Wir sind nie säkular gewesen

Wir Modernen halten uns viel zugute auf unsere Aufgeklärtheit, und eines ihrer Erkennungskriterien ist die Absage an den religiösen Wunderglauben: die „Entzauberung der Welt“, nach der berühmten Formel Max Webers. Wunder, so kursiert eine boshafte Definition, sind Phänomene, die dann auftreten, wenn Skeptiker abwesend sind. Skepsis und Glauben vertragen sich bekanntermassen schlecht.

 

Je zivilisierter die Menschheit, desto weniger Wunder, könnte man eine einfache reziproke Gleichung aufstellen. Aber sie ist tatsächlich zu einfach. Nicht nur beobachtet man heute eine breit ausgeschlachtete Profanierung des Wunderglaubens in nahezu allen Bereichen postmodernen Lebens. Die Wissenschaft selbst tritt als Platzhalterin der „entzauberten“ religiösen Weltdeutung auf. So jedenfalls interpretiere ich eine Tendenz, die man als „Religionisierung“ der Naturwissenschaft charakterisieren könnte (sozusagen das Komplement zu einem andern gegenwärtigen Trend, der Naturalisierung der Religion). Sie passt gut ins Zeitalter der hemmungslosen Sinn­ver­marktung. Man werfe einen Blick in die einschlägigen Regale in den Buchhandlungen. Sie sind gefüllt mit religiöser Popscience, mit Büchern, die von Naturwissenschaft und Religion, Biologie und Schöpfung, Gott und der modernen Physik, der Physik der Unsterblichkeit, von der Gottesformel, von Gottesgenen, Gottespartikeln usw. handeln. „Science finds God“ titelte 1998 das Magazin Newsweek und brachte damit dieses Verhältnis zwischen Wissenschaft und Religion auf einen schrill-verstiegenen Höhepunkt.

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Aber es existieren auch ernsthaftere Symptome dessen, was ich hier als die religiös-säkulare Ambivalenz der Naturwissenschaften bezeichne. Viele der grössten Physiker des 20. Jahrhunderts – Planck, Einstein, Schrödinger, Pauli, Hawking – haben sich stets mit religiösen Aspekten ihres Tuns beschäftigt, und zwar oft mit einer Intensität und Insistenz, die bei Vertretern der „rationalsten“ Wissenschaftsdisziplin doch einigermassen erstaunen kann. Raumfahrtpioniere wie Wernher von Braun sahen ihre Mission buchstäblich himmlisch inspiriert. Und es gab und gibt Molekularbiologen, die die Entschlüsselung des Genoms als göttlichen Auftrag interpretieren und sich als genetische Gralsucher aufführen.

Solche Phänomene scheinen Jürgen Habermas’ General-Diagnose zu bestätigen, dass wir uns in einer postsäkularen Gesellschaft befinden. Aber meiner Meinung nach legt die religiös-säkulare Ambivalenz der Naturwissenschaften eine andere Diagnose nahe. Wirft man nämlich einen etwas genaueren Blick auf deren historische Entwicklung, kann man feststellen, dass die Oberfläche der Säkularisierungsrhetorik religiöse Unterströmungen verbirgt, die von den Anfängen der Neuzeit bis in die Gegenwart reichen. Die Siegergeschichte des wissenschaftlich-technischen Fortschritts vergisst die Sub-Geschichte dieses wissenschaftlichen „Unbewuss­ten“, in dem wir eine Vielzahl von Spuren des Religiösen finden. Man gewinnt sogar den Eindruck, um hier den französischen Wissenschaftsforscher Bruno Latour zu paraphrasieren („Wir sind nie modern gewesen“), dass wir gar nie säkular gewesen sind. Ich möchte kurz einen Blick auf zwei eminente Autoren des 20. Jahrhunderts werfen, welche dieser Idee eine moderne Fassung verliehen haben: John Dewey und Mircea Eliade.

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Von John Dewey stammt der Vorschlag, das Substantiv „Religion“ zugunsten des Adjektivs „religiös“ zu verabschieden. Ziel ist die Emanzipation des Religiösen von der Religion, ihren Institutionalisierungen und Immunisierungen. Religiös sind nicht Erfahrungen spezifischer und schon gar nicht übernatürlicher Art. Religiös kann jede Erfahrung sein, weil deren Qualität sich nicht an ihrer Ursache oder ihrem Objekt bemisst, sondern an ihrer Wirkung –  und diese Wirkung zeigt sich für Dewey in einer Neuausrichtung („adjustment“) unseres Lebens. In diesem Sinn können wissenschaftliche, ästhetische, moralische, politische  Erfahrungen eine religiöse Dimension erhalten, insofern als sie in uns Kräfte freisetzen, die unseren Handlungshorizont über das Bestehende hinaus erweitern: „Religion bedeutet stets ein besonderes Korpus von Glaubensüberzeugungen und –praktiken, mit einer festen oder losen institutionellen Organisation. Im Gegensatz dazu meint das Adjektiv „religiös“ nichts Derartiges wie eine spezifizierbare Gesamtheit, sei sie nun eine Einrichtung oder ein Glaubenssystem. Es bezeichnet nichts, auf das hingewiesen werden könnte wie auf eine historische Religion oder eine existierende Kirche (..) Es bezeichnet Einstellungen, die wir zu jedem Gegenstand und zu jedem angebotenen Ziel oder Ideal haben können.“ [1]

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Suchte Dewey das Religiöse vom Himmel zu holen und im Boden des Profanen zu erden, so fand Mircea Eliade auf diesem Boden selbst Spuren des religiösen oder sakralen Untergrunds:

„Der profane Mensch bewahrt, ob er will oder nicht, immer noch Spuren vom Verhalten des religiösen Menschen, nur sind diese Spuren ihrer religiösen Bedeutung entkleidet. Was er auch tut, er ist ein Erbe. Er kann seine Vergangenheit nicht endgültig auslöschen, denn er ist selber Produkt dieser Vergangenheit (..) Dies umso weniger, als sich seine Existenz zum grossen Teil von Impulsen nährt, die aus der Tiefe seinesWesens kommen, aus jener Zone, die man das Unbewusste nennt (..) Das Unbewusste bietet ihm (dem areligiösen Menschen, Anm.E.K.) Lösungen für die Schwierigkeiten seiner eigenen Existenz und erfüllt in dieser Hinsicht die Funktion der Religion (..).“[2]

Wie unterschiedlich auch ihre Zugänge sind, Dewey und Eliade versuchen, den Dualismus von Religiösem und Profanem zu überwinden. Und ich möchte sie dahin interpretieren, dass die Entsakralisierung immer auch Rückstände hinterlässt, die sie eigentlich nicht überwindet, sondern verdrängt. Deshalb kann man vom „Unbewussten“ des wissenschaftlichen Fortschritts sprechen. Jede Epoche produziert ihr „Unbewusstes“, also ihre religiös-säkulare Ambivalenz. Wenn aber dieser Fortschritt immer ein „Unbewusstes“ mit sich führt und produziert, dann folgt daraus, dass er eigentlich immer nur zu neuen religiös-säkularen Zuständen führt.

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Eine Formel, die der Schriftsteller Ludwig Hohl in anderem Zusammenhang verwendet hat, scheint mir  am einprägsamsten die religiös-säkulare Ambivalenz zu charakterisieren: „Dass fast alles anders ist (anders als fast alle Menschen, fast immer, es sich vorstellen)“.[3] Ich halte diese Ahnung für tief religiös. Denn sie macht uns empfänglich für die Offenheit, für die Andersheit der Welt, und zwar gerade gegen jedes Bescheidwissen, das mir sagt: So ist die Welt, so läuft sie, so steht es geschrieben, so ist es gesagt worden. Erinnern wir uns an Robert Musils „Möglichkeitssinn“:

„Wer ihn (den Möglichkeitssinn, Anm. E.K.) besitzt, sagt beispielsweise nicht: Hier ist dies oder das geschehen, wird geschehen, muss geschehen; sondern er erfindet: Hier könnte, sollte oder müsste geschehen; und wenn man ihm von irgend etwas erklärt, dass es so sei, wie es sei, dann denkt er: Nun, es könnte wahrscheinlich auch anders sein (..) Das Mögliche umfasst (..) nicht nur die Träume nervenschwacher Personen, sondern auch die noch nicht erwachten Absichten Gottes.“[4]

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Ich will jetzt nicht sagen, dieses Andere sei das Religiöse. Hingegen glaube ich, ist es der von Hohl und Musil gehegte Verdacht, der unsere Neugier und Kreativität auf allen Gebieten menschlichen Lebens und Zusammenlebens, kennzeichnet: unsere Empfänglichkeit für die Brüche und Risse in unseren Gebräuchen und Gewohnheiten, in unseren Doktrinen und Dogmen. Die Spuren des Andern machen das Wirkliche tief. Und mit „Tiefe“ meine ich kein Geraune über Absolutes oder Weltengründe, sondern die ganz elementare Erfahrung, dass unser Denken, ja, unser Leben nicht ein für allemal fest gefügt ist, sondern aus den Fugen geraten kann, und dass vielleicht gerade durch die Fugen hindurch der Sinn für eine andere existenzielle Dimension geweckt wird, für die Epizentren des Religiösen – nun ganz nach Dewey –  in unserem Alltag.

Warum nicht das Religiöse als einen besonderen Sinn für diese Weltrissigkeit begreifen? Eine solche Erfahrung gelingt aber nur, wenn wir den Blick vom Übernatürlichen abwenden und im Natürlichen und Sinnlichen, in unseren Körpern beheimatet bleiben, weshalb ich gegen den Religionsbekämpfer Ludwig Feuerbach[5] behaupten möchte: Wo die Sinne anfangen, beginnt auch der Spürsinn (Spursinn) für das Andere, das Religiöse. Also überall.

 

[1] John Dewey: A Common Faith, in do.: The Later Works, Vol. 9, Carbondale, 1989. S.8 (Übers. E.K.).

[2] Mircea Eliade: Das Heilige und das Profane. Vom Wesen des Religiösen, Ffm.1984, ), S. 176, 183.

[3] Ludwig Hohl: Dass fast alles anders ist, Olten, 1967, S.139.

[4] Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften, Reinbek bei Hamburg, 1983, S.16.

[5] „Folge den Sinnen. Wo der Sinn anfängt, hört die Religion und hört die Philosophie auf.“ Ludwig Feuerbach: Das Wesen des Christentums.

 

Die Meinung des Autors in diesem Beitrag entspricht nicht in jedem Fall der Meinung der Landeskirche.

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16 Kommentare
  • Seraphim Weibel
    Gepostet um 08:22 Uhr, 24. April

    Danke für diese Gedanken. Es tut gut von der sinnlichen Erfahrung (den nichts anderes haben wir zu Verfügung) auf das religiöse zu schauen. Eigentlich ist es sogar so, dass die Erfahrung die Basis ist, und die Religion (Theologie) die Reflextion (Betrachtung) der Erfahrung.
    Den Begriff des Unbewussten haben sie etwas über strappaziert. In dem Sinne, dass das Bewusste überhöt wird. Wir Menschen sollten uns damit anfangen zu arrangieren, dass das Bewusste nicht die einzige gültige Masseinheit für gutes Leben ist, wenn es überhaupt ein Mass ist. Das Unbewusste ist auch keine Blackbock wo wir mal alles reinverfrachten können. Es geht einzig um die begrenztheit menschlicher Erkentniss.
    Weiter ist es nicht sinnvoll ständig alles im Konjunktiv auszudrücken und damit nur in Optionen zu denken. Sprache schafft Bewusstsein und Realiät und es ist wichtig klare gültige Aussagen zu machen, im Wissen darum, dass dies weder absolut zu verstehen noch der Weisheit letzer Schluss ist.
    Hier also ein alternativer Entwurf: Menschliche Erfahrung ist in ihrer Bewusstheit limmitiert. Daher bleibt immer ein nicht reflektierten Teil zurück. Ebenso ungeprüfte Annahmen. Meschliche Erfahrung basiert auf individuellen psychologischen Glaubenssätzen, ist also nie rational.
    Weiter sind Menschen auf einen Sinn angewiesen. Ohne diesen werden wir krank, oder zumindest weniger Glücklich. Dieses „Teil eines Grossen ganzen Seins“ ist die Basis einer religiösen reflexion die Hilft Mensch zu sein, eine Notwendigkeit. Wir brauchen also eine Gute Geschichte, einen identitässtiftenden Narrativ. Das hilft die Persönlichkeit zu entwickeln und eine Gemeinschaft zu konstituionieren. Dies ist die Aufgabe zeitgemässer Religion, nicht der Wissenschaft, Hollywood Filmen oder sonst wem. Religion hat eine klare Funktion und Aufgabe, eine wichtige -> ganz Mensch zu werden und sich als Teil der Schöpfung zu erkennen.

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  • Alpöhi
    Gepostet um 09:59 Uhr, 24. April

    Ich kann mit Religion („Zurückbindung“) nichts anfangen. Denn meist wird das entweder blutleer-indifferent, oder fanatisch-gesetzlich. Die goldene Mitte finden wir nicht mit Religion („Zurückbindung“) und daher auch nicht mir Religiosität („Zurückgebundenheit“).

    Das Bedürfnis nach Kontakt und Anteil am Ewigen ist jedoch vorhanden. Wie aber kann es gelingen?

    Jesus war nicht religiös. Er war ganz einfach tief gläubig. Er glaubte an den Ewigen, gelobt sei er, und an sich selbst und folgt dem nach, was er vom Ewigen als „seinen Weg“ verstanden hatte.
    Und er lädt uns ein, dich und mich, auch ihm nachzufolgen auf dem Weg zum Ewigen, gelobt sei er.

    Lasst uns nicht religiös sein, sondern Jüngerinnen und Jünger!

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  • Alpöhi
    Gepostet um 10:08 Uhr, 24. April

    „wenn wir den Blick vom Übernatürlichen abwenden und im Natürlichen und Sinnlichen, in unseren Körpern beheimatet bleiben“

    Ich nehme diesen Ball auf. Es gibt in unseren Körpern einige Organe, die doppelt vorhanden sind. Die Natur hat uns also einige Organe, die sie besonders wichtig findet, doppelt (redundant) mitgegeben. Die Geschlechtsorgane gehören dazu. Daraus folgere ich: Der Sinn des Lebens ist das Leben selber – Das Leben erhalten und weitergeben. Kinder kriegen! 🙂

    Tatsächlich ist in den meisten Menschen eine tiefe Sehnsucht nach Gemeinschaft und/oder Kinder kriegen angelegt. Woher das kommt? Und wozu das dient? …

    Für mich ist der Aspekt der Gemeinschaft der rote Faden, der sich von vorne bis hinten durch die Bibel durchzieht: Gemeinschaft unter den Menschen, und Gemeinschaft von Gott dem Ewigen, gelobt sei er, und den Menschen. Gemeinschaft auf Augenhöhe, die nicht an der Oberfläche bleibt.. Das macht für mich das Leben lebenswert.

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    • Alpöhi
      Gepostet um 10:13 Uhr, 24. April

      …jetzt kommt dann fast unausweichlich die Frage: „Aber was ist mit denen, die keine Kinder bekommen können?“

      Die können sonstwie mithelfen, dass lebenswerte Gemeinschaft gelingen kann. Und das tun sie auch oft – weil es diesen Menschen ein tiefes Bedürfnis ist.

      Das ändert aber nichts daran, dass das Leben nur weiter geht, wenn jedes Paar von jeder Art auf unserer Erde in Durchschnitt 2,1 Kinder hat, die ins fortpflanzungsfähige Alter kommen.

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      • michael vogt
        Gepostet um 14:16 Uhr, 24. April

        zum glück haben Sie es noch selber gemerkt. und die frage ist doch heute eher, wie das leben angesichts der grossen anzahl von menschen weitergehen kann. religion ist die verbindung zum ursprung dieser verbindung. wenn ich recht sehe, wird hier überall etwas vorausgesetzt, sinnlichkeit zb etc – das, wonach wir fragen, muss aber auch für einen toten menschen gelten. im übrigen habe ich vor, auf mai mein kommentieren aufzugeben. sollte mir das gelingen, wäre das ein wunder.

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        • Alpöhi
          Gepostet um 17:26 Uhr, 24. April

          „Überbevölkerung“ ist das andere Argument, das immer kommt. Aber es ist eine optische Täuschung: Der Homo Helveticus stirbt aus, wenn wir so weitermachen (Quelle: Bundesamt für Statistik, Interpretation durch mich). Die Weltbevölkerung steigt nicht, weil zu viele Menschen geboren werden, sondern weil die Alten immer länger leben, also immer später sterben. Hans Rosling erklärt diese Zusammenhänge eloquent und unterhaltsam und beleuchtet auch das Ressourcenproblem in seiner 1-stündigen Vorlesung „DON’T PANIC – The Truth about World Population“ https://youtu.be/FACK2knC08E – sehenswert!

          Aber darum ging es mir nicht. Sondern: Von einem biologischen Standpunkt aus ist der Sinn unseres Daseins die Weitergabe unserer Gene. Das tönt abgeklärt und ist es auch – muss es aber nicht sein; sinnlich-körperlich, wie Eduard Kaeser anregt, geht es auch und ist lustvoller 😉

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    • Seraphim Weibel
      Gepostet um 08:41 Uhr, 25. April

      Liber Alpöhi,

      gerne würde ich mit ihnen einen kaffee trinken und philosophieren… haben sie mal zeit ? seraphim@724services.ch….

      Herzliche Grüsse,

      Seraphim

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  • Nicolas Mori
    Gepostet um 08:48 Uhr, 25. April

    Eduard Käser ist grundsätzlich beizufplichten: Der Homo religiosus kann nicht verleugnet, sondern nur verdrängt werden. Auch Deweys Vorschlag, „religiös“ von „Religion“ abzusetzen, ist bedenkenswert, wobei es umgangssprachlich wohl chancenlos ist, dass sich die Unterscheidung des Substandtivs von seinem gleichlautenden Adjektiv durchsetzt. Produktiver schiene mir, diese „religiös-säkulare Ambivalenz“ bzw. Hohls „Dass fast alles anders ist“ als spirituell zu bezeichnen (auch wenn Käser da wohl wieder die „Profanierung des Wunderglaubens“ wittert), weil dieser Begriff als Abgrenzung zum Religiösen schon fast Mainstream ist. Das Entdecken der „Weltrissigkeit“ (schöner Begriff!) kann man übrigens einüben: Die Methode heisst Meditation!

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  • michael vogt
    Gepostet um 14:01 Uhr, 25. April

    der tod des todes
    anders als anders

    alles kommt aus dem brahman und geht wieder in das brahman. alles ist – trotz allen rissen, brüchen und aus den fugen geraten – buddha, tao, der weg vom a und zum o. „treue von gechlecht zu geschlecht“, die transparenz des konzentrationslagers (zugegebenermassen eine sehr andere aussage), „derselbe gestern, heute und in alle ewigkeit“. auch wenn wir heute anders glauben, sehen, denken – das konstante bleibt grundlegender. das geheimnis lieg im „fast“.

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    • michael vogt
      Gepostet um 14:49 Uhr, 25. April

      wenn wir schon beim unbewussten sind: das wollte eine antwort auf den vorangehenden kommentar sein – aber es kommt eben anders, besser, würde ich hier sagen. warum der ungewollte absatz zwischen der ersten und der zweiten zeile? und warum das vergessene t fast am ende?

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      • michael vogt
        Gepostet um 17:43 Uhr, 28. April

        ja gar kein absatz, der normale zeilenabstand

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  • Corinne Duc
    Gepostet um 14:40 Uhr, 29. April

    Der Sinn des säkularen Rechtsstaates besteht nicht Entreligionisierung der Gesellschaft, sondern wäre eigentlich die Ermöglichung von Religions-, Meinungs- und Glaubensfreiheit für alle, unabhängig von ihren partikulären Weltanschauungen.
    Die saekulare Gesellschaft sollte eine offene, gemeinsame “Oberflächenstruktur” konstituieren unter welcher alle, ob theistisch oder atheistisch orientiert, religiös oder nicht, ihre Doktrine hochhalten, partikuläre Ideale verfolgen sowie Spekulationen entwerfen können und dürfen, sofern nur die allgemeinen Grundrechte gewährleistet und die Würde der Menschen sowie hoffentlich der anderen Geschöpfe ebenfalls geachtet werden.
    Mir scheint in dieser Hinsicht die Gefahr vor allem darin zu bestehen, dass wir aus Angst vor den Anderen (und all den anderen unbewältigten Problemen) diese Grundvoraussetzungen für ein friedliches und freiheitliches Zusammenleben pluralistischer Gesellschaften, sowie die Verantwortung die wir alle mittragen (sollten), allzu rasch vergessen (möchten).
    Religion und Saekularität schliessen einander nicht aus. Vielleicht sollten wir in Zukunft auch mehr Mut aufbringen anzuerkennen und zu zeigen, dass sich Skepsis und Glauben bestens vertragen und einander sogar sehr bereichern können. Dazu braucht es Kommunikation zwischen Vertretern verschiedener Doktrine, den offenen Austausch unter den Menschen mit ihren verschiedenen Lebenserfahrungen und –ängsten. Wenn wir hingegen zugleich den (post-) säkularen Raum mit partikuären religiösen Symbolen besetzen und gleichzeitig von den Anderen Integration in unsere Kultur verlangen, haben wir wahrscheinlich noch nicht verstanden, wofür das Kreuz eigentlich stehen sollte.

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    • michael vogt
      Gepostet um 15:04 Uhr, 30. April

      kreuz hingabe islam allah alles alles in allem nicht verdrängen nicht aufdrängen die gleichursprüngliche übereinstimmung der religionen und nicht-religionen

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    • Barbara Oberholzer
      Gepostet um 07:09 Uhr, 01. Mai

      👍🏻 für den Kommentar von Corinne Duc! Aber ein ganz grosses. Triple Like.

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  • Barbara Oberholzer
    Gepostet um 12:05 Uhr, 01. Mai

    Noch vor 50 Jahren durfte ein reformierter Sekschüler in der Innerschweiz das kath. Lehrerseminar nicht besuchen. Säkularisierung stellt sich gegen genau das.

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