Sauerstoff in die Verwaltung pumpen (und in die Kirche)

Das Creative Bureaucracy Festival, das im September in Berlin stattgefunden hat, vollführte ein atemberaubendes Reframing: Der Bürokratie-Begriff wird dem Amtstuben-Mief entrissen, die grauen Bürokraten werden farbig und in die Verwaltungen wird Sauerstoff gepumpt. Kein Wunder war der Altersdurchschnitt der Teilnehmenden deutlich unter jenem von Kirchenanlässen. Die Perspektive, eine berufliche Laufbahn im öffentlichen Sektor einzuschlagen, lag attraktiv vor Augen aller. Doch was hat es auf sich mit dieser plötzlich so kreativen Bürokratie?

Organisiert vom Der Tagesspiegel, von der Humboldt-Universität und von einem Verein, der sich Creative Bureaucracy nennt, haben rund 350 Verwaltungsangestellte aus aller Welt Geschichten von kreativen und experimentellen Wegen erzählt. Sie erzählen davon, wie der öffentliche Sektor seinen Dienst für die Menschen so wahrnehmen kann, dass er nicht mit Warteschlangen vor Schaltern assoziiert wird, sondern mit Lösungen für ein besseres Leben. Eingeladen von der Initiative „Social Innovation Road“ habe ich aus den Gesamtkirchlichen Diensten in Zürich zwei Projekte vorgestellt, die zum Festival passten: Den Coworking Space blau10 der Zürcher Kirche und ein Social-Lab-Projekt, das noch in den Startlöchern steckt. Das Programm des Festivals bestand aus etwa hundertfünfzig Veranstaltungen zu allen Facetten des öffentlichen Dienstes. Mit den etwa fünfhundert Teilnehmenden wurde diskutiert, wie Verwaltungen innovativ werden und bessere Problemlösungen entwickeln.

Wer sich in das Getümmel dieses Spielfelds der Ansätze, Methoden und Konzepte für kreative Problemlösungsstrategien warf, erkannte ein paar wesentliche Themen und Fragestellungen, die offenbar für verschiedenste Projekte und Vorzeige-Geschichten übereinstimmend wichtig sind:

  • Der öffentliche Sektor hat die Aufgabe, das Leben der Menschen zu verbessern und die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Nichts anderes!
  • Verwaltungen und Institutionen sollten radikal vom Bürger oder von der Bürgerin her denken. Partizipation und Ko-Kreation werden weltweit eingesetzt für Gemeinde- und Stadtentwicklungsprojekte.
  • Die Digitalisierung der Verwaltung ist ein grosses Thema. Aber es geht nicht so sehr um die IT-Infrastruktur, sondern um Haltungsfragen. Leadership heisst in einem kreativ-innovativen Umfeld nicht mehr, Entscheidungen zu treffen, sondern die Zukunft zu gestalten.
  • Daten werden immer wichtiger. Ein Stadtentwickler aus Bologna meinte: „Die Menschen trauen den Daten mehr als den Verwaltungen“. Die Bereitstellung und Nutzung von Daten kann für Entwicklungsprozesse neue Impulse einspielen. Allerdings ist damit immer auch – als Kehrseite – das ethische Thema des Datenschutzes und der -sicherheit verbunden.
  • Die Bemühung, bessere Lösungen für Menschen in Gemeinden und Städten zu entwickeln, erfordert von den verantwortlichen Akteuren bestimmte Haltungen und Kompetenzen. Selbstgesteuerte, agile Organisationen funktionieren nur, wenn Mitarbeitende und Leitende dazu bereit sind.
  • An vielen Orten gibt es Partnerschaften zwischen staatlichen oder kommunalen Organisationen und privaten Firmen. Der Staat kann so private Start-up-Ideen unterstützten und profitiert umgekehrt vom innovativen Potenzial.

Sichtbar wurden diese Punkte in konkreten Ideen und Projekten, die präsentiert wurden. Placemaking Europe zum Beispiel ist eine von Städten unterstützte Bewegung, die aus Architekten und Städteplanerinnen besteht. Sie fragt, wie der öffentliche Raum zu einem Raum der Begegnung für Menschen werden kann. Die Hafenanlage in Valencia wurde einem öffentlichen Raum für die Stadt umgebaut – unter Einbezug von empirischen und ethnographischen Daten. Die Projektverantwortlichen bestätigten auf Nachfrage, dass die Kirchen in Dörfern und Städten oft an zentralen Orten stehen und dass der öffentliche Raum rund um sie herum Potenzial birgt. In einem anderen Worshop wurde von NESTA, London (eine Pionier-Organisation im Bereich der Social Innovatio) ein Kompetenzmodell für das Innovations-Handwerk vorgestellt. Interessant ist auch das Social-Lab der österreichischen Regierungsverwaltung: GovLab Austria versucht ein innovatives Ökosystem zu erzeugen, dass innerhalb der staatlichen Verwaltung Innovation fördert. Unter anderem werden grosse Konferenzen zu Gesetzesvorlagen organisiert, die dort von Expertinnen und Betroffenen diskutiert und verbessert werden. Weiter beeindruckte die erste weibliche Bürgermeisterin im Kosovo, Mimoza Kusari-Lila mit ihrer Erzählung, wie es ihr gelang, Korruption zu bekämpfen, Transparenz herzustellen, indem sie innovative Kooperationen mit Entwicklungshilfe-Organisationen, mit der EU und privaten Partnern einging. Einer der Höhepunkte des Festival war die Erzählung aus Bologna: Die Stadt unterhält ein „Civic Imagination Office“, eine Stiftung, die dafür beauftragt ist, Bürger/innen-Beteiligung für alle möglichen Prozesse zu organisieren. So gibt es in jedem Quartier ein sogenanntes Lab. Konsequent wird jeder Entscheid der Stadtregierung mit den Betroffenen in diesen Labs vorgängig diskutiert (Strassenbau, Gesetze, Verbesserung der Quartiere usw.). Es besteht ein Urban Innovation Plan, der mit 77 Millionen Euro budgetiert ist. Die Stadt Bergen (Norwegen) – um ein letztes Beispiel anzuführen – präsentierte eine Entwicklung ihrer Schule mit innovativen Methoden. Ausgangspunkt sind die Kompetenzen, die Menschen im 21. Jahrhundert brauchen, um ein gutes Leben zu führen: 1. Wege für das Denken (Kreativität und Innovation, kritisches Denken, Problemlösung, Entscheidungen treffen; das Lernen lernen); 2. Wege für das Arbeiten (Kommunikation, Teamwork); 3. Instrumente für die Arbeit (Befähigung im Umgang mit Informationen und IT); 4. Wege, das Leben in der Welt zu gestalten (Citizenship; Leben und Laufbahn, persönliche und soziale Verantwortung für sich und die Mitmenschen). Beeindruckt hat hier, wie die ganze Linie innerhalb der Verwaltung – von den politisch Verwantwortlichen über das Bildungsdepartement bis zu den Lehrpersonen – in der Entwicklung dieses neuen Schulkonzepts an einem Strang gezogen haben und gemeinsam dahinter stehen.

Erstaunlich war die Beobachtung, dass die Kirche mit ihren teilweise grossen Kichenämtern und Verwaltungseinheiten in den durchgelüfeten Hallen und Korrirdoren der Humboldt-Unversität nicht präsent war. Bloss ein Workshop hiess „Kirche Innovativ und Co-Creativ – Neue Ansätze wie Kirche Stadt findet und mitgestaltet“. Zusammen mit Thomas Schalla, Dekan der Stadt Karlsruhe, und Matthias Spenn, Direktor des Amts für kirchliche Dienst der Evangelischen Kirche von Berling, Brandenburg und Oberlausitz (EKBO), gab ich Einblick in innovative Ansätze bei der Zürcher Landeskirche: Coworking Space blau10 und ein geplantes Social-Lab-Format. Der Workshop stand unter drei grossen Themen, die auch sonst während des Festivals oft diskutiert wurden: Raum, Haltung, Kompetenz.

 

Welche Linien kann man vom Creative Bureaucracy Festival zu Kirche, gesamtkirchlichem Dienst und Theologie ziehen?

  • Zunächst ermutigt die breite Reflexion über eine kreative Arbeit im öffentlichen Sektor. Auch die Kirche gehört zu diesem Sektor, der gerade kreative und experimentelle Wege sucht – ohne schon immer genau zu wissen, wie die Zukunft aussieht. Wenn wir glauben, dass die Kirche ihre beste Zeit noch vor sich hat, dann brauchen Akteure innerhalb der Kirche dieselbe Freude und Kraft für eine beständige Reformation und Innovation. Im Hier und Heute können Wege eröffnet werden, die in die Zukunft führen. Das Umdenken im öffentlichen Sektor ist so fundamental, dass die Kirche keine Angst haben muss, der Zeit voraus zu eilen.
  • Die in vielen Projekten neu fokussierte Partizipation von Bürgerinnen und Bürgern an der Problemlösen, die Wertschätzung von ko-kreativen Prozessenn sind der Kirche im Grunde genommen vertraut. Sie arbeitet seit Jahrhunderten mit Menschen, die sich engagieren und gestalten. Wir sollten diesen Weg der Problemlösung konsequent weiter beschreiten. Es gibt neue Methoden, die sich dafür eignen. Coworking Spaces, Social-Labs und andere sind auch für Kirchgemeinden einsetzbar. Sie alle erfordern allerdings bestimmte Haltungen und Kompetenzen bei den kirchlichen Profis. Partizipation ist nicht zu haben ohne einen Ermöglichungsraum für andere. Der oft geführte Erlaubnisdiskurs („Wer muss die Erlaubnis geben, dass in der Kirche etwas stattfinden darf?“) kommt hier an die Grenze.
  • Als Kirche haben wir bisher wenig Kompetenz entwickelt, mit Daten kreativ und weiterführend umzugehen. Heute stellen aber viele Städte und Kommunen ihre Daten als Open Data zur Verfügung. Diese Informationen können von allen genutzt werden. Mit entsprechendem Wissen können sie auch in Kirchgemeinden und Kirchen eingesetzt werden zu Gunsten von Menschen.
  • Die Innovationsfähigkeit von Menschen – inklusiv der notwendigen Haltungen – sollte auf allen Ebenen weiter gestärkt, geschult und begleitet werden.
  • Raum ist eine Meta-Kategorie für Kirchenentwicklung, die zu beachten ist. Sie birgt Potenzial.
  • Und schliesslich: Theologisch gesehen spricht nichts dagegen, uns stärker mit den kreativen, farbigen Bürokraten auf allen Ebenen zusammenzutun und vernetzt mit Akteuren in Staat, Politik, Sozialraum bessere Wege für die Menschen und für die Welt zu entwickeln. Wir haben viel beizutragen und stossen umgekehrt auf viel Know-How.

Fazit des Festivals: Es gibt eine vielfältige Szene von Menschen, die wissen, wie man basisdemokratische Institution kreativ verwaltet. Es gibt mutige Menschen, die wissen, wie sich Organisationen verändern lassen, um bessere Lösungen für die Menschheit zu entwickeln. Kirche und Kirchgemeinden können sich mit ihnen vernetzen, wenn sie Sauerstoff für ihre eigenen öffentlichen Dienste brauchen.

Literatur:
Charles Landry, Margie Caust: The Creative Bureaucracy and its Radical Common Sense. Bournes Green Near Stroud 2017. www.charleslandry.com

Die Meinung des Autors in diesem Beitrag entspricht nicht in jedem Fall der Meinung der Landeskirche.

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27 Kommentare
  • Barbara Oberholzer
    Gepostet um 08:21 Uhr, 09. Oktober

    Danke für diesen Beitrag, Thomas! Es gibt noch viel zu tun.

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  • THOMAS GROSSENBACHER
    Gepostet um 08:33 Uhr, 09. Oktober

    Bravo zur Eröffnung der O2 Debatte. Das ist mal was anderes. O2 ist belebend., lösungsorientiert und gegen die Angst die das omnpräsente CO2 ausstösst. Nur das postulierte „Pumpen“ des Sauerstoffes, klingt etwas angestrengt nach technischer Verkrampfung und 5 vor 12 auf der Notfallstation. Freilich gibt es einen fürs Leben definierten Sättigungsgrad.
    Wie kommen wir dazu? Atmen beginnt mit Ausatmen, wenn wir ganz ausgeatmet haben bringt der Unterdruck in der Lunge den automatischen Reflex, dass wir nur den Mund öffnen müssen und neuer Sauerstoff einströmt. Dieses Bild wendet den Blick weg von einer Machermentalität zu natürlich sich bessernden Sauerstoffwerten in der Gesellschaft, von der die Kirche ein Teil ist. Im Bild des Themas vielleicht so etwas wie die Lunge.
    Aufs Leben! Le Chaim.

    PS: Wer gut durchgeatmet hat, wird vieles von dem was im Beitrag angedacht isr in die Tat umsetzen können.

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    • Barbara Oberholzer
      Gepostet um 08:48 Uhr, 09. Oktober

      @Thomas Grossenbacher: Gibts nicht auch Menschen, die sich etwas mehr aufblasen, als für sie und ihre Umwelt nötig wär :-)? Der Faktor Mensch … auch in der Verwaltung?

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    • michael vogt
      Gepostet um 15:14 Uhr, 09. Oktober

      geist > wind > O2

      Der öffentliche Sektor hat die Aufgabe, das Leben der Menschen zu verbessern und die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Nichts anderes!

      ja, wenn die pneumatologie auch dazu gehören darf

      Verwaltungen und Institutionen sollten radikal vom Bürger oder von der Bürgerin her denken.

      ja, wenn das im bewusstsein geschieht, dass das der anthropologische aspekt ist

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      • Alpöhi
        Gepostet um 16:46 Uhr, 09. Oktober

        Geist > Wind
        Ja.

        > O2
        Sicher nöd!

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        • michael vogt
          Gepostet um 19:23 Uhr, 09. Oktober

          warum nicht? O2 bezeichnet in der chemie sauerstoff. der wind bringt sauerstoff, macht uns lebendig > wir sind weniger sauer.

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    • michael vogt
      Gepostet um 20:05 Uhr, 09. Oktober

      es gibt nur eines. also nicht immer gleich eine 2 nach dem O oder ein C vor O2. das ermöglicht dann wieder die freie beziehung zu zahlen und buchstaben. dieser mutation vom rationalen zum arationalen entspricht gemäss jean gebser möglicherweise die atempause. der verschreiber r heisst, finde ich, dass Ihr p.s. redaktionell überarbeitet werden muss. sonst begrüsse ich Ihren beitrag zur schnittstelle mensch/organisation der vewaltung, obschon auch er die „machermentalität“ nicht vollständig hinter sich zurücklässt. die frage: „wie kommen wir dazu?“ bleibt zweideutig. wie genau beginnt die sich von selbst ereignende atmung?

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  • Tobias Frehner
    Gepostet um 08:46 Uhr, 09. Oktober

    ‚Theologisch gesehen spricht nichts dagegen, uns stärker mit den kreativen, farbigen Bürokraten auf allen Ebenen zusammenzutun und vernetzt mit Akteuren in Staat, Politik, Sozialraum bessere Wege für die Menschen und für die Welt zu entwickeln. Wir haben viel beizutragen und stossen umgekehrt auf viel Know-How.‘ Das leuchtet mir noch nicht ein, bzw. es wird mir nicht klar, was denn hier theologisch spricht.

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    • Thomas Schaufelberger
      Gepostet um 09:04 Uhr, 10. Oktober

      Ich sehe keine theologischen Argumente gegen eine solche Vernetzung mit anderen Akteuren des Gemeinwohls. Theologisch ist diese Frage, weil es um die Verhältnisbestimmung von Kirche und Welt geht. Konzepte für eine positive, konstruktive Bestimmung gibt es viele. Reinhold Niebuhrs Arbeit ist mir am Vertrautesten. Wer aktueller Argumente für ein positives Verhältnis braucht, der findet eine Debatte in der „Öffentlichen Theologie“ (wobei dort oft das Missverständnis entstehen kann, dass die Kirche in einer eher undifferenzierten und und etwas naiv-überheblichen Art ein Wächteramt in Form von Besserwisserei ausüben müsse – ein ähnliches Problem auch bei Miroslav Volf und seinem „good life“). Mir gefällt – ohne ihn näher zu kennen – der Ansatz von Christian Albrecht/.Reiner Anselm: Öffentlichkeit wird als Gemeinwohlorientierung verstanden. Auch in der Befreiungstheologie finden sich hilfreiche Arbeiten zum Verhältnis von Kirche und Akteuren, die auf das Gemeinwohl der Menschen aus sind. Die amerikanische Bürgerrechtsbewegung, die ich in ihren Ausläufern in den 90er Jahren in den USA erlebt habe, lebt die Vernetzung schon immer und eindrücklich. Ebenso lassen sich im Dokument „gaudium et spes“ des zweiten vatikanischen Konzils einige theologische Grundthesen. ablesen. Möglicherweise liesse sich auch eine Linie von Zwingli her ziehen, der die Zusammenarbeit mit dem Staat z.B. im Hinblick auf die Armen- und Waisenfürsorge anregte. (andere Verhältnisse beschrieben Luther und Calvin). Mich überzeugt am meisten der Gedanke, dass die Geschwisterlichkeit aller Menschen (der Atem Gottes in den Menschen – adam – bei der Schöfung) und das Gebet Jesu um Einheit – uns mit allen verbindet. Als Volkskirche geht es darum, diese Verbundheit und die damit verbundene Solidarität mit allen glaubwürdig zu leben und zu bezeugen. Es ist ihr Auftrag, das Evangelium in Wort und Tat zu bezeugen. Und wie gesagt: Wir können umgekehrt auch von anderen lernen. Wir sind auf uns ergänzende Impulse anderer Akteure angewiesen, weil wir selber nicht perfekt sind und das gesamte Bild nicht haben..

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      • Tobias Frehner
        Gepostet um 14:35 Uhr, 10. Oktober

        Die Frage ist halt, ob sich das Evangelium im Modus der Gemeinschaftlichkeit erschöpft, bzw. ob wir nicht genau durch das, dass wir nicht Inhalt, sondern nur Form predigen zu den Diktatoren des Diskurses mutieren. Das Problem, das die Kirche nur noch Ethos überstülpt, ist ein Unding. Die Alternative kann aber nicht sein, dass sie im lieben Beisammensein aufgeht, sondern dass sie um ihr Pathos ringt und es ehrlich bezeugt. Dieses Pathos bringt ein Ethos hervor und ermahnt die Welt, aber nicht moralisierend. Ich halte da die Heilsarmee für ein gutes Beispiel, die es als theologisch evangelikal geprägte Kirche schafft, ein echt herausforderndes Wort in die Welt zu verkünden. Man spürt da etwas von ihrem Pathos. Solche Dinge sollten uns Reformierte ermahnen können, wie man zum Akteur werden kann und nicht nur Reakteur bleiben muss, sich in Bedürfnisdiskursen verliert, sondern das Wort vom guten Gott laut in die Welt ruft!

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        • Thomas Schaufelberger
          Gepostet um 14:41 Uhr, 10. Oktober

          Ich sehe hier keinen Widerspruch zum Blogbeitrag. Es ist jedenfalls dort nirgendwo behauptet worden, dass dieser Auschnitt auf die Arbeit einer Verwaltung erschöpfend ist für die Existenz und für den Auftrag der Kirche.

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      • michael vogt
        Gepostet um 17:26 Uhr, 10. Oktober

        alles in allem – schon bei paulus in diesen drei aus der stoa übernommenen worten. nicht unser unverändertes eigenes, sondern das, was sich aus dem dialog ergibt.

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  • seraphim
    Gepostet um 09:16 Uhr, 09. Oktober

    Wer hilft uns? Wir sind fresh expression und die verwaltung gibt uns zu verstehen das wir mühsam und anstrengend sind obwohl wir uns versuchen an alle regeln zu halten. kein freundliches wort, keine unterstützung im gegenteil immer neue frustrierende ’neins‘ obwohl die räume leer stehen und wir immer neue leute anziehen….

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    • Thomas Schaufelberger
      Gepostet um 14:27 Uhr, 10. Oktober

      Was Sie erleben, ist der im Blogbeitrag angesprochene Erlaubnisdiskurs, der in kirchlicher Verwaltung (aber auch andernorts) sehr verbreitet ist. Jemand entscheidet darüber, ob und welche Räume wer benutzen darf (und das sind nicht nur physische Räume). Der Paradigmenwechsel, der ansteht, geht zu einem Ermöglichungsdiskurs. Im Grunde müssten alle kirchlichen Verwaltungen (auch auf Kirchgemeinde- und Pfarramt-Ebene) lernen, dass bei Initiativen von MItgliedern, die mit der Vielfalt der Volkskirche kein Problem haben und sich zur Reformierten Kirche zählen, möglichst viel Raum zu öffnen um „einmal zu sehen, wohin man käme, wenn man ginge“ (Kurt Marti). Schade, dass das an vielen Orten noch nicht passiert. Ich hoffe, Sie finden den „Schnauf“, um weiter zu machen…

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  • Anonymous
    Gepostet um 09:33 Uhr, 09. Oktober

    Und wie können wir diese Einsichten, dass Partizipation und Verantwortungsfreude von allen Beteiligten für das Wohlergehen einer Organisation unabdingbar sind, in unsere leider doch recht hierarchisch und bürokratisch gewordene Zürcher Kirche einbringen ?!

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    • Thomas Schaufelberger
      Gepostet um 14:29 Uhr, 10. Oktober

      Es geht nur mit Arbeit in den im Blogbeitrag erwähnten Ebenen: Wir müssen in Form von Aus- und Weiterbildung, Personalentwicklung, an den Haltungen der Akteure arbeiten. Wir müssen organisationelle Räume eröffnen für Kreativität und Experimentelles (für Lernprozesse) und wir müssen die Grundlagenarbeit dazu weiter führen.

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  • Michael Goldberg
    Gepostet um 10:09 Uhr, 09. Oktober

    Reformierte Kirche Kanton Zürich – „theologisch gesehen spricht nichts dagegen“

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  • Curator Vanitatis
    Gepostet um 10:36 Uhr, 09. Oktober

    Oder wenn „das Theologische“ zur floskelhaften Randerscheinung und austauschbaren Verlegenheitsmetapher verkommt…

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  • Alpöhi
    Gepostet um 12:53 Uhr, 09. Oktober

    Das Problem ist: Verwaltungen (auch kirchliche) tendieren dazu, sich zu verstelbständigen. Und immer dann, wenn nicht mehr der/die Verwaltungsangestellte den Menschen dient, sondern die Menschen dem/der VerwaltungsangestellteN dienen müssen, dann ist es schief gegangen.

    „Dienstleistungsbereitschaft“ heisst das Zauberwort.

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    • Alpöhi
      Gepostet um 12:57 Uhr, 09. Oktober

      BTW, was machen „die im h50“ eigentlich den ganzen Tag? Für mich ist das h50 nicht „fassbar“. Ich habe den Eindruck, dass da eine Verwaltung fern der Basis im Wesentlichen mit sich selber beschäftigt ist.

      Das ist _mein_ Eindruck.
      Ich lasse mich gerne eines besseren belehren.

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      • Stephan Jütte
        Gepostet um 16:45 Uhr, 09. Oktober

        Lieber Alpöhi,
        Danke für Ihr Interesse! Ich würde mich sehr freuen, Ihnen unsere Arbeit im H50 vorzustellen. Im H50 finden Sie die Kirchenkanzlei und die Abteilung Lebenswelten, zu der ich gehöre. Falls Sie Lust und und Zeit haben, sollten wir uns treffen. Es gibt auch Kaffee – dieses Klischee stimmt 🙂
        Herzlicher Gruss,
        Stephan Jütte

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      • Thomas Schaufelberger
        Gepostet um 14:36 Uhr, 10. Oktober

        Ich habe – wie Stephan Jütte – einen anderen Eindruck. Das h50 gibt es so übrigens nicht mehr. Sie meinen wohl die Gesamtkirchlichen Dienste (GKD) der Landeskirche, die an vier Standorten in der Stadt Zürich arbeitet. Die Abteilung Kirchenentwicklung ist beispielsweise an der Blaufahnenstrasse 10 untergebracht. Und in der gesamten GKD arbeiten Menschen mit Herzblut für die Kirche. Der Paradigmenwechsel vone iner sich an sich selbst genügenden Verwaltung zu einer bedarfsorientierten Dienstleistung ist längst eingeleitet. Ich finde in dieser Diskussion übrigens interessant, dass auch die Pfarrämter oder die lokalen Kirchgemeinden mit ihren Behörden und Profis zur „Verwaltung“ gehören. Das ist bei den gängigen Zuschreibungen weniger präsent. Aber in Berlin war es klar, dass die Dienstleistungserbringer an der Front (als z.B. Sozialarbeiter oder Angestellte von Institutionen mit Kontakt zu Bürgerinnen und Bürger) immer auch zur Verwaltung gehören und damit auch zum Thema, wie sie ihre Arbeit auf das Wesentliche fokussiert. Mit Creative Bureaucracy soll sich also nicht nur der h50 oder die GKD der Landeskirche angesprochen fühlen, sondern durchaus jeder Mensch, der als Profi oder Ehrenamtlcher Verantwortung für das kirchliche Gesicht gegen aussen übernimmt.

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  • Ina Praetorius
    Gepostet um 17:57 Uhr, 09. Oktober

    Danke für den Hinweis auf das Creative Bureaucracy Festival. Das ist mir mal ’ne super Idee.

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  • Schlatter Brigitte
    Gepostet um 10:23 Uhr, 14. Oktober

    Und am Anlass im H50 bitte das nächstemal die einzige Wortmeldung einer Frau beachten, nicht mit dem Argument des Zeitmangels abwürgen, um dann selber die Zeit zum Reden zu brauchen wie beim Anlass mit Gottfried Locher. Da wären Sie dann sehr fresh und gerechter Umgang mit Frauen steht den Wortführern der Reformierten Kichen gut an. Danke

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  • Jürg Wildermuth
    Gepostet um 09:04 Uhr, 15. Oktober

    Hey Thomas, dein Blogg-Eintrag ist etwas lang für’s Lesen am Bildschirm. Gerade bei diesem Kommunikationsmittel gilt: In der Kürze liegt die Würze. Aber vielleicht bin ich prädigital formatierter Mensch sowieso eine aussterbende Spezies respektive das Milieu, das ich bewohne, verschwindet allmählich. 🙁

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