Steve Bannon in Zürich

Am 6. März trifft Roger Köppel Trumps ehemaligen Chefstrategen in Zürich. Sie sprechen über Bannons Zeit im Weissen Haus, die „populistische Revolte“ und deren Auswirkungen auf die Schweiz, Europa und die USA. Es ist ungefähr ein Jahr her, seit das Theaterhaus Gessnerallee seine Einladung gegenüber dem AfD-Chefideologen Marc Jongen zurück gezogen hat, nachdem hunderte Kulturschaffende gegen dessen Auftritt protestiert hatten. Beim medialen Echo das dem Ex-Banker, Ex-Wahlkampfhelfer Trumps, Ex-Chefstrategen des Weissen Hauses und dem Ex-Breitbart-Meinungsmacher Bannon gewiss ist, dürften die moralischen Bedenken über eine weitere öffentliche Plattform gering sein. Aber ob solch eine Veranstaltung gelingen kann?

Der einsame Rufer in der medialen Wüste

Immer wieder hat sich Roger Köppel als Volksversteher gegeben, der aus sicherer Entfernung die Faszination für die Anführer der US-amerikanischen populistischen Revolte zu erklären vermochte. Während sich alle von Mitte rechts bis Mitte links nach Trumps Wahlsieg verwundert die Augen gerieben haben und besonders die Linksintellektuellen zwecks zermürbenden Selbstanklagen („Wir haben den Kontakt zu der Basis verloren!“) in sich gegangen sind, ist Köppel – nicht nur in seiner Selbstwahrnehmung – zum Propheten ausserhalb der  linken Gutmenschen-Bubble geworden und hat sich dafür prächtig gefeiert: „Ich gebe deshalb heute zu: Während der letzten Wochen verbrachte ich jeweils die Mitternächte, angewidert von der ebenfalls ein­seitigen und unprofessionellen Berichterstattung gegen den «rechtspopulistischen» ameri­kanischen Immobilienunternehmer, in der abgedunkelten Semi-Anonymität unseres Gästezimmers und schaute mir mit wachsender Faszination die jeweils aktuellen Trump-Reden an. Der Raum war lichtlos, mein Gesicht einzig beschienen vom fahlen Schimmer meines iPhone-Bildschirms. Draussen nichts als Finsternis und Sterne.“ Der einsame Rufer im Gästezimmer rückt ins grelle Licht medialer Aufmerksamkeit – und für einmal nicht als Aktivist, sondern als Erklärbär für eine Gesellschaft, die alle andern nicht mehr begreifen konnten.

Amerika ist im Krieg

Aber wie wird das nun sein, wenn er Steve Bannon gegenüber sitzt? Steve Bannon, der sich echauffieren, mehr skandieren als antworten wird? Denn wenn er neben ihm sitzt, dann als ganzer Steve Bannon, nicht nur als Symptom einer im Untergang begriffenen westlich globalisierten Welt und Ausdruck von Sorgen und Ängsten des kleinen Mannes. Wird er in Zürich auch erzählen, dass er die weisse Rasse für überlegen hält, dass er an einen bevorstehenden Krieg mit China glaubt, dass der Neoliberalismus überwunden, eine Rückkehr zu abendländischer Religiosität herbeigeführt und der Islam besiegt werden müsse? Bannons Weltbild speist sich massgeblich aus dem populärwissenschaftlichen Buch „The fourth Turning“, das die Vorlage für seinen Film „Generation Zero“ bot: Die Geschichte verläuft zyklisch und folgt generationenspezifischen Herausforderungen und Möglichkeiten. Es sind jeweils vier Phasen, die einen 80-100 jährigen Zyklus beschreiben. Die vierte Phase führt in Niedergang und Krieg. Steve Bannons Amerika und Steve Bannons westliche Welt sind in dieser Mündung. Amerika ist im Krieg. Jetzt schon gegen des Islam, bald im südchinesischen Meer und die Welt, die wir kennen, wird es nicht mehr geben.

Dass jene sich solidarisieren, die sich vom Establishment – wiewohl sie millionenschwer sind – ausgeschlossen fühlen, ist verständlich. Dass es dem Propheten von der Weltwoche unheimlich werden dürfte, wenn er den leibhaftig sieht und hört, dessen Schuhriemen zu lösen er nicht wert ist, darf man belustigt erwarten.

Der Autor ist für diesen Beitrag verantwortlich und der Inhalt entspricht nicht in jedem Fall der Meinung oder dem Standpunkt der Landeskirche.

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3 Kommentare
  • michael vogt
    Gepostet um 06:54 Uhr, 26. Februar

    was heisst schon „nichts als finsternis und sterne“? und was geschieht mit einer menschheit, die stattdessen vom fahlen bildschirmlicht beschienen wird? obschon energiesparer seit 1972, brennt bei mir begleitend immer, ausser bei tageslicht, eine 40 watt glühbirne. lichttherapie. und in der neusten sternstunde religion hat sich gezeigt, dass der islam ein willkommenes korrektiv sein kann.

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  • Andreas Imhasly
    Gepostet um 15:53 Uhr, 26. Februar

    Roger Köppel kennt sein Publikum („VOLK“) und er weiss, was er ihm schuldig ist, um in seiner Gnade zu bleiben und er wird sich kindlich freuen an dieser Sonne. Sein Erfolgsgeheimnis als Herausgeber: kein Gift ist zu gefährlich, um es nicht ins Schullabor Chemie zu nehmen und es dort auszuprobieren. Für möglichen Schaden sind immer andere verantwortlich, und wenn es nur daran liegt, dass sie es nicht vertragen.
    Zu hoffen wäre allenfalls, dass die sog. unabhängige Presse sich für einmal nicht als Megaphon instrumentalisieren liesse. („aber sie ist doch alles WICHTIGE dem Leser schuldig…“.) und so wird RK schlussendlich auch noch die Schadenfreude vergönnt sein über die Wirkung dieses coups.

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  • B. Kerzenmacher
    Gepostet um 19:17 Uhr, 06. März

    Wen interessiert was die unbeholfenen Berufsempörten und Antisemiten beim Besuch von Steve Bannon von sich geben. Niemand, und die Politik schon gar nicht.
    Solange sie brav sind und geltendes Recht nicht verletzen, können sie gegen die USA, Israel und Steve Bannon brüllen, schreien und hetzen, bis sie vor Erschöpfung umfallen. Irrelevant, nicht wert sich damit zu befassen.

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