkeit durch Individualismus will überwunden werden. Z.B. das Stadtkloster probiert das, kriegt aber einige Steine in den Weg gelegt statt support von der Kirche
    – Life Work Balance -> Die Angestellten leben nichts vor sondern holen sich hohe Löhne ab, haben Burnouts und leben wie jeder andere auch. Peinlich ! RAUS AUS MEINER KIRCHE!
    – Achtsamkeit: Die Menschen lechzen danach. Die reformierte Kirche hats nicht geschnallt dass sie da viel zu bieten hätte. Private Anbieter verändern die Gesellschaft.
    – Fakenews – wahre Orientierung -> null Innovation der ref. Kirche um ein zeitgemässes Wertesystem zu postulieren. Anstatt dessen hat sie in ihren Reihen Leute mit invantilem Wunderglauben weils ja so in der Bibelsteht. -> lachhaft.
    – Gentechnick / Klimaerwärmung / Ressourcen der Welt -> die ref. Kirche ist so veraltet in sachen Gebäude und achtsame verwendung von Ressourcen dass sie ein ökologischer Sanierungsfall ist. Aber die geronto Führung hats nicht geschnallt das man hier Vorreiter sein müsste !
    – Die Inovativen Stimmen werden nicht als Chance sondern als problematische unreformierte Störenfriede Wahrgenommen (die eine Konkurent am Futtertrog sind)
    – Die Uni liefert Antworten auf Fragen die keiner Stellt oder relevant sind, ausser für andere Mitglieder der Elfenbeinturm Zunft, gerade inzestuös.
    – Das Engagement für Flüchtlinge und Senspapiers wird unreflektiert durch naive Gutmenschen betrieben. Aber immerhin wurde hier die ZüriCard lanciert.
    – Sexualität und Sinnlichkeit ist immernoch so Tabu wie 1960.
    – moderne Sinnsucher gits zuhauf. Gut Ausgebildete Expats und Locals. Viel Geld, Zeit und Engagement wäre vorhanden. Die Leute machen einen weiten Bogen um die Ref. Kirche. Warum ? Sie arbeiten in Inovativen Firmen die Talente fördern. Die Ref. Kirche tut das Gegenteil und fördert Apparatchicks wie dazumal die Sovjetunion.
    Wer die Welt und die Gesellschaft verändern will, tut gut daran seine Energie nicht in die ref. Kirche einzubringen. Sie wird da verschwendet.
    – Sogar der Zwingli Film schaut nur zurück und hat bringt keine Visionen für HEUTE. Chance verpasst.

    Hier doch noch was : Der offene St. Jakob hat eine Innovative Lichtshow zugelassen und stellt einen grossen Raum mitten in der Stadt zu verfügung für Rückzug und Stille. Das ist extrem wenig, den ausser die Tür aufschliessen braucht nix getan zu werden, aber immerhin. Das ist Innovativ.

    Beschämend. Aber so sieht die Realität aus. Jene die das Ausblenden tun uns keinen Gefallen. Die Fehler anzuerkennen wäre der erste Schritt sie zu beheben.

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    • michael vogt
      Gepostet um 08:50 Uhr, 09. März

      Sie haben noch den boden vergessen, auf dem Sie stehen: diesseits.ch – wächst doch einiges darauf

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    • michael vogt
      Gepostet um 14:06 Uhr, 10. März

      wo diesseits und jenseits sich vereinigen, entsteht achtsamkeit/mindfulness. ihre vereinigung geschieht dadurch, dass das jenseits sich im diesseits offenbart. die innovation hinsichtlich prävention von deviation im sinne jeglicher unfairen realisierung der sexualität, ist die vereinigung von diesseits und jenseits als begattung bis zur besamung. gat oder die weibliche form gate (mittelhochdeutsch: passend) erinnert an ein uns bekanntes wort, das ich allerdings aus rücksicht auf den religionspolitischen kontext in diesem zusammenhang nicht verwende. diese innovationsmöglichkeit war auch in früheren jahrhunderten durch ihren kontext begrenzt. der sinn? vielleicht die bewahrung vor kitsch.

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      • michael vogt
        Gepostet um 00:46 Uhr, 11. März

        nach meinen neusten eruierungen keine unterscheidung einer weiblichen und männlichen form

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    • michael vogt
      Gepostet um 14:32 Uhr, 10. März

      wo achtsamkeit/mindfulness entsteht, ist es gut. die beiden worte stören allerdings in meinem leben ihre erfahrung. wir unternehmen die verschiedensten dinge, um uns in einen gewünschten zustand zu versetzen, zb in den einer verbesserten wahrnehmung. das hat – um in einer aktuellen kategorie zu sprechen – einen nicht geringen co2-ausstoss zur folge. wünschenswert wäre, um sich in diesen zustand zu versetzen, sich einfach hinzusetzen. eine weitere innovation der avantgardistischen reformierten das statement: der, auf den wir uns zurückbeziehen, hat uns dazu nicht alles gebracht. wir grasen über unsere weide hinaus und anerkennen auch andere rückbezugspersonen (nach gat die zweite wortinnovation, die einzig kontextuell verbreitungsfägige).

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  • Anonymous
    Gepostet um 13:01 Uhr, 13. März

    danke für den Beitrag.. ich bin mir aber nicht sicher, wie inovativ die Forderung nach Inovation in unserem Kontext ist.

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    • michael vogt
      Gepostet um 09:50 Uhr, 14. März

      danke für den kommentar. . . antwort unten gelandet

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  • michael vogt
    Gepostet um 09:45 Uhr, 14. März

    🙂

    zweimal ein n mehr, und die sache kommt ins rollen

    innovare: erneuern, ovare: jubeln, inovare inoffiziell: zuerst mal ins ei zurückschlüpfen, dann erneuern und jubeln 😉

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