Zwingli im Kino

Eine offene Kutsche bringt den jungen Ulrich Zwingli nach Zürich, wo er das Amt als Leutpriester am Grossmünster antreten soll. Unterwegs studiert er Papiere mit Bibelstellen und griechischen und hebräischen Begriffen. Das ist das erste Bild des Films „Zwingli“ von Stefan Haupt. Vielleicht kein realistisches, aber ein starkes Bild für eines der wichtigsten Anliegen Zwinglis: das Studium der Schrift als Grundlage der Kirche, die Rückkehr zu den Quellen in der Ursprache, wie sie die Humanisten um Erasmus fordern.

In den nächsten Sequenzen werden weitere wichtige Themen in starken Bildern eingeführt. Die desolate Situation der Armen und der Waisen, die vom kirchlichen Betrieb ignoriert wird, die Ängste der Menschen vor Hölle und Fegefeuer und der Missbrauch dieser Ängste durch Ablasshandel und Seelenmessen. Zwingli kündigt an, das ganze Neue Testament in der Volkssprache zu lesen und auszulegen und sorgt damit für Aufruhr. Er sucht in der politischen Obrigkeit von Zürich nach Verbündeten. Deutlich wird auch, dass die Reformation in Zürich eine Bildungsbewegung war.

Eindrücklich sind die Szenen über die Pest in Zürich. Der Klerus verschwindet aus Zürich. Zwingli bleibt – und erkrankt selbst an der Pest. Ein starker Kontrast. Fehlen darf natürlich auch nicht das Wurstessen beim Drucker Froschauer, bei dem Zwingli selber nicht isst, was sich strategisch bald als sehr klug erweisen wird. Aber er verteidigt die christliche Freiheit derer, die nicht fasten.

Eine grosse Stärke des Films von Stefan Haupt ist die Entscheidung, der Perspektive der Anna Reinhart ein grosses Gewicht zu geben. Zunächst treibt sie Zwinglis Aussage, dass es kein Fegefeuer gebe und sie ihr Geld besser für das Wohl ihrer Kinder als für Seelenmessen für ihren verstorbenen Mann einsetzen sollte, noch in die Flucht und versetzt sie in Angst und Schrecken. Aber sie gewinnt immer mehr an Freiheit und innerer Stärke, gegenüber ihrer Mutter und gegenüber den Leuten, die Zwingli als Unruhestifter kritisieren. Sie nimmt das Risiko auf sich, Zwingli während seiner Pesterkrankung mit Essen zu versorgen und hat bei der sich anbahnenden Liebesbeziehung zu Zwingli durchaus eine aktive Rolle.

Eine weitere starke Frauenfigur des Films ist Katharina von Zimmern, die letzte Äbtissin von Zürich. Unvergesslich ist die Szene, in der sie die Schlüssel des Klosters zurückgibt. Gerade droht der Konflikt zwischen dem Generalvikar Johann Faber und dem Bürgermeister Röist zu eskalieren, da tritt Katharina von Zimmern in den Raum, stark und selbstbewusst, und übergibt das Kloster und seine Besitztümer an den Rat der Stadt. Auf die Frage, was man für sie tun könne, antwortet sie, man solle sich um sie keine Sorgen machen. Diese Grösse, die Fähigkeit loszulassen und sich den Veränderungen nicht verbittert entgegenzustellen, gehört zu den nachhaltigsten Szenen des Films.

Ich möchte hier nicht die ganze Geschichte nacherzählen, die Zürcher Disputation, den Bildersturm,  den Täuferstreit, die Ertränkung des Felix Manz, den Kappeler Krieg und den Tod Zwinglis. Die Fakten sind sorgfältig recherchiert und dennoch ist kein Lehrfilm entstanden, sondern eine filmische Erzählung, die während rund zwei Stunden keinerlei Langeweile aufkommen lässt, obwohl man die Geschichte ja eigentlich kennt.

Überzeugend ist die Darstellung der Auseinandersetzung um die Täufer. Dass diese ihre Position konsequent mit der Schrift begründen, wird deutlich, ebenso dass Zwingli ihnen im Interesse der Ordnung entgegentritt, um das Bündnis mit dem Rat der Stadt und das Überleben der Reformation zu sichern. Erschreckend, wie dieser wortgewaltige Mann schon bald seinen Widerspruch gegen die Verurteilung des Felix Manz aufgibt und verstummt. Aber das Dilemma und der innere Konflikt Zwinglis werden spürbar. Er ist gewiss nicht die treibende Kraft hinter der Verurteilung von Felix Manz, aber er widerspricht ihr auch nur halbherzig. Und hat Bürgermeister Röist nicht recht mit seiner Aussage, dass die Reformation ohne dieses Urteil nicht überleben würde? Mag sein, doch um welchen Preis? Die Verfolgung der Täufer bleibt eines der dunkelsten Kapitel der schweizerischen Reformation. Die Haltung von Röist erinnert an die Kaiphasepisode im Johannesevangelium (Joh 11,51f.). Dennoch fällt der Film kein vorschnelles Urteil.

Es gelingt dem Film auch, das Marburger Religionsgespräch, mit dem Luther und Zwingli ihren Abendmahlsstreit beilegen wollten, in die politischen Auseinandersetzungen der Zeit einzubetten. Wie wichtig wäre die Beilegung des Streits gewesen, um ein Bündnis der schweizerischen und der deutschen Reformation zu schmieden, die beide unter grossem Druck standen. Es ist eine starke Szene, wie Zwingli aus Marburg zurückkehrt und unter den entsetzten Blicken der politischen Obrigkeit über Luther herzieht und eingestehen muss, dass ein Bündnis weiter entfernt ist denn je. Unwillkürlich fragt man sich, ob mehr Standhaftigkeit im Falle Manz und mehr politische Rücksichtnahme und Klugheit im Abendmahlsstreit der bessere Weg gewesen wären.

Berühmt und gerade in letzter Zeit oft zitiert ist auch der Zwinglispruch „Tut um Gottes willen etwas Tapferes“. Aber sind sich die, die ihn gerne zitieren, bewusst, dass er im historischen Kontext der Aufruf zu einem Präventivkrieg gegen die Innerschweizer Kantone war? Mögen die Militärhistoriker darüber streiten, wer im Recht war – der entschlossene Zwingli oder die zögernden Politiker. Mir jedenfalls lief es bei dieser Szene eiskalt über den Rücken.

Dieses Entsetzen über die Entschlossenheit zum Krieg zeigt im Film Anna Reinhart. Im Film ist es eine der wenigen Auseinandersetzungen der beiden. Dabei geht ein Gefäss zu Bruch. Die letzte Szene, in der die beiden gemeinsam zu sehen sind, ist der Aufbruch des Heeres. Vergeblich versucht Anna wenigstens ihren Sohn Gerold zurückzuhalten, aber Ulrich unterstützt sie nicht. Beide sollten nicht aus der Schlacht zurückkehren.

Der Film endet damit, dass Anna die Scherben des bei ihrem Streit zerbrochenen Gefässes in der Erde vergräbt. Und sie sagt, viele sehnten sich nach den alten Gewissheiten zurück, aber es bleibe uns nichts anderes übrig als auf der Suche zu sein.

Stefan Haupt ist ein sehenswerter Film über Zwingli gelungen mit beeindruckenden Leistungen der Schauspielerinnen und Schauspieler, insbesondere Max Simonischek als Zwingli und Sarah Sophia Meyer als Anna Reinhart. Während Haupt auf Seiten der Reformation eine sorgfältige und faire Darstellung der einzelnen Charaktere gelingt, werden die Altgläubigen fast durch die Bank als finstere Gesellen oder tumbe Toren dargestellt. Völlig übergangen wird die Frage, ob die radikale Berufung auf das Schriftprinzip nicht auch problematische Auswirkungen hat. Andre Holenstein spricht – mit einem bewussten Anachronismus – von fundamentalistischen Tendenzen. Die Frage, inwieweit die Zürcher Reformation und die Reaktion der Altgläubigen die Eidgenossenschaft an den Rand einer Spaltung gebracht haben, findet im Film kaum ein Echo. Zwingli wird zumindest in der Tendenz heroisierend dargestellt. Sehr behutsam und sorgfältig wird die Liebesgeschichte zwischen Anna und Ulrich entwickelt und zunächst vor allem in Blicken erzählt. Schade nur, dass die Filmmusik die Liebesgeschichte oft allzu dramatisch und jenseits der Grenze des Kitsches untermalt.

Zwingli ist ein Film, der uns in die Zeit der Zürcher Reformation entführt. Aber er hilft uns nicht nur, diese Zeit besser zu verstehen. Er führt uns auch zu fundamentalen Fragen unserer Zeit. Können wir uns im 21. Jahrhundert wie Zwingli auf das Schriftprinzip berufen und was heisst das dann, wenn es wie zu Zwinglis Zeiten eine innovative, die Gesellschaft nach Gottes Willen erneuernde Kraft sein soll und kein papiernes Lehramt? Sind wir uns bewusst, dass die Botschaft der christlichen Freiheit Menschen auch in Angst und Schrecken versetzen kann und viele sich heute noch nach den verlorenen alten Gewissheiten zurücksehnen? Sind wir Reformierten nicht auch in vielem zu einer etablierten Institution geworden, die sich zwar auf das semper reformanda beruft, aber lieber alles beim Alten lassen würde? Wie gehen wir mit den Aufbrüchen unserer Tage um, hören wir zu und schaffen neue Räume? Und wie können wir heute das Verhältnis zwischen entschlossenem Einsatz für die Wahrheit und politischer Klugheit und strategischem Denken bestimmen? Sind wir heute wirklich noch eine Bildungsbewegung und setzen wir uns entschlossen genug für die Marginalisierten und Bedrängten ein? Wie können wir die christliche Botschaft so zur Sprache bringen, dass es Menschen unserer Zeit berührt und ins eigene Nachdenken bringt, in einer neuen und erfrischenden Sprache, die sagt, was Sache ist?

„Zwingli“ von Stefan Haupt läuft ab 17. Januar in den Kinos. Schon am 14. Januar findet eine Vorpremiere mit dem Regisseur Stefan Haupt, der Produzentin Anne Walser und einigen Schauspielern im CineMovie 2 in Bern statt.

Die Meinung des Autors in diesem Beitrag entspricht nicht in jedem Fall der Meinung der Landeskirche.

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12 Kommentare
  • Gerhard Fenner
    Gepostet um 11:25 Uhr, 03. Januar

    Auch wenn Zwingli mit der Reformation in Zürich die Eidgenossenschaft fast gespalten hätte, so hat er doch mit dem Abendmahlsstreit gegen Luther in Marburg zur staatlichen Unabhängigkeit der Schweiz beigetragen, welche dann beim Westfählischen Frieden 1648 bestätigt wurde.

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  • Catherine McMillan
    Gepostet um 15:31 Uhr, 03. Januar

    Und es gibt 2 öffentliche Vorpremieren im Kino Orion in Dübendorf: Am Dienstag, 22. Januar um 19.00 Uhr mit anschliessendem Gespräch mit der Produzentin Anna Walser, der Drehbuchautorin, Simone Schmid, und dem Schauspieler Gian Rupf. Am Sonntag, 3. Februar um 10.30 Uhr zeigt der Regisseur Stefan Haupt im Gottesdienst einen Ausschnitt aus dem Film und hält selber die Ansprache. Danach führt er um 12.00 Uhr im Kino Orion in den Film ein und der Film wird als Sonntags-Matinee gezeigt. Zur Kritik an den Film: Wenn man Zwingli O-Ton liest, merkt man, dass er seine ihre Macht und den Status quo bewahrenden Altgläubigen Gegner tatsächlich als finstere Gesellen und Toren sah. Diesen Kontrast im Film zu zeigen, finde ich legitim. Die Geschichte wird ja aus seiner Sicht und aus der Sicht von Anna erzählt. Zur Frage des Schriftprinzips – ob das fundamentalistisch sei: Da Zwingli und andere Humanisten die Wahrheit in den Quellen suchten und mit wissenschaftlichen Methoden versuchten, diese in ihren historischen, literarischen und theologischen Zusammenhängen zu verstehen und in der Anwendung mit politischen Realitäten zusammenzubringen, sehe ich keinen sturen, engstirnigen Fundamentalismus..Danke für die Rezension. Ich habe das Drehbuch gelesen und ein paar Szenen gesehen, aber den Film gesamthaft noch nicht gesehen. Ich bin sehr gespannt!

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    • Bernd Berger
      Gepostet um 17:35 Uhr, 03. Januar

      Einverstanden, was Zwingli’s Sicht seiner altgläubigen Widersacher betrifft. Aber bei den Täufern gelingt es dem Film ja auch, sich nicht einfach Zwingli’s Sicht zu eigen zu machen. Da wäre eine differenziertere Darstellung möglich gewesen. Zum Fundamentalismus: Ich halte Zwingli’s Berufung auf das Schriftprinzip auch nicht für fundamentalistisch. Aber durch Andre Holenstein steht der Vorwurf im Raum – auch wenn ich von einem Spielfilm nicht unbedingt eine Auseinandersetzung mit dieser These erwarte. Wichtiger scheint mir aber, dass wir heute nicht mehr so einfach vom reformatorischen Schriftprinzip reden können, weil die Schrift selbst ein Teil der Tradition ist. Zwingli wollte zurück zu den Quellen und dass diese Rückkehr zu den Quellen im Teamwork erfolgte und nicht das Werk eines Einzelnen war, ist ein Ruhmesblatt der Zürcher Reformation! Aber ist eine Rückkehr zum Ursprungssinn der Texte mit unseren heutigen Erkenntnissen wirklich möglich? Und selbst wenn – welche Bedeutung hat der rekonstruierte Ursprungssinn der Texte für uns heute? Ist es eine normative oder welche Bedeutung kommt dem Subjekt zu, welches sich die Texte aneignet. Dieses Subjekt ist heute das Individuum (auch wenn es in eine Gemeinschaft eingebettet ist) und nicht mehr die Kirche. Aber in neuer Gestalt stellt sich auch heute die Frage von Schrift und Tradition.
      Wie gesagt: diese Rückfrage sprengt sicher die Möglichkeiten eines Spielfilms – erwähnen wollte ich sie trotzdem. Und meine Kritikpunkte ändern nichts am Fazit, dass der Film unbedingt sehenswert ist und hoffentlich im Kino und in vielen Kirchgemeinden sein Publikum findet. Danke auch für die Hinweise auf die Filmanlässe in Dübendorf.

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  • Corinne Duc
    Gepostet um 21:53 Uhr, 03. Januar

    Punkto „Altgläubige“ ging es ja nicht nur um Meinungsdifferenzen (welchen sich Zwingli durchaus in humanistischer Weise, also mit Disputationen, zu stellen gewillt war); sondern man könnte es sich – zumindest der Tendenz nach – vielleicht etwa so verstellen wie wenn der IS in Nachbarstaaten grassieren, dort ab und zu auftretende reformierte Prediger foltern und massakrieren sowie generell die Bevölkerung dazu zwingen würde, die „altgläubigen“ Bräuche (wieder) anzunehmen – und natürlich die Absicht verfolgte, die Gebiete der Abtrünnigen in ihr Herrschaftsgebiet zu integrieren.

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    • Bernd Berger
      Gepostet um 10:19 Uhr, 04. Januar

      …. und was würden Sie dazu sagen, wenn man von katholischer Seite die Anhänger Zwinglis mit dem IS vergleichen würde und sie als Terrorgruppe diffamieren, die eine gute Ordnung zerstört, zu Gewalt gegen Kirchen und Kleriker aufruft im Namen einer vermeintlich ursprünglichen Auslegung des Glaubens und die sogar Abtrünnige in den eigenen Reihen ersäufen lässt? Es wäre eine absolut unfaire Darstellung. Aber sollten wir dann nicht umgekehrt zu verstehen versuchen, warum die Reformation für die katholische Seite nicht nur eine Gefährdung ihrer Macht, sondern auch eine Gefahr für die religiöse und politische Einheit war? Diese Einheit hat übrigens auch die reformierte Seite mit militärischen Mitteln erzwungen – z.B. gegen die Altgläubigen im Berner Haslital.

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      • Corinne Duc
        Gepostet um 13:13 Uhr, 04. Januar

        Ein Problem des 16. Jh. war einerseits sicher generell, dass so etwas wie ein Recht auf Religionsfreiheit noch nicht anerkannt wurde – eben in dieser Hinsicht scheint mir ein Vergleich mit dem IS hilfreich.
        [Wobei es Luther bis in die Reformationszeit hinein nicht einmal darum ging, eine neue Konfession zu gründen – er wandte sich lediglich gegen kirchliche Missbräuche und die dogmatischen Verrenkungen, welche solche Entwicklungen förderten oder damit einhergingen. Nach der Bannandrohungsbulle (1520), in welcher die Aussagen Luthers als häretisch verurteilt wurden, die Verbrennung sämtlicher Schriften Luthers gebot, und und binnen 60 Tagen den Widerruf verlangte, widrigenfalls er als Häretiker verurteilt zu gelten habe, und dem Wormser Edikt (1521), das u.a. über Luther und seine Anhänger die Reichsacht verhängte, wäre diese Reformation wahrscheinlich noch im Keim erstickt worden, wenn Friedrich der Weise, Kurfürst von Sachsen, im nicht Schutz geboten hätte. Über die zahlreichen „Märtyrer des Luthertums“ ist leider viel zu wenig bekannt.]
        Aber es ist klar, oder sollte klar sein, dass dieses Klima nicht zu vergleichen ist oder war mit theologischen Auseinandersetzungen in unserer Zeit unter rechtsstaatlichem und internationalem (Menschenrechts-) Schutz.

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  • michael vogt
    Gepostet um 23:15 Uhr, 04. Januar

    einerseits wäre es darum gegangen, mehr auf die schrift zu hören, und gewissermassen hinter der gerechtigkeit aus glauben, in ihr verborgen, die rechtfertigung der gottlosen auszumachen, und darum also keine glaubenskriege zu führen, keine täufer zu verfolgen und die spaltung der reformation oder der kirche überhaupt aufgrund von lehrangelegenheiten nicht zuzulassen. andererseits wäre es darum gegangen, noch mehr auf die schrift zu hören: dass nämlich sola scriptura gerade nicht sola scriptura heisst, ihr letztes wort: alles in allem. beim lesen stellt sich mir die frage, ob der autor nicht selbst sich in einer „alten gewissheit“ befindet, wenn er zuletzt von einer „christlichen“ freiheit und wahrheit spricht, obschon beide nicht nur christlich sind, oder wenn sie es sind, unnötig begrenzt bleiben und sich in unnötiger weise von anderen trennen. (rm 4.5, 1kor 15.28, 13.9-12)

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    • Corinne Duc
      Gepostet um 00:27 Uhr, 06. Januar

      Aufgrund Bibellektüre allein ist wohl kaum je ein Mensch auf die Idee gekommen, dass es so etwas wie ein Recht auf Religionsfreiheit brauche. Vielmehr wurden immer wieder Bibelstellen bemüht, um Judenverfolgungen, Diskriminierung von Muslimen, sowie Verbrennen, Ertränken oder Rädern von Ketzern, sog. Hexen usw. zu „rechtfertigen“.
      Vielleicht sollte den Bibeln ein Vorwort angefügt werden, in welchem sinngemäss etwa stehen sollte, dass dieses Buch zum eigenen Denken anregen sollte; also nicht der wortwörtlichen Anleitung oder Unterweisung diene, sondern kirchen-, religions- und konfessionsübergreifend als Einladung zur Teilnahme an einem vielgestaltigen Diskurs und zur Reflexion über die eigenen wie gesellschaftlichen Verantwortungszusammenhänge zu verstehen sei, bzw. als ein Fundus für alle Suchenden auf dem Weg des Nachdenkens über Gottesliebe.

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      • michael vogt
        Gepostet um 06:58 Uhr, 06. Januar

        andererseits: wie hätte sich unsere gesellschaft ohne diese lektüre entwickelt?

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  • Alpöhi
    Gepostet um 21:42 Uhr, 06. Januar

    In einem anderem Blog hier fragte Esther Gisler Fischer, ob die Reformierte Kirche sklerotisch sei? Die Frage hatte ich spontan bejaht…

    Folgedessen müssten die „selber denkenden Reformierten“ doch fertigbringen, den Anspruch „semper reformanda“ in zeitgemässe Aktion zu giessen, so dass die Ekklesio-Sklerose überwinden werden kann.

    Wäre schön, wenn der Zwingli-Film dazu Anstoss sein könnte.

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  • Esther Gisler Fischer
    Gepostet um 15:46 Uhr, 07. Januar

    Ein schöner Bericht, der Lust macht, sich den Film anzuschauen; -danke Herr Berger!

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  • Jürg Hürlimann
    Gepostet um 15:24 Uhr, 10. Januar

    Auf dem Flyer des Film findet sich der Hinweis „Von den Machern von Schellen-Ursli & Der Verdingbub“. Dass die Produzenten zu Werbezwecken auf Schellen-Ursli verweisen, erzeugte bei mir eine ungute Erwartungshaltung: Heimatschnulze? Zwingli als christliche Kinderbuchfigur? Heute sah ich den Film im gut besuchten Lunchkino (Le Paris). Meine Befürchtungen haben sich nicht bestätigt. Der Film zeigt Zwinglis Leben und Wirken in Zürich im notwendigen Zeitraffer, dies eindrücklich und gut verständlich für interessierte, aber mit der Reformationsgeschichte nicht oder nur mässig vertraute Betrachterinnen und Betrachter. Die Figur von Anna Reinhart wurde gut herausgearbeitet.

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