Der Sternenhimmel über mir

Und, was haben Sie zu Weihnachten geschenkt bekommen? Manche haben sich ein Fernrohr gewünscht, um die Faszination der Sterne zu bestaunen. Es sind übrigens nur gut 3000 Sterne, die man am Nachthimmel über der Erde entdecken kann. Ich selber habe leider kein Fernrohr, aber ich durfte schon mal in ein richtiges Teleskop schauen, auf dem Gornergrat, wo die Universität Bern eine Sternwarte betreibt. Da wurde mir das Sternensystem Pegasi 51b gezeigt, das ist etwas ganz Besonderes, weil dort Schweizer Forscher den ersten sogenannten «Exoplaneten» gefunden haben, der ausserhalb unseres Sonnensystems um einen sonnenähnlichen Stern kreist.

Ich bin bei den Weltraumforschern der Universität Bern angestellt, was an sich nichts Besonderes wäre, wäre ich nicht Theologe. Die Wissenschaftler haben sich gedacht, es wäre gut, jemanden zu beschäftigen, der sich darüber Gedanken macht, was es denn für die Menschheit bedeuten würde, wenn wir eines Tages eine zweite Erde entdecken würden – und stellen sie sich vor, sie wäre bewohnt!

Nun berichten die Medien alle paar Monate über die Entdeckung eines „erdähnlichen“ Planeten, aber damit sind schlicht Planeten gemeint, die wie Erde oder Mars Gesteinsplaneten sind und in einem Abstand von ihrer jeweiligen Sonne kreisen, der die Existenz von flüssigem Wasser zulassen würde. Ob es dort dann wirklich Wasser gibt, und vielleicht sogar Leben, das kann man aber noch nicht sagen.

Man kann sich nun fragen, wieso beschäftigen die Berner Naturwissenschaftler nun gerade einen Theologen? Und was mache ich da eigentlich, bei den Weltraumforschern? Wie passen Naturwissenschaften und Theologie überhaupt zusammen? Widersprechen sie sich nicht, man denke nur an Evolution und Schöpfung?

Man sollte dem lautstarken Auftreten von Atheisten wie Richard Dawkins allerdings nicht zu viel Glauben schenken. Wie soziologische Untersuchungen zeigen, sind auch viele Wissenschaftler religiös, und eine grosse Mehrheit findet, Wissenschaft und Religion sind so verschiedene Bereiche unserer Wirklichkeit, die tun sich nichts. Bleibt die Frage, was ich dann bei den Berner Naturwissenschaftlern eigentlich mache.

Nun, ich betreibe einerseits schlicht Forschung, z.B. zur Geschichte der Frage nach ausserirdischem Leben, was übrigens schon in früheren Jahrhunderten eine verbreitete Vorstellung war. Andererseits unterhalten wir uns natürlich auch, Naturwissenschaftler und Theologen, z.B. zur Frage was eigentlich Leben ist. Theologen können da noch einiges lernen, z.B. nicht an der veralteten Vorstellung einer besonderen Lebenskraft festzuhalten. Aber auch mit den Biologen ist ein interessantes Gespräch darüber zustande gekommen, was denn dann eigentlich das Besondere am Leben ist. Viele ethische Fragen hängen auch davon ab, wie wir uns als Menschen gegenüber anderen Lebewesen verstehen. Und viele Gedankenspiele müssten neu durchdacht werden, wenn es da draussen im All wirklich weiteres Leben geben sollte. Es gibt durchaus einiges zu tun im Dialog von Naturwissenschaft und Theologie.

Auf der Sternwarte auf dem Gornergrat haben mir meine Kollegen aus der Naturwissenschaft gezeigt, wie viele Sterne es wirklich gibt. Man schätzt in unserer Galaxie so an die 300 Milliarden. Und es gibt ja nicht nur eine Galaxie, sondern Milliarden von Milchstrassen. Ich muss zugeben, das hat mein Vorstellungsvermögen einigermassen gesprengt.

Die Bibel hat für solche Summen ein schönes Wort: Myriaden, das heisst so viel wie zahllos viele. Unser Diesseits ist größer als man sich vorstellen kann. Und es gibt in unserem All und auf unserem Planeten noch sehr viel zu entdecken. Als Glaubender erkenne ich darin die Größe Gottes. Ich glaube, es ist in jedem Fall gesund und in gutem Sinne ernüchternd, sich diese Dimensionen vor Augen zu führen.

Andreas Losch
www.lifebeyondourplanet.unibe.ch

 

Diesen Beitrag fand ich...
  • wichtig (10)
  • inspirierend (12)
  • fundiert (1)
  • frech (0)
  • berührend (4)
  • langweilig (2)
  • falsch (0)
  • schlecht (1)
  • lustig (0)
7 Kommentare
  • michael vogt
    Gepostet um 07:20h, 04 Januar Antworten

    Sie nennen das diesseits all. ist nicht das all alles? sich selbst ursprung, ursprung von allem? nichts hat keine ursache ausserhalb seiner selbst, ausser dem gesamten. alles aus dem gesamten. alles aus allem. die zeit der gegensätze – person und evolution zb – ist vorbei. die gefechte zwischen theismus und atheismus sind von gestern. im letzten abschnitt würde aber mancher atheist aussteigen. der sohn unterwirft sich dem vater, so dass er als zweite person der trinität nicht mehr existiert. und der vater ist nicht mehr vater, sondern alles. was auch heisst die ganze vergangenheit, nicht trennend aktuell.(1kor 15.28)

    0

    5
    • michael vogt
      Gepostet um 07:27h, 04 Januar Antworten

      der fehlende abstand am ende . ( symbolisiert es gerade

      0

      0
    • Verena Thalmann
      Gepostet um 19:44h, 04 Januar Antworten

      Lieber Herr Vogt
      Um vielleicht besser zu verstehen, was Sie mit ihrem Kommentar meinen, habe ich auch noch den Text in 1.Kor. 15.28 nachgelesen (bin aber nicht Theologin).
      Persönlich sehe ich keinen Zusammenhang mit dem Text von Andreas Losch. Auch glaube ich nicht, dass man diese Stelle aus 1. Kor. aus dem Zusammenhang und dem geschichtlichen Hintergrund nehmen kann.
      Vielleicht erklären Sie noch konkreter was Sie meinten oder wie sie der oben Stehende Text „Der Sternhimmel über mir“ angesprochen, gestört oder was immer — hat.
      ….. auf eine gute Blog-Kultur — Gruss Verena

      5

      0
      • michael vogt
        Gepostet um 02:32h, 05 Januar Antworten

        liebe verena, da du so unterschreibst, nehme ich auch diese anrede. mitte achtzigerjahre ging ich in einer vorlesungspause zu eberhard jüngel, dem berühmtesten schüler karl barths, der in tübingen lehrte, und fragte ihn: „was heisst das ‚panta en pasin‘ (alles in allem)?“ ich hatte kommentare konsultiert, herumgefragt… und nichts gescheites gefunden. „Sie werden in schwierigkeiten geraten“, war seine antwort. wenn die grössten theologen die frage nicht beantworten können, sollten wir, schlage ich vor, der devise folgen, die sich mir ergibt, nachdem ich auf dem internet nach dir gesucht (muss nicht heissen gefunden) habe: da kam ich nämlich auf eine seite, und dort geht es um entspannung. zum beispiel in den bergen, wo es ganz dunkel ist: die nacht erleuchtet die sterne, und die sterne erleuchten wiederum die nacht. mit freundlicheen grüssen michael

        0

        4
        • michael vogt
          Gepostet um 02:38h, 05 Januar Antworten

          sorry für ein e zuviel („gute blog-kultur“)

          0

          2
        • Verena Thalmann
          Gepostet um 18:55h, 05 Januar Antworten

          ….einverstanden Michael: „die Nacht erleuchtet die Sterne und die Sterne wiederum die Nacht…… 🙂
          Gruss Verena

          1

          0
  • Esther Gisler Fischer
    Gepostet um 14:13h, 05 Januar Antworten

    Interessanter und längst überfälliger Ansatz dieser Dialog zwischen Theologie und Naturwissenschaften! Ich denke, man/frau sollte in beiden Welten zuhause sein; -beide Sprachspiele beherrschen können. Der Glaube könnte dadurch auch eine Katharsis erfahren: Geläutert werden auf das Wesentliche, dass wir als Menschen nämlich alles Geborene sind und unser Diesseits auf der Erde menschwürdig gestalten sollten. Denn was da draussen ist, interessiert mich herzlich wenig …

    3

    0

Kommentar abschicken