Die Konfliktunfähigen

Henry Habegger hat der reformierten Kirche in seinem AZ-Artikel vom 11. April unter dem Titel „Die Konfliktunfähigen“ mangelnde Streitkultur vorgeworfen. Konfliktunfähig will man aber ausgerechnet im Jubiläumsjahr der Reformation ganz bestimmt nicht gelten. Aber worüber wollen wir eigentlich streiten? Soll wirklich um etwas oder vielmehr über jemanden – nämlich den SEK-Ratspräsidenten – gestritten werden? Und was wäre der Anlass für einen Konflikt in der Kirche?

Worüber man nicht streiten muss, kann man reden

Habegger selbst bleibt ungefähr: Es „brodle unter der Oberfläche der Kirchenwelt“. „Manche nehmen Locher manches übel“. Umgang mit Frauen, Spesen und Macht allgemein. „Es gibt unter ihnen Frauen, die fühlen sich verletzt und betrogen, nach wie vor auch wegen umstrittener und provokativer Aussagen zur Sexualität…“ Wirklich? Wir sollen jetzt über Lochers Äusserungen zu Prostitution und Triebhaftigkeit streiten? Vier Jahre nachdem diese publiziert worden sind? Jetzt über seinen Umgang mit Frauen sprechen? Auf welcher Grundlage denn? Jetzt plötzlich über Lochers Flirt mit der Macht und sein Spesenkonto debattieren?

Lochers Wiederwahl

Im Juni steht Lochers Wiederwahl an. Manche sind unzufrieden damit, dass Locher das Aushängeschild der neuen Evangelisch Reformierten Kirche(n) Schweiz EKS sein soll. Sie finden sich als Reformierte schlecht repräsentiert und hätten gerne eine progressivere, weiblichere, demokratischere und reformiertere Repräsentantin. Dann gibt es solche, die Lochers Wiederwahl freut und die damit die bevorstehende Verfassungsrevision verbinden, deren Aushängeschild er ja ebenfalls ist. Es gibt auch eine stille Gruppe, die Locher zwar innerlich ablehnt, aber den Preis für eine öffentliche Debatte, die das Image der Kirche beschädigen könnte, nicht zu zahlen bereit ist. In den Augen dieser Mitglieder lohnt sich ein öffentlicher Streit einfach nicht. Und dann gibt es den grossen Rest, dem das eigentlich vollkommen egal ist, weil sich Kirche schliesslich in Gemeinden abspielt und die, was ausserhalb der Dorfkirche passiert, nur wahrnehmen, insofern es die Kirche im Dorf betrifft.

Dass es in Kirchgemeinden übrigens eine ausgeprägte und konstruktive Streitkultur gibt, habe ich selbst schon mehrfach erlebt. Dass aber Lochers Interview in der „Schweiz am Wochenende“ kaum diskutiert wird, hängt nicht mit Habeggers unterstellten „Debattenunkultur“ zusammen, sondern damit, dass es die meisten Reformierten schlicht nicht interessiert. Das ist ein Fehler. Denn für das öffentliche Kirchenbild ist der in der Sache von den Kantonalkirchen abhängige Präsident sehr mächtig. Er hat medial längst das Gewicht eines Bischofs. Und alle, die diese Funktion lieber progressiver, weiblicher, demokratischer, reformierter besetzt hätten, müssen einsehen, dass Locher, der gar keinen Befreiungsschlag nötig hatte, sich mit diesem Interview in der „Schweiz am Wochenende“ schon wieder einen kleinen Vorteil herausgespielt hat.

Mit Locher streiten

Wir müssen aber nicht über den Ratspräsidenten streiten, sondern sollten uns fragen, wo mit ihm darüber gestritten werden kann, was er als Ratspräsident – das ist er immer, wenn er in der Öffentlichkeit spricht – über Flüchtlinge und Nächstenliebe sagt, welche Männer- und Frauenbilder er vertritt und wie er über den Zuwachs weiblicher Mitarbeiterinnen in den Landeskirchen sprechen soll. Es liegt in der Verantwortung der Kantonalkirchen, dass ihre Anliegen und Positionen auch in der Öffentlichkeit vertreten werden. Über Locher zu streiten, macht ihn zunehmend zu einer für die Medien interessante Figur, die immer wieder für eine Provokation gut ist und in deren Macht es liegt, die Agenda vorzugeben. Aber anders als die „stille Gruppe“ meint, müssen diese Debatten offen ausgetragen werden. Nur so kann ein kirchliches Profil, das nicht an den Gemeinde- oder Kantonsgrenzen endet, für die Desinteressierten überhaupt relevant werden. Und so gibt die Kirche in der Öffentlichkeit das Bild einer in der Sache streitlustigen, freien, engagierten und identifizierbaren Grösse ab.

Entscheidend ist im Juni nicht die Wiederwahl Gottfried Lochers. Sondern ob es im Reformprozess gelingt, einer kritischen, kirchlichen Öffentlichkeit Plattformen, Gehör und Mitwirkungsmöglichkeiten zu verschaffen.

Interessante Links zum Thema:

Zum Artikel «Die Konfliktunfähigen» in der „Aargauer Zeitung“ vom 11.4.18:
http://bit.ly/2HiZ1bR

Zum Interview mit Gottfried Locher in der „Schweiz am Wochenende“:
http://bit.ly/2vcMRfS

 

Die Meinung des Autors in diesem Beitrag entspricht nicht in jedem Fall der Meinung der Landeskirche.

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17 Kommentare
  • Giorgio Girardet
    Gepostet um 08:54 Uhr, 14. April

    Es freut mich, das Machwerk von Henry Habegger hier in Auszügen zitiert zu finden. Diesen Artikel hätte ich nie zur Kenntnis genommen, wäre er nicht im öffentlichen fb-Thread einer Pfarrerin verlinkt worden, die als Sprecherin des „Wort zum Sonntag“ über eine gewisse Ausstrahlung und Audience auch in den sozialen Medien verfügt. Die reformierte Schweiz, die sich per Kirchenaustritt kontinuierlich ausdünnt, hat derzeit weit wichtigere Themen zu behandeln als des „Männer und Frauenbild“ des SEK-Präsidenten. Es geht um eine neue Verfassung und neue Strukturen im Kanton Zürich gibt der Prozess „Kirchgemeinde pluis“ zu reden. Gleichzeitig feiern wir die 500 Jahre der Zwingli-Reformation, des „weltgeschichtlichen Prozesses an dem die Schweiz kreativsten Anteil nahm“ (dies schrieb der russisch-stämmige jüdische Sozialist Valentin Gitermann 1940 in seine Geschichte der Schweiz). Ohne Zwingli und seinen frankophonen Kollegen Calvin gäbe es heute den „Westen“ wie wir ihn heute kennen nicht. Einen solchen Kommentar hätte ich gern bei der Pinwand der besagten Fernseh-Pfarrerin deponiert. Allein die Kommentar-Funktion war für mich dorten de-aktiviert. Den Verlag der Aargauer Zeitung (für die ich auch schon geschrieben habe) liess ich wissen: „“Der Autor hat keinerlei Kenntnisse in Kirchenfragen. Würde er dergestalt von Wissen unbelastet über Fussball schreiben, er müsste um sein Leben fürchten. Cui bono? fragt sich der Leser. Hier wird ein Nicht-Thema („Es gibt Leute, unter ihnen Frauen, die fühlen sich verletzt und betrogen, nach wie vor auch wegen umstrittener und provokativer Aussagen zur Sexualität, die der amtierende SEK-Präsident VOR VIER JAHREN in einem Buch machte. „) künstlich skandalisiert. Ich erwarte von einer Qualitätszeitung mehr Augenmass und Einordnung und weniger Schaumschlägerei mit für Skandalgeschichten geeigneten Schlagworten: Kirche, Sexualität, (angeblich) mächtiger Mann, verletzte Frau. Diese Art Journalismus ist Quotenbolzerei bar jeglicher gesellschaftlichen Verantwortung. Hàtte ich Ihr Blatt abonniert, sie hätten meine Abo-Kündigung erhalten. Dass ich auf das Machwerk auf facebook verlinkt stiess, spricht Bände über die Wirkungsabsicht solcher Schreibe.“ (Ende Zitat) Und endlich erwarte ich auch von in Pfarrhäusern residierenden Pfarrpersonen mehr Fähigkeit zu Einordnung und Sortierung. Es macht mich traurig, dass eine Züricher Pfarrerin am Vorabend des Reformationsjubiläums und angesichts der gewaltigen strukturellen Debatten in der Kirche (Zürcher Kirchenordnung, Reformationsjubiläum, Verfassung des SEK) ihre facebook-Claque mit boulvardesken Gender-Nebelpetarden weiterhin zu unterhalten müssen glaubt. Und Apropos „Konfliktunfähigkeit“: hätte mich die Fernsehpfarrerin nicht von der Kommentarfunktion ausgeschlossen durch ihre facebook-Einstellungen. Die Debatte wäre nicht von Stephan Jütte ins „diesseits“ beförtdert worden.

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  • Esther Gisler Fischer
    Gepostet um 12:07 Uhr, 14. April

    Entgegen der Meinung von Stephan Jütte finde ich es nicht unerheblich, wer ab Juni an der Spitze des SEK und später voraussichtich der EKS steht. Und vor allem, wofür diese Person steht. Gemeinsam mit Kollegin Sibyllle Forrer möchte ich nicht, dass ein Präsident mit grossem medialen Sendungsbewusstsein das Bild der Reformierten in der Öffentlichkeit prägt, der einerseits eine ‚Feminisierung‘ der Kirchen beklagt und anderseits die Glechstellung der Geschlechter als Alleinstellungsmerkmal gegenüber dem Islam ins Felde führt. Und der erwiesenmassen ein verqueres Männer-und Frauenbild hat!

    Sowohl die Strukturreform, wie die Person Gottfried Lochers atmen den Geist einer Re-Klerikalisierung der evang.-ref. Kirche(n). So lässt die aktuelle Ausgabe der Zeitschcrift ‚bref‘ nebst Befürwortenden, auch kritische Stimmen dazu zu Worte kommen.: http://brefmagazin.ch/#item-0

    http://brefmagazin.ch/#item-0

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    • stephan jütte
      Gepostet um 12:21 Uhr, 14. April

      liebe frau gisler-fischer,
      ganz sicher möchte auch ich das nicht. aber es muss darum gehen, dass wir strukturelle massnahmen treffen, um sicherzustellen, dass die basis durch die ratspridentin oder den ratspridenten vertreten wird.

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      • Norton
        Gepostet um 14:20 Uhr, 14. April

        Lieber Herr Jütte
        Wie kommen Sie denn darauf, dass Herr Locher (der im Unterschied zu manch anderer Person, die eine kirchlich einflussreiche Stelle besetzt) in seine Position gewählt worden ist die Basis nicht vertrete?

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        • Stephan Jütte
          Gepostet um 17:41 Uhr, 15. April

          Lieber Norton,
          das entnehme der im AZ-Artikel geschilderten Unzufriedenheit. Niemand vertritt je die ganze Basis – abgesehen von kommunistischen Zentralparteien 😉 – aber die Äusserungen, auf die sich die Kritik bezieht, lagen keine in der Kirche abgesprochenen Positionen zu Grunde, sondern einzig Herrn Lochers mehr oder weniger spontane Einfälle. Trotzdem vertritt er mit allem was er tut oder sagt die Reformierte Kirche in der Schweiz. Und wenn nun der SEK zur EKS werden soll, muss darauf geachtet werden, dass diese Äusserungen legitimiert sind.
          Schönen Sonntagabend noch!

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      • Anonymous
        Gepostet um 15:29 Uhr, 14. April

        Genau Herr Jütte. Die Basis ist wichtig. Man sollte die Basis schweizweit befragen. Also so quasi eine eidg. ref. Abstimmung machen. Es kann nicht sein, dass sich einzelne durch Social Meda zu stark Gehör verschaffen lassen können. Likes in Social Media sind zu 50 % von Leuten, die nicht mal in der reformierte Kirche sind.

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      • Esther Gisler Fischer
        Gepostet um 13:46 Uhr, 15. April

        Ja genau und da ist ein Bischofsamt höchst untauglich dafür! Zwingli hat die ‚Geistlichkeit‘ übrigens mal abgeschafft. Und jetzt soll sie wieder eingeführt werden?
        Ünrigens schreibe ich mich ohne Bindestrich: Doppelname mach CH ZGB; Ledigenname vorgestellt.

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    • Anonymous
      Gepostet um 15:58 Uhr, 14. April

      Frau Gisler Fischer. Gemeinsam mit Kollegin Sibylle Forrer haben Sie ja auch eine sehr grosse, mediale Präsenz. 😉 Für meine Begriffe oft zu rosa.
      Das empfindet halt auch die Basis so.

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      • Esther Gisler Fischer
        Gepostet um 09:56 Uhr, 17. April

        Rosa ist doch eine schöne Farbe nicht?! 😉
        Freundlich grüsst Sie unbekannterwiese, da Sie ‚anonymous‘ laufen
        Esther Gisler Fischer.

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  • michael vogt
    Gepostet um 15:40 Uhr, 14. April

    ich stehe zu gottfried locher, zu ihm als person. die aus der rechtfertigungslehre und anderen einsichten hervorgehende unterscheidung von person und werk, die gegenseitige anerkennung trotz unter umständen gegsätzlicher überzeugung ist grundlegend für die konfliktfähigkeit. dieser beitrag ist nicht zuletzt eine fortsetzung des vorangehenden, der frage nach einer christlich-theologischen sexualethik. der mann, der von der alp immer wieder etwa zu uns herabkommt – oder vielleicht hat heidi einen jungen typen dazu motiviert, ihm dort oben einen pc zu installieren – spricht in einem kommentar von der heilsgeschichte. an ihr jüdisch-christliches verständnis stellt sich die frage: muss das blut zur sühne, zur versöhnung vergossen werden? man spürt es ja auch durch die haut. dafür ist die sexuelle beziehung exemplarisch. ist in der tradition ein restriktives verhältnis zur sexualität am werk? eine sehr komplexe frage. heute, wo wir weniger restriktiv sind, dafür aber chemie und kunststoff zur anwendung bringen, um einigermassen vernünftig über die runden zu kommen, sind wir nicht unbedingt besser dran. unsere wahrnehmung verändert sich dadurch, vielleicht auch unser blut. die oben auf der alp haben da vielleicht noch eine ahnung – und ich ein gewisse, wenn auch kritische, symapathie für die neulich verlinkte pillenenzyklika. die äusserungen gottfried lochers vor ein paar jahren zur sexualität habe ich als pr-aktion für die kirche, die sein anliegen und seine leidenschaft ist, verstanden. nach meiner interpretation hat er damit gesagt: „ich bin einer von euch!“ und wenn das bei vielen frauen auch schlecht angekommen ist, ist es doch bei einigen männern, auch kirchenfernen, gut angekommen. ich veratand das als beitrag zu einer diskussion. was ich weniger verstand: dass da so entsetzt reagiert wurde. bei aller anerkennung der berechtigung anderer diskussionsbeiträge. etwas daran verstand ich natürlich: heute bekommt (fast) nichts mehr bedeutung ohne skandal. geschätzt habe ich das votum unseres präsidenten nicht zuletzt deshalb, weil, wie aus dem vorangehenden hervorgeht, die sexuelle beziehung eine heilsbedeutung hat. nicht als bedingung, aber als frage nach der nicht-notwendigkeit des blutvergiessens. „ich arbeite nie besser als durch zorn inspiriert“, sprach martin luther. (https://www.aphorismen.de/zitat/15421) das spricht für den konflikt. aber wie weit war luther konfliktfähig? zorn ist ja auch wieder eine sache des blutes. braucht man zu sehr eine roten kopf, hat man eben vielleicht doch auch in sachen sexualität einen knopf. „das weiche ist stärker als das harte“, bemerkt lao-tse.

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    • michael vogt
      Gepostet um 15:56 Uhr, 14. April

      was heisst wohl „veratand“? verrat? wahrer tand? 1a verstand? . . .? und nach langem nachsinnen: der zweite satz braucht nach „ist“ doch ein komma.

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  • Daniel Frei
    Gepostet um 20:23 Uhr, 14. April

    „Selber denken – die Reformierten“. So hat auch der SEK unsere reformierte Identität propagiert. „Selber denken“ und dann hören, was unser Ratspräsident sagt über Frauen, über die Feminisierung der Kirche. Sehen, wie er zum Spass als Bischof posiert, wie er mit einem silbernen Kreuz im Ausland auftritt? Sehr, sehr unreformiert.

    Heute haben wir in unserer Baselbieter Kirche einen intensiven Tag zur Entwicklung unserer Kirche in schwierigen Zeiten gestaltet. Niemand hat je ein Wort über den SEK, über den Ratspräsidenten über eine Evangelische Kirche Schweiz ein Wort verloren. Sie alle kommen schlicht nicht vor in unserem Gemeindealltag.

    Wir haben durch die Reformation die Entwicklung der Demokratie mit ausgelöst. Lernen wir doch jetzt vom Schweizer Bundesstaat: Wir bleiben ein Kirchenbund, wählen jedes Jahr einen neuen Präsidenten, eine neue Präsidentin.

    Warum setzen wir dann nicht auch eine prophetisches Zeichen und wählen an unsere Spitze Menschen mit Migrationshintergrund, Armutsbetroffene oder bescheidene Kirchenmitglieder, die es weg vom Rampenlicht drängt. Leise und sanfte Prophetinnen und Propheten des Reiches Gottes.

    Und dann erzählen wir überall davon, was es heisst, reformiert zu sein: bescheiden, demütig, widerständig und voll Gottvertrauen! Wie wir es heute für unsere Baselbieter Kirche gewünscht haben und wofür ich bete.

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  • Barbara Oberholzer
    Gepostet um 10:19 Uhr, 15. April

    @Daniel Frei: Danke für diesen Kommentar, der mir sehr aus dem Herzen spricht! 👍🏻 Nicht nur Konfliktfähigkeit, sondern auch evangeliumsnahe und grad drum mutige Zeichen und Ideen sind gefragt, auch in der Kirchenpolitik.

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  • Anonymous
    Gepostet um 18:50 Uhr, 15. April

    Die Diskussion um die Repräsentationsfunktion des SEK-Ratspräsidenten scheint mir darum so aufgeladen, weil es der theologischen und kirchenpolitischen Gruppierungen innerhalb der reformierten Kirchenlandschaft noch zu wenig gut gelingt sich überregional zu organisieren, artikulieren und personale Repräsentanz zu verschaffen. Es bleibt zu wünschen dass dies in Zukunft besser gelänge. So würde sich die Repräsentationsfunktion eines SEK-Präsidenten einerseits relativieren und andererseits würde es Amtsträgern ermöglichen dieses Amt ihrem Profil entsprechend auszuüben, ohne einem Allgemeinvertretungsanspruch genügen zu müssen bzw. in einem solchen wahrgenommen werden zu müssen, weil das Profil des jeweiligen Amtsträgers als ein Profil im Spektrum der kirchlichen Landschaft erkennbar wäre und ensprechend eingeordnet werden könnte.

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    • Alpöhi
      Gepostet um 17:49 Uhr, 16. April

      Wie wahr.

      Nur (zum ersten): Unsere Gesellschaft im allgemeinen und die reformierte Kirche im besonderen ist halt nun mal ein „lose zusammengewürfelter Haufen“ unverbindlicher Zeitgenossen und -genossinen. Das ist die Frucht der von Alfred Escher im 19. Jahrhundert vorangetriebene Individualisierung der Gesellschaft. Jeremias Gotthelf hat es übrigens kommen sehen.

      Nur (zum zweiten): Die schweizerische reformierte Bekenntnisfreiheit, die leider viel zu oft zur Bekenntnislosigkeit wird, trägt bestimmt nichts dazu bei, dass die theologischen und kirchenpolitischen Gruppierungen innerhalb der reformierten Kirchenlandschaft sich auf einen Nenner zusammenraufen können. „Einigkeit macht stark“, aber sie ist nicht in Sicht.

      Ach Gott! Wie lange noch, wie lange soll das so weitergehen? – Danke, dass wir nicht gar aus sind.

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  • Anonymous
    Gepostet um 21:46 Uhr, 15. April

    Zum Thema „Zuwachs weiblicher Mitarbeiterinnen in den Landeskirchen“: Lenkt hier die Personalie Locher nicht eher vom eigentlichen Problem ab? Meines Wissens ist nicht er dafür verantwortlich, dass z.B. in der Reformierten Zürcher Landeskirche Frauen im Kirchenrat nach wie vor untervertreten sind und – mindestens so gravierend – in den Gesamtkirchlichen Diensten die Leitungsformen grossmehrheitlich mit Männern besetzt sind. Mögen sich vielleicht die Zürcher PfarrerInnen hierzu einmal äussern? Wäre das nicht wichtiger als die Diskussionen um das gewiss problematische Männer- und Frauenbild des Herrn Locher?

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    • Esther Gisler Fischer
      Gepostet um 10:00 Uhr, 17. April

      Auch das ist wichtig; -selbstverständlich!

      (Ich nehme an, dass Sie ein/e andere ‚Anonymous‘ sind als die mit der rosa Farbe …)

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