Homophobie in Freikirchen?

Ich stamme aus dem freikirchlichen Milieu, von dem Sektenexperte Georg Schmid richtigerweise sagt, dass sich «Homosexuelle Mitglieder dort bisher zwischen ihrer Kirche und dem Ausleben ihrer Sexualität entscheiden müssen». Und ich fühle mich diesem Milieu, auch wenn ich theologisch grosse Distanz dazu gewonnen habe, bis heute verbunden. Denn ich habe zwar vieles mitbekommen, dass ich heute kritisch sehe, aber auch vieles, dass ich sehr schätze: zum Beispiel den Wert der Solidarität, des Freiwilligenengagements, der Partizipation oder der Integration von Schwachen in die Gemeinschaft.

Zu dem, was ich heute kritisch sehe, gehört der Umgang mit Homosexualität. Allerdings habe ich, obwohl ich mich in verschiedenen Gruppen und Verbänden bewegte, nie so etwas wie Hetze erlebt und nie eine Predigt gehört, in der gegen homosexuelle Menschen gewettert worden wäre. Das Thema kam eher in der Jugendgruppe, im biblischen Unterricht oder im Hauskreis zur Sprache. Oder Zuhause am Küchentisch. Und was mir mitgegeben wurde, war ungefähr Folgendes: „Gott liebt alle Menschen genau gleich und wir sollten dasselbe tun. Aber es gibt eine gute, sinnvolle Schöpfungsordnung, nach der Mann und Frau zusammengehören und ihre Sexualität im geschützten Rahmen der Ehe ausleben sollen. Bei ausserehelichem Sex bleiben immer Verletzungen zurück, die zwar vergeben, aber auch vermieden werden können, wenn wir uns an Gottes Vorstellungen für unser Zusammenleben orientieren. Wenn jemand homosexuell empfindet, dann hat das oft eine Identitätsstörung als Ursache. Vielleicht hat er in der Kindheit oder Jugend etwas Schweres erlebt (z.B. Missbrauch oder fehlende Zuwendung eines Elternteils), das zu dieser Identitätsstörung geführt hat. Er oder sie kann durch eine Therapie Änderung erfahren. Wenn keine Identitätsstörung vorliegt, muss die Person mit ihrer Einschränkung leben. Sie ehrt Gott, indem sie lebenslang auf Sexualität verzichtet.“

Homosexuelle wurden also nicht als böse Sünder und Sünderinnen dargestellt, die den Zorn Gottes auf sich ziehen, sondern eher als Menschen, die Mitleid und Hilfe erhalten sollten. Das ganze Paket „Sexualethik“ wurde biblisch einleuchtend begründet, durch eine Zusammenschau verschiedener Bibelstellen, biblischer Prinzipien (Treue, Liebe) und Geschichten (Adam und Eva). Die fünf Bibelstellen, bei denen es (vermeintlich) um Homosexualität geht, spielten dabei nur eine untergeordnete Rolle.

Was es uns Jugendlichen einfach machte, dieser Sexualethik zu folgen, war, dass Homosexualität in unserem Milieu (vermeintlich) nicht vorkam. Natürlich hörten wir Beispiele – die Geschichte von einem Pfarrer etwa, der neun Jahre lang in homosexuellen Beziehungen gelebt hatte und heute glücklich mit einer Frau verheiratet ist. Aber es kam nie vor, dass ein Gleichaltriger in der Jugendgruppe darüber sprach, homosexuell zu empfinden. Die Theorie musste sich selten in der Praxis bewähren. Ich musste nie einem homosexuell empfindenden Christ ins Gesicht sagen, er müsse sein Leben lang auf Partnerschaft und Familie verzichten.

Natürlich realisierte ich irgendwann, dass Homosexualität im freikirchlichen Milieu sehr wohl vorkommt. In einer Freikirche, in der ich einige Jahre Mitglied war, gab es eine junge, engagierte Jungschärlerin. Irgendwann „tröpfelte sie heraus“. Sie kam nur noch zwischendurch in den Gottesdienst, dann gar nicht mehr. Niemand fragte nach, da sie weiter weg wohnte und es nie einen Konflikt gegeben hatte. Über einen gemeinsamen Bekannten erfuhr ich später, dass sie mit ihrer Lebenspartnerin zusammengezogen war.

Sei die Ablehnung noch so freundlich und liebevoll formuliert – sie ist dennoch eine Ablehnung. Eine für viele Betroffene grausame und schmerzhafte Ablehnung. Und weil diese Ablehnung vermeintlich auf der Bibel basiert, darf man sie nicht revidieren, sich nicht dagegen auflehnen. Welcher Teenager soll da den Mut aufbringen, zu seinen homosexuellen Gefühlen zu stehen? Es ist einfacher, unauffällig von der Bildfläche zu verschwinden, bevor es zu einer Konfrontation kommt.

Ist der Biblizismus schuld, wie Stephan Jütte meint? In der Lausanner Erklärung zur Bibel, die von den Mitgliedkirchen der Schweizerischen Evangelischen Allianz anerkannt wird, gilt die Bibel als göttlich inspiriert und ohne Irrtum. Aber es wird auch festgehalten: „Der Heilige Geist spricht noch heute durch diese Offenbarung … Der Heilige Geist enthüllt der ganzen Gemeinde mehr und mehr die vielfältige Weisheit Gottes.“ In diesen Sätzen wird Gott immerhin zugestanden, dass er seine Nachfolgerinnen und Nachfolger bei der Interpretation der Bibel schlauer machen kann. Es macht Hoffnung, in wie vielen Bereichen dies bereits geschehen ist. Vielleicht behält Sektenexperte Georg Schmid also recht mit seiner Einschätzung, dass „ein Umdenken in Gang ist“. Zeugnisse eines solchen Umdenkens in Freikirchen finden sich übrigens im SchwuLe Medienpool des Theologen Dave Jäggi.

Als Kirchenhistorikerin bin ich überzeugt, dass das, was wir heute unter Homosexualität verstehen, in der Bibel nicht vorkommt. Auch eine auf der Bibel beruhende Diskussion zum Thema kann also nicht eine Handvoll Zitate zum Ausgangspunkt nehmen, bei denen es um etwas völlig anderes geht als um verbindliche, gleichgeschlechtliche Liebesbeziehungen. Sie kann sich auch nicht auf irgendwelche Ideale (Stichwort Schöpfungsordnung) beziehen, die eine gesellschaftliche Realität voraussetzen, die nicht mehr existiert.

Vielmehr sollte die Diskussion bei den grundlegenden biblischen Werten des Zusammenlebens beginnen – Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Rücksichtnahme und Selbstbeherrschung (Gal. 5). Wer diese Werte ernst nimmt, muss wie ich erkennen, dass Homosexuelle in Freikirchen unglaublich viel Leid, Druck und Kälte erfahren haben und vermutlich immer noch erfahren. Das ist beschämend und tut mir unendlich leid. Ich hoffe von Herzen, dass die aktuellen Schlagzeilen zu einer ehrlichen und fruchtbaren Auseinandersetzung und Aufarbeitung führen.

 

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46 Kommentare
  • Dave Jäggi
    Gepostet um 18:43h, 29 Juni Antworten

    Danke Sara für diesen unaufgeregten, biographisch geprägten und dadurch authentischen Post in einer aufgeregten Debatte. Bei der manche nicht mal verstanden haben, dass es sich bei der Besj Konkordanz um Bibelstellen handelte und nicht um Statements des Vereins. Danke für die positive Erwähnung vom SchwuLe Medienpool auf meinem Blog. Auf dass mehr MIT statt ÜBER gesprochen werde und sich Gottes Liebe zeige. In schwulen und lesbischen Partnerschaften und zwischen Vertreter*innen unterschiedlicher hermeneutischer Perspektiven.

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  • Anonymous
    Gepostet um 18:47h, 29 Juni Antworten

    Hierzu ein gutes Referat von Siegfried Zimmer, welches mit fundierten Geschichts und Bibelkenntnissen Diesen Artikel unterstützt und zum Umdenken anregt…
    http://worthaus.org/mediathek/die-schwule-frage-die-bibel-die-christen-und-das-homosexuelle-5-1-1/

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  • Evelyne Baumberger
    Gepostet um 20:01h, 29 Juni Antworten

    Diesen Hintergrund und diese Perspektive kenne ich sehr gut. Du sprichst mir aus dem Herzen! Auch ich wünschte mir, da würde bei Freikirchen endlich mehr Offenheit herrschen. Es ist ein Teufelskreis: In diesem subtil oder explizit homophoben Umfeld outet sich kaum jemand. Dadurch fehlen Begegnungen mit ganz normalen LGBTI-Menschen. So bleiben Vorurteile und Schwarz-Weiss-Denken bestehen.

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  • michael vogt
    Gepostet um 20:13h, 29 Juni Antworten

    den text finde ich berührend – bis auf die werte des zusammenlebens: das ist mir dann doch etwas zu brav. paulus sagt gal 5.16: „wandelt im geist, so werdet ihr die lust des fleisches nicht vollbringen.“ ich bin versucht, das „nicht“ zu streichen, und zwar durchaus im sinne eines gelingenden zusammenlebens, in richtung der behebung des streits zwischen fleisch und geist. wenn es stimmt, dass an den betreffenden stellen tatsächlich nicht von homosexualität die rede ist, muss die schrift sich den vorwurf gefallen lassen, sich fatal unklar ausgedrückt zu haben. den höhepunkt der unklarheit sehe ich darin, dass, historisch gesehen, die juden offenbar zu pilatus sagten: gib uns den bar abbas frei, den, den wir den sohn des vaters nennen, nämlich jesus! es ist ihr also einiges zuzutrauen.

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  • Patrick Brunner
    Gepostet um 06:38h, 30 Juni Antworten

    Möglich, dass die Stellen über Homosexualität nicht eine „liebende Beziehung“ beschreiben. Genauso wenig werden mit dem gleichen Argument aber „langjährige liebende sexuelle Beziehungen“ zu mehreren Frauen, von lanjährigen heterosexuellen, unter Verwandten (Inzucht), zu Tieren, etc beschrieben.

    Braucht es meiner Meinung nach auch nicht, da Gott ein ideal beschreibt, und dies Jesus bestätigt, dass Ein Mann und Eine Frau einen Bund eingehen und dann ein Fleisch werden.

    Jesus hätte genügend homosexuelle Menschen um sich gehabt, um zu sagen, wenn ein MannMutter und Vater verlässt und sich seinem Frau ODER seinem Mann anhängt.

    Vom ersten zum letzten Buch der Bibel ist die Ehe (Bund) zwischen einem Mann und seiner reinen Braut ein Bild, welches Gott sich wünscht und als sein Wille beschreibt.

    Das bedeutet für einige, dass sie entweder single bleiben (alle nicht hetero verheiraten) oder nicht das Leben, was Gott als sein Ideal beschrieben hat.

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    • stephan jütte
      Gepostet um 07:49h, 30 Juni Antworten

      …na, ich glaube, das ist dann doch nicht ganz so einfach. jesus war nicht unbedingt ein vorbild eines bürgerlichen familienentwurfs, für paulus war die ehe eine notlösung gegen die inzucht… andreas krebs hat einen guten artikel zu den queeren aspekten des gottesbildes geschrieben: http://www.feinschwarz.net/gott-queer-gedacht/
      wäre interessiert, wie sie damit umgehen. herzlich!

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    • Sara Stöcklin
      Gepostet um 08:19h, 30 Juni Antworten

      Ich sage nicht, dass es kein solches Ideal in der Bibel gibt. Aber manchmal scheint mir Gott grosszügiger als seine Nachfolger/innen zu sein, wenn es darum geht, Ideale aufgrund der Nöte und Bedürfnisse der Menschen nicht absolutzusetzen (ich denke da an 1. Samuel 8,1-9 oder Matthäus 15,21-28). Und ich sehe in dem, was ich punkto Umgang mit Homosexualität in Freikirchen erlebt habe, eben auch ein biblisches Ideal verletzt: Das der barmherzigen Gemeinschaft. Von Menschen lebenslange Ehelosigkeit zu fordern, die dies nicht wollen und nicht können, empfinde ich als gnadenlos. (Übrigens werden ja in Freikirchen ähnliche Diskussionen geführt zum Thema Wiederverheiratung nach Scheidung; und da scheint mir die Grosszügigkeit etwas grösser zu sein.)

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      • Esther Gisler Fischer
        Gepostet um 08:58h, 30 Juni Antworten

        In der Tat dünkt mich die liebende Barmherzigkeit eine Leitschnur zu sein für eine inklusive Gemeinschaft auch gerade in dern Kirchen. Und lassen wir doch endlich mal Gott in Ruhe. Die Hölle auf Erden machen wir Menschen uns nämlich selber!
        Interessant dünkt mich auch, dass sich freikirchliche Positionen in Bezug auf den Umgang mit Homosexualität decken mit derer der röm.-kath. KIirche. Da liegen sich die Evangelikalen und die Katholikalen in den sprichwörtlichen Armen …

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        • michael vogt
          Gepostet um 15:35h, 02 Juli Antworten

          einverstanden, die theologische argumentation erst mal wegzulassen. aber das böse, die hölle den menschen anlasten? wir sind opfer einer geschichte von milliarden von jahren. . . die schlange, listiger als alle tiere des feldes, haben wir, wie alle tiere des feldes, nicht selbst gemacht. „der in die hölle führt und wieder hinaus“ (wer hat das gesagt? luther?) . . .und durch eine geschichte von milliarden von jahren begabt.

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          • Esther Gisler Fischer
            Gepostet um 14:59h, 07 September

            Wir können meistens wählen, wie wir handeln und sind nicht einfach Opfer der Evolution!

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          • Esther Gisler Fischer
            Gepostet um 15:01h, 07 September

            Ich meinte auch nicht die Listigkeit der Schlange, sondern die willentlische Hinterhältigkeit von Menschen. „L’enfers, ce sont les autres.“ hat schon Camus gewusst.

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  • Bruno Amatruda
    Gepostet um 08:15h, 30 Juni Antworten

    Mir fiel vor ein paar Jahren auf, dass sich auch in freikirchlichen Kreisen eine Entwicklung anbahnte Richtung „Entkriminalisierung“ der Homosexualität (hierzu ein Blogpost: http://vorletztes.blogspot.ch/2013/05/homo-ehe-bei-den-evangelikalen-stellt.html ). Das Problem scheint mir aber je länger je mehr grundsätzlicher zu werden und hat tatsächlich mit dem von Stephan Jütte in seinem Post vorgebrachten Biblizismus zu tun bzw. der Frage, wie soll die Bibel für heutige Fragestellungen herangezogen werden. Soll sie überhaupt herangezogen werden?

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  • Barbara Oberholzer
    Gepostet um 08:28h, 30 Juni Antworten

    Eigenartig. Die genaugleiche pseudotolerante Haltung, die mir im – nicht nur freikirchlichen – Umgang mit Homosexualität entgegenkommt („Wir verurteilen niemanden …“), erlebe ich innerhalb der reformierten Landeskirche auch im Umgang mit Menschen, die ihren Tod bei EXIT oä selbst bestimnen. Und auch da steht ein bestimmtes biblisches Verständnis im Hintergrund. Passen wir auf …. In dem Sinne unterstütze ich Stephan Jüttes Prozess der Humanisierung sehr.

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    • Esther Gisler Fischer
      Gepostet um 09:00h, 30 Juni Antworten

      Liebe Barbara
      Eine verantwortliche befreiende Exegese und Hermeneutik ist doch schon lange von einem humanistischen Impetus geprägt; -nicht?
      Mit frohem Gruss an dich
      Esther.

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      • Barbara Oberholzer
        Gepostet um 09:29h, 30 Juni Antworten

        Amen, Esther, Amen!

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  • Morena Wiesmann
    Gepostet um 09:25h, 30 Juni Antworten

    Mir geht es nicht um das, was in den Freikirchen vertreten wird. Wir leben in einem freien Land. Niemand ist gezwungen einer Frekirvhe beizutreten.
    Mich machen die Komentare traurig die mit dem Finger auf die Fehler der Anderen zeigen. Die Reformierte Kirche hat doch selber viele Probleme.
    Aber es ist einfacher auf die Anderen zu zeigen als vor der eigenen Haustüre zu wischen. Macht euch mal Gedanken warum viele junge Leute lieber eine Freikirche besuchen oder warum so viel am Geborgenheit und Heimat mir eurer „Fusionitis “ verloren geht. Schaut mal über euren Tellerrand und nehmt war was die Menschen in der reformierten Kirche wirklich beschäftigt.

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    • Sara Stöcklin
      Gepostet um 10:02h, 30 Juni Antworten

      Ein guter Hinweis. Mir ging es aber nicht nur um eine Kritik an Freikirchen (die für mich immer noch ein bisschen „eigene Türe“ sind), sondern auch um eine Verteidigung: Wenn im 20min von Hetze und Homophobie die Rede ist, gibt das für mich ein völlig falsches Bild ab. Dieses Bild wollte ich so nicht stehen lassen.

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  • Brigitte Hauser
    Gepostet um 10:38h, 30 Juni Antworten

    Meine Lebenspartnerin war jahrelang mit Elan in einer Freikirche aktiv und hat an deren Bibelschule unterrichtet. Meine Beziehung zu mir verschwieg sie nicht und wurde darauf entlassen und von langjährigen sogenannten Freundinnen und Freunden fallen gelassen, Eine „Theologie“, die Glaubensideologie über Freundschaft und Menschlichkeit stellt und gleichgeschlechtliche Beziehungen nicht vorbehaltlos, auf Augenhöhe und ohne barmherzig-herablassenden Beigeschmack akzeptiert, halte ich für unchristlich. Natürlich dürfen Freikirchen eine solche vertreten und ein Weltbild haben, in der die Ehe zwischen Mann und Frau das Mass aller Beziehungsdinge ist. Sie sollen aber bitte schön nicht behaupten, sie seien nicht homophob oder wie im Fall der Jungschar aufschreien, wenn man ihnen in den Medien Homophobie vorwirft. Natürlich sollen sie auch keine öffentlichen Gelder bekommen.

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    • Mary-Anne Bufton
      Gepostet um 18:10h, 04 Juli Antworten

      Brigitte Hauser

      Es ist ganz schwierig mit jemandem eine Freundschaft weiter zu pflegen, wenn diese Person sich klar gegen die Werte der Bibel stellt. Es geht nicht um eine Glaubensideologie oder „Theologie“sondern um einen ganz einfachen kindlichen praktischen Gehorsam Gott und seinem Wort gegenüber: Entweder ist die Bibel Gottes offenbarter Ratschluss oder sie ist es nicht. Diese Frage muss jeder Mensch für sich selber klären. Dann beginnen Menschen damit, die Bibel zu entkanonisieren und streichen diese Stelle und jene Stelle weg, am Schluss ist die Bibel nicht mehr richtungsweisend für ein Gott-wohlgefälliges-Leben. Aber es gibt Menschen, die am Wort festhalten und zwar am gesamten Wort Gottes. Sie versuchen im Glauben in Treue diesem zu folgen. Wenn dann ein Homosexueller kommt und behauptet, das Wort Gottes, sei nicht Wort Gottes und deutet dieses eigenwillig um, dann muss ein Christ mit seinem Gewissen, eine Entscheidung treffen. Jeder ist frei, sich am gesamten Ratschuss Gottes fest zu halten oder nicht. Wenn Ihre Freundin sich aber dann gegen dieses Wort entschieden hat um ihrer Neigung zu folgen, dann darf sie nicht erwarten, dass die Freunde noch Freunde bleiben, sie hat sich selbst entschieden, aus dem Kreis der Freunde auszutreten, um ihren Gefühlen und Neigungen zu folgen und sie hat aufgehört das Vollkommen zu suchen. In dieser Anlage gleicht sie Esau, der um des gegenwärtigen Genusses auf die zukünftigen Verheissungen verzichtete. Ausserdem gibt es zwei Vorbilder, die um des Reiches Gottes willen ehelos blieben: Jesus und Paulus. Jesus sagt an einer Stelle, dass es Menschen geben wird, die um des Reiches Gottes willen auf Ehe verzichten werden. Das ist der Preis, das Opfer, das wir Gott dankbar zu Füssen legen wie es heisst im Römer 12.1 und 2 unsere Leiber hinzugeben als lebendige Opfer. Ohne Opfer werden wir die Herrlichkeit nicht erlangen! Gott fordert diesen Preis nicht ein, dieser Preis ist immer freiwillig und kann nur als freiwilliges Opfer dargebracht werden. Ich glaube wir haben heute ein Problem mit Verzicht, Bescheidenheit und Keuschheit im Allgemeinen. Wir meinen hier in der Gegenwart alles konsumieren zu können und meinen ein Recht auf irdisches Glück zu haben und in der Ewigkeit als Sahnehäubchen noch das ewige Leben obendrauf zu bekommen. So war das Christentum nie gedacht – es war immer eine Bewegung des Verzichtes, des Opfers und der selbstlosen Liebe die ihren Ausdruck in der Selbstverleugnung findet. Oder meinen Sie Jesus hätte nicht eine Frau begehrt und gerne leibliche Kinder gehabt? Er hatte mehrere kleinere Geschwister, die mit ihm gross geworden sind, aber wie Paulus hat er die Schätze Ägyptens für gering geachtet, um das Höchste zu erreichen. Deshalb ist Jesu Opfer nicht nur ein Opfer sondern auch ein echtes Vorbild, weil er echten Verzicht, freiwillig gelebt hat. Er war gehorsam bis ans Kreuz. Es ist eine Gewissensensfrage. Auch ich hatte Freunde, die den Weg nicht mehr gegangen sind. Aber wenn diese den Weg nicht mehr gehen, dann gibt es auch gar kein gemeinsames Fundament der Freundschaft mehr. Denn wir wurden Freunde, weil wir für dieselben Ziele einstanden und miteinander um Gerechtigkeit kämpften, den geistlichen Kampf gegen die Sünde. Wenn der Kampfgefährte dann sein Schwert sinken lässt und zum Feind überläuft, was für eine Grundlage von Freundschaft besteht denn da noch? Von daher wehre ich gegen diese Anklage herablassend oder homophob zu sein. Das ist nur eine üble Verdrehung der Tatsachen. Ja, Verzicht. Die Schrift ist ganz klar in ihrer Forderung: Wenn dich dein Auge zur Sünde verführt, dann reiss es aus, es ist besser einäugig ins Reich Gottes zu gehen, als sehend in die Hölle. Diese Entscheidung müssen Homosexuelle und Heterosexuelle gleichermassen treffen. Denn auch dem Heterosexuellen ist es nicht garantiert, einen Partner zu finden und Kinder zu haben. Oder was meinen Sie, wie viele ledige Frauen es im Reich Gottes gibt, die ihr Leben lang ungewollt auf Ehe und Erfüllung in Mutterschaft verzichteten, weil es eben keinen Mann in ihrem Umfeld gab. Und ich kenne mehr Heteros, die um des Reiches Gottes willen ledig geblieben sind und auf Ehe und Kinder verzichtet haben, weil es zu wenige christliche Männer gab und es war und ist ein Opfer für diese Frauen und auch einige Männer. Diese Anzahl ungewollt Lediger ist viel höher, als die Anzahl Homosexueller. Das einfach mal zu den Fakten! Es geht nicht um Homophobie und eine Ideologie, es geht um das Wort Gottes. Und Jesus sagte es ganz klar: Wer mich liebt, hält mein Wort. Und die Liebe zu Gott drückt sich aus, lieber zu verzichten, um IHN zu ehren, ihm zu dienen und ihm alles zu geben, einschliesslich seinen Leib. Aber wir sind frei, wir müssen das nicht und dürfen wählen. Aber wer sich entscheidet, Gott nicht mehr an der ersten Stelle haben zu wollen, soll sich nicht wundern, wenn die Freunde diesen Weg nicht mitgehen können.

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      • Esther Gisler Fischer
        Gepostet um 15:03h, 07 September Antworten

        Ups, da meinte zu wissen, wo Gott hockt! Beware!

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  • Corinne Duc
    Gepostet um 10:51h, 30 Juni Antworten

    Frühe christliche Gemeinschaften standen vor dem Problem, dass sie nur als Juden vom Kaiserkult dispensiert werden konnten; von den jüdischen Autoritäten aber nicht mehr als Juden anerkannt zu werden drohten. Die Strategie, sich als die „besseren“ Juden zu profilieren, fand vermutlich Anklang bei vielen nicht nur in den Provinzen ‒ um den Preis allerdings der Einführung einer eigenen Form von Exklusivismus, welcher die christlichen Grundsätze von Solidarität und Nächstenliebe pervertiert.
    Was man aus der Bibel herausliest, hängt im Wesentlichen davon ab, mit welcher Einstellung und aus welcher Distanz man dies tut, und nicht von der Reihenfolge der darin enthaltenen Buchstaben.
    Oder mit Kodo Savaki:
    Das Dunkel des Kieferschattens
    hängt ab
    von der Klarheit des Mondes.

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  • Hans Bieri
    Gepostet um 11:56h, 30 Juni Antworten

    Ich will hier Niemanden verurteilen, lest einfach diese Worte.

    Es gibt einige Stellen in der Bibel wo über die Homosexualität geschrieben wurde, aber diese kennt ihr ja sicher schon alle.

    Worte von Pfarrer Busch:
    Nicht die Hölle steht im Zentrum der Verkündigung, sondern das Evangelium, die frohe Botschaft. Die Predigt kommt jedoch in Schieflage, wenn man die Versprechen die Jesus abgegeben hat verkündet, seine Warnungen jedoch verschweigt.

    „Es fehlt uns allen die Angst, dass wir in die Hölle kommen können, dass Gott wirklich ernst macht, dass Gott auf seinen Geboten besteht,“

    Busch schreibt weiter: „Wenn der Zeitgeist die Leute packt, werden die Gebote Gottes einfach niedergetrampelt, …“

    Jesus Christus spricht unmissverständlich folgende Warnung aus:
    „Ich sage euch aber, meinen Freunden:
    Fürchtet euch nicht vor denen (den Menschen), die den Leib töten und (euch) danach nichts mehr tun können.
    Ich will euch aber zeigen, vor wem ihr euch fürchten sollt:
    Fürchtet euch vor dem (vor Gott), der, nachdem er getötet hat,
    auch Macht hat, in die Hölle zu werfen.
    Ja, ich sage euch, vor dem fürchtet euch.“
    (Lukas 12/4-5)

    Der zweite Brief des Paulus an Timotheus

    Der Verfall der Frömmigkeit in der Endzeit
    31 Das sollst du aber wissen, dass in den letzten Tagen schlimme Zeiten kommen werden.
    2 Denn die Menschen werden viel von sich halten, geldgierig sein, prahlerisch, hochmütig, Lästerer, den Eltern ungehorsam, undankbar, gottlos,
    3 lieblos, unversöhnlich, schändlich, haltlos, zuchtlos, dem Guten feind,
    4 Verräter, unbedacht, aufgeblasen. Sie lieben die Ausschweifungen mehr als Gott;
    5 sie haben den Schein der Frömmigkeit, aber deren Kraft verleugnen sie; solche Menschen meide!

    Bitte hört ganz genau auf diese Worte,
    die Jesus Christus unser Herr und Heiland zu uns sagt:

    „Es gibt einen Himmel und eine Hölle. Nichts ist so gleichwertig schön auf dieser Erde, wie es einmal im Himmelreich sein wird. Und nichts ist so schrecklich auf dieser Erde, wie es in der Hölle sein wird. Der Himmel, wie auch die Hölle wird sein bis in alle Ewigkeit. Es gibt keinen dritten Weg, es gibt nur den Himmel und die Hölle.“
    Es wird von der Kanzel herab nur vom Himmel gepredigt, jedoch nicht von der Hölle. Gleich wie beim Karneval: „Wir kommen alle, alle in den Himmel“ Die Menschen werden irregeleitet, sei es von der Kirche, vom Staat der Wissenschaft oder den Medien.
    „Aber ganz klar sagt Jesus Christus auch, der Mensch kann wählen zwischen Himmel und Hölle, zwischen Leben und Tod und er bekommt was er wählt.
    Die Bibel ist wahr, denn schon tausende Prophetien aus der Bibel, die vor Jahrtausenden in die Bibel geschrieben wurden, sind Wort für Wort bis Heute eingetreten. Eine ganz wichtige Prophezeiung wird sich noch erfüllen, Jesus Christus unser einziger Gott und König aller Könige und Herr aller Herren wird zurückkommen und Gericht halten über jeden einzelnen von uns!
    Jesus sagt dies so klar, nicht weil er uns Angst machen will, sondern weil er uns retten will!
    Viele Menschen sagen, die Bibel sei ja nur von Menschen geschrieben, das sage ich auch……aber von Gott eingegeben!
    Was brauchen wir noch für Beweise das es Gott und Jesus Christus gib. Sind die tausende wortwörtlich eingetroffenen Prophetien noch nicht genug?

    Jesus sagt :
    Die Tür zu Gottes neuer Welt ist eng; kämpft darum, dass ihr Einlass findet! Denn viele, sage ich euch, werden sich am Ende darum bemühen, aber es nicht mehr schaffen.

    Jesus sagt auch:
    Wer sich vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem wird sich auch der Menschensohn am Gerichtstag bekennen vor den Engeln Gottes.
    Wer mich aber vor den Menschen nicht kennen will, den wird auch der Menschensohn nicht kennen am Gerichtstag vor den Engeln Gottes.

    Wem diese Worte zu kompliziert sind, der höre auf diese paar Worte:

    Jesus sagt auch:
    Reich mir deine Hand,
    ich werde sie nehmen, glaube an mich
    und zweifle nicht an mir
    und du wirst in Ewigkeit bei mir wohnen!

    Isaac Newton starb 1727 im Alter von 84 Jahren. Er wurde im Westminster Abbey beigesetzt.
    Er liebte Gott und glaubte Gottes Wort – alles darin. Er schrieb: „Ich habe einen fundamentalen Glauben an die Bibel als das Wort Gottes, das von inspirierten Menschen geschrieben wurde. Ich studiere die Bibel täglich.“ Er schrieb auch: „Der Atheismus ist so sinnlos. Wenn ich mir das Sonnensystem anschaue, sehe ich die Erde im richtigen Abstand zur Sonne, um die passende Menge an Wärme und Licht zu bekommen. Das ist nicht durch Zufall geschehen.“

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    • michael vogt
      Gepostet um 15:10h, 30 Juni Antworten

      die temperatur ist nicht immer ganz passend, haben wir doch immerhin ein relevantes problem mit heizen und kühlen und dem daraus resultierenden co2-austoss, atommüll. . . – als bedeutendstes problem erscheinen mir die heterosexuellen, die massenhafte vermehrung, die nur marginale warnung der bilblischen texte vor dem zuviel – im sich selbst ursprung seienden ursprung ist der dualismus von zufall und notwendigkeit aufgehoben

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  • Michel Müller
    Gepostet um 20:17h, 30 Juni Antworten

    Vielen Dank, Sara, für deinen mutigen und ehrlichen Beitrag, hinter dem ich ganz stehen kann. Nicht, dass dus absichtlich ausgelassen hättest, aber folgendes ist doch wichtig zu betonen: Wenn du die Haltung beschreibst, wie man sagte “ Wenn jemand homosexuell empfindet, dann hat das oft eine Identitätsstörung als Ursache. Vielleicht hat er in der Kindheit oder Jugend etwas Schweres erlebt (z.B. Missbrauch oder fehlende Zuwendung eines Elternteils), das zu dieser Identitätsstörung geführt hat. Er oder sie kann durch eine Therapie Änderung erfahren. “ So ist es wichtig zu betonen, dass auch dies so nicht stimmt. Homosexualität ist keine Störung und muss auch nicht therapiert werden! Auch wenn das bis vor nicht so langer Zeit sogar in der Psychiatrie so gesehen wurde. Wahr ist aber leider auch, dass gerade aus unterdrückter Homosexualität problematisches Verhalten entstehen kann, dem ich selber auch schon in der Seelsorge begegnet bin. Homosexuelle leiden gerade nicht, wie es auch die katholische Kirche immer wieder scheinbar mitfühlend sagt, unter ihrer Homosexualität, sondern unter der damit leider vielerorts verbundenen Unterdrückung derselben. Von daher ist gerade in der Kirche eine Atmosphäre der uneingeschränkten Akzeptanz zu schaffen, in der es kein „aber“ verträgt, (auch kein liberal so wortreich verteidigtes), damit Menschen gesund aufwachsen können mit der sexuellen Orientierung, mit der sie von Gott begabt sind (Gottfried Locher!).

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    • Mary-Anne Bufton
      Gepostet um 18:53h, 04 Juli Antworten

      @Michel Müller
      Damit Menschen gesund aufwachsen können mit der sexuellen Orientierung, mit der sie von Gott begabt sind (Gottfried Locher!) Ja, das mag wohl die Ansicht von Gottfried Locher sein und auch Ihre Herr Müller.
      Schon im Garten Eden sagte die Schlange: „sollte Gott gesagt haben…“

      Wenn wir etwas über Gott aussagen wollen, können wir das nur auf der Basis seines offenbarten Willens tun und den finden wir in der Bibel.
      Gott schuff Mann und Frau in seinem Ebenbild.
      Jesus greift auf diese Aussage zurück beim Thema Ehescheidung und verweist darauf hin, wie Gott es am Anfang gemeint hat.

      Gott hat Homosexualität nicht geschaffen genauso wenig wie er Krankheit geschaffen hat. Wenn wir aber aus dieser Beziehugn zu Gott herausfallen, eigene Wege gehen, ihn verlachen, Ihn und sein Wort nicht ernst nehmen, dann enden wir ausserhalb seines Segensbereiches und dort herrscht Verwirrung und Verzehrung.

      Alles was wir über Gott wissen finden wir in der Bibel. Gott liess zwei Gerichte über die Menschheit ergehen wegen sexueller Grenzeüberschreitung..
      Bei Noah, und bei Sodom und Gemorrah.

      Wir können natürlich behaupten, diese Berichte sind nicht wahr und müssen dem Bereich des Mythoses zugeordnet werden. Gott ist ein liebender und nicht strafender Gott, dann will ich an dieser Stelle nur warnen, wenn Gott nur liebend und nicht gerecht ist, dann hätte Jesus nicht am Kreuz für unsere Sünde sterben müssen. Wenn aber Jesus für unsere Sünde gestorben ist und auferstanden ist, dann wird er auch wieder kommen, diesmal nicht als Passahlamm sondern als Richter. Und das Gericht wird unter anderem die betreffen, die sein Wort verdreht haben und Gott als Autor der Sünde darstellen.

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      • Michel Müller
        Gepostet um 09:39h, 06 Juli Antworten

        Wie ihr richtet,so werdet ihr gerichtet werden.

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    • Barbara Roth
      Gepostet um 17:16h, 07 Juli Antworten

      Danke für dieses klare und so wichtige Votum, Michel Müller!

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  • Jens Kaldewey
    Gepostet um 11:03h, 01 Juli Antworten

    Danke, Sara, für den warmherzigen Grundton, der dir in deinen Ausführungen gelungen ist. Der letzte Absatz in seiner einfachen Klarheit ist besonders zielführend: „Vielmehr sollte die Diskussion bei den grundlegenden biblischen Werten des Zusammenlebens beginnen – Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Rücksichtnahme und Selbstbeherrschung… Wer diese Werte ernst nimmt, muss wie ich erkennen, dass Homosexuelle in Freikirchen unglaublich viel Leid, Druck und Kälte erfahren haben und vermutlich immer noch erfahren.“ Hier ist aber noch ein Satz hinzuzufügen: „….obwohl so manche von ihnen sich in Charakter, Mitarbeit, Kompetenz und Gottesbeziehung bewährt haben, obwohl sie offensichtlich Teil der Familie waren. Das macht das Abgestoßen werden (Ein besserer und stimmigerer Begriff als Ablehnung) umso tragischer.“
    Sehr wichtig finde ich den von Bruno Amatruda verwendeten Begriff Entkriminalisierung. Genau darum geht es. Ich plädiere für Einbeziehung statt Entkriminalisierung. Einbeziehung im vollen und ganzen Sinn des Wortes. Und in dieser Einbeziehung haben Vorbehalte Platz. Wenn Brigitte Hauser Vorbehalte gegenüber ihre Homosexualität auslebenden Christen damit gleichsetzt „die Glaubenstheologie über Freundschaft und Menschlichkeit zu stellen“, schießt sie über das Ziel hinaus und predigt eher extreme politische Korrektheit.
    Ich selber habe über Jahre die exegetische Auseinandersetzung mit „den Stellen“ verfolgt, die verschiedensten Kommentare gelesen, mit Betroffenen aus unterschiedlichen Lagern gesprochen, etliche Statistiken studiert und bin zur Ansicht gelangt, dass es nicht so einfach ist, wie du vor deinem wunderbaren letzten Absatz behauptest: „Als Kirchenhistorikerin bin ich überzeugt, dass das, was wir heute unter Homosexualität verstehen, in der Bibel nicht vorkommt.“ Nach wirklich langer und gründlicher Forschung bin ich zur Ansicht gekommen, dass homosexuelle Praxis Gott nicht gefällt, weil sie einer im Hintergrund real existierenden Schöpfungsordnung (sprich dem realen eigentlichen Wesen des Menschen) nicht entspricht und langfristig und im Tiefsten nicht gut tut. Genauso ist mir aber klar geworden, dass für viele eine lebenslange Enthaltsamkeit eine Überforderung darstellt und dass eine innere Veränderung homosexueller Gefühle sich manchmal gar nicht einstellt, trotz Therapie, und oft lange dauert.
    Die Lösung des „Problems“ scheint mir aber nun nicht darin zu bestehen, mit allen möglichen Versuchen die Bibel so umzudeuten, bis sie das sagt, was ich will, sondern einen „Raum der Gnade“ zu schaffen, in dem Gott gegenwärtig ist und etliches, was nicht gut ist und seinem eigentlichen Willen nicht entspricht, geduldig und liebevoll erträgt. Aber nicht vorbehaltlos! Und mit der Hoffnung auf Veränderung!
    Ich stelle mich selbst da voll mit hinein. Im Rückblick auf mein mittlerweile fast 50-jähriges Glaubensleben erkenne ich, wie viel in meinem Leben Gott nicht gefallen hat, mir und anderen nicht gut getan hat – aber er hat mich geliebt, getragen und mich in seinem Reich mitarbeiten lassen. Das ist eben kein Widerspruch.

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    • Stefan Kym
      Gepostet um 11:36h, 07 Juli Antworten

      Danke Jens für deine Worte. Mit dem Satz: „Genauso ist mir aber klar geworden, dass für viele eine lebenslange Enthaltsamkeit eine Überforderung darstellt und dass eine innere Veränderung homosexueller Gefühle sich manchmal gar nicht einstellt, trotz Therapie, und oft lange dauert.“ Hierzu möchte ich zu bedenken geben, dass viele Singles ebenso lebenslang Enthaltsam leben müssen, selbst ev. Verheiratete die einen kranken Ehepartner haben.

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      • Michel Müller
        Gepostet um 15:19h, 07 Juli Antworten

        und sorry, das sind genau solche Sätze, die für homosexuell empfindende Menschen eben sehr kränkend und verletzend daher kommen, weil sie als „therapiebedürftig = krank“ betitelt werden, als „Sünder im Raum der Gnade“ etc.; auch der Vergleich mit Partnern von kranken Menschen vergleicht eben gerade mit Krankheit; dabei geht es nicht um politische Korrektheit sondern um die Frage echter vorbehaltloser Annahme oder einer letztlich sehr herablassenden Duldung. Und genau darum schiesst Kollegin Hauser eben nicht übers Ziel hinaus, wenn sie sich wehrt! Und nach eigenem Studium der ganzen heiligen Schrift komme ich zum evangelisch sehr gut begründeten Schluss, dass die göttliche Liebe, die in Jesus Christus sichtbar geworden ist, gerade solche unbedingte Annahme meint. Ist jemand in Christus, ist er eine neue Schöpfung: gerade auch die sogenannten „Schöpfungsordnungen“müssen von der Erlösung her gedacht werden.

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  • Anonymous
    Gepostet um 11:27h, 01 Juli Antworten

    Danke Jens für deine wertvollen Worte.. Du sprichst mir aus dem Herzen.

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  • Etienne Josi
    Gepostet um 13:22h, 01 Juli Antworten

    Danke Jens, gut ausgedrückt!

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  • Paul Bruderer
    Gepostet um 15:04h, 01 Juli Antworten

    Ich gehe mit Jens darin einig, dass das Argument „homosexuelle Orientierung wie wir es heute kennen, gab es zur Zeit des NT nicht“ schwer zu halten ist. Semantisch stimmt es: den Begriff gab es damals nicht. Aber das damit verbunden Konzept oder Lebensstil schon. Man lese zum Beispiel Auszüge aus Plato, das Gastmahl (Symposion), geschrieben ca. 385-370 vor Christus. Bei ihm scheint schon eine hochentwickelte Idee der Homosexualität vorhanden zu sein. Im selben Buch entwickelt Plato eine Schöpfungs-Philosophie welche Homosexualität in die eigentliche Erschaffung der Menschen einbettet. Gemäss Plato soll es am Anfang diese drei Arten von Mensch gegeben haben:
    i. Mann-Mann
    ii. Frau-Frau
    iii. Mann-Frau
    Zeus soll dann alle in zwei Teile geschnitten haben. Die sexuelle Orientierung dieser ‚Hälften’ ist bestimmt durch den anderen Teil, den sie quasi verloren haben.
    Männer die mal Mann-Mann waren, sind grundsätzlich homosexuell. Dasselbe gilt bei den Frauen. Und wer früher Mann-Frau war, ist heterosexuell.
    Der wesentliche Punkt scheint mir zu sein, dass es damals ein durchaus schon sehr entwickeltes Denken gab über Homosexualität. Homosexualität wurde positiv dargestellt und positiv empfunden, nicht nur – wie man es heute gerne darstellt – in der ausbeuterischen Variante der Päderastie.

    Der Historiker Boswell, der gegenüber traditioneller evangelikaler Position keineswegs freundlich eingestellt ist, beschreibt 4 Kategorien von ausgelebter Homosexualität im antiken Griechenland und im römischen Reich:
    i. Zwei Männer oder zwei Frauen die sich lieben, haben eine Beziehung ohne gesetzliche Bindung, Güter-Teilung oder Erb-Auswirkungen.
    ii. Sklaven die von ihren Herren (die oft mit Frauen verheiratet waren) sexuell genutzt oder missbraucht wurden
    iii. Ein Ehemann nahm sich nebst seiner Frau einen Mann, sozusagen als Konkubine.
    iv. Verheiratung zweier Männer. Es gab offizielle Hochzeiten bis in die höchsten Staats-Ebenen. Nero heiratete z.B. einen Mann namens Sporus. Es gab eine öffentliche und rechtlich gültige Hochzeit mit dem Zahlen des ‚Brautpreises’ und einem Schleier. Die beiden lebten anschliessend zusammen
    (Quelle: Boswell John: Same-Sex Unions in pre-modern Europe (First Vintage Books Edition, 1995, Kapitel 3)

    Auch hier wird sichtbar, wie entwickelt das Denken und Ausleben von Homosexualität damals war – in mancherlei Hinsicht weit entwickelter als bei uns, bis hin zu Konzepten die das Vorhandensein von Homosexueller Orientierung in die ursprüngliche Schöpfung des Menschen verankern.

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  • Patrick Hafner
    Gepostet um 16:00h, 01 Juli Antworten

    Was meint denn die Community dazu, dass man als heterosexueller Christ auf ausgelebte Sexualität verzichten muss, wenn man nicht verheiratet ist? Ergibt doch eine – faire und vernünftige! – Parallele zur Forderung an homosexuell empfindende Christinnen und Christen, ihre Sexualität nicht auszuleben. Oder werfen wir jetzt gleich alle Grundsätze über den Haufen? Willkommen Zeitgeist. Es ist nie angenehm, von „modern denkenden Menschen“ als Fundi diffamiert zu werden… aber es gehört halt zum Leben als Christ.

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    • michael vogt
      Gepostet um 00:57h, 02 Juli Antworten

      für heterosexuelle ein grund: dass nämlich ein kind gezeugt werden kann – aber ich sage nicht, dass es keine aussereheliche sexuellen beziehungen geben darf – noch weniger keine sexuellen beziehungen zwischen homosexuellen: weil ich (als hetero) sehe, wie gut es für sie ist.

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    • Corinne Duc
      Gepostet um 08:43h, 02 Juli Antworten

      dabei wird gleichgeschlechtlichen paaren mancherorts sogar segnung verweigert…

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  • Anonymous
    Gepostet um 03:54h, 03 Juli Antworten

    Wenn du die Bibel Verwirfst, dann bleibt nur deine eigenen Meinung, und die ist ….. nichts.

    Ich erlebe hier so viele Wunder, ich hatte 14 Jahre Psychose. Wenn Jesus oder ich die Bibel so wie du behandeln würden, dann würden sämtliche Dämonen mich einfach nur auslachen, und das machen sie vermutlich auch mit dir. Aber was hat Jesus gesagt?

    „Es ist aber einfacher, dass Himmel und Erde vergehen, als dass ein Jota von Gesetz fällt…“

    „Wenn ihr bleiben werdet an meinem Wort, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger, und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch freimachen…“

    Alles andere ist Spekulation & perönliche Meinung und hat mit Wahrheit absolut nichts zu tun.

    Also, nimm endlich deine Bibel wieder hervor, und lies was Jesus sagt, und ruh dich nicht auf Loorberen die du vor 30 Jahren mal hattest aus, wenn dir dein ewiges Leben einen etwas wert ist. Über das ewige Leben und über die Erlösung spekuliert man nicht, wenn man das ewige Leben wirklich haben will. Solange man darüber spekuliert, beweist man, dass es einem egal ist.

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  • Corinne Duc
    Gepostet um 12:17h, 03 Juli Antworten

    Liebe A
    es ist Dir zu gönnen dass du einen Ort gefunden hast, an dem du dich vorerst einmal geborgen und sicher fühlen kannst.
    Zu den christlichen Tugenden gehört es jedoch durchaus, sich und die Tradition kritisch zu hinterfragen. Die Bibel mit kritischem Verstand zu lesen bedeutet nicht, sie zu verwerfen. Im Gegenteil können sich dadurch sehr erhellende Erkenntnisse ergeben.
    Du zitierst z.B. Mt. 5,18. Es ist wohl kein Zufall, dass sich die Stelle so lesen lässt als habe die ganze jüdische Thora als verpflichtend zu gelten, also inklusive sämtliche Speise-, Beschneidungs- und anderen rituellen Gesetze. Eigentlich gibt es ja keine Interpretation ohne Interpretationsleistung der Lesenden; aber diese Interpretation entspricht wohl der konventionellsten Leseart.
    Fasst man diese Stelle also in dieser konventionellen Art auf (meiner Ansicht nach handelte es sich geschichtlich gesehen zwar um einen geschickten Trick des Autoren – aber das soll hier keine Rolle spielen), und dazu Paulus Aussage, dass jene, die zum Glauben an Christus als den ein für alle mal Erlösenden gekommen sind, dann aber doch versuchen, die jüdischen Gesetze zu halten, Christus zum zweiten Mal kreuzigen, impliziert man damit also: ebenso wie jene damals…
    Wenn Du wieder zu Kräften kommen wirst, solltest auch Du für Dein Denken und Handeln Verantwortung übernehmen und Dich fragen, oben es vielleicht nicht doch intelligentere und den biblischen Schriften adäquatere Lese- und Interpretationsmöglichkeiten gäbe, als alles was in der Bibel steht einfach als nicht zu hinterfragende wörtliche Wahrheit zu (miss-) verstehen; und ob Nächstenliebe nicht mehr verlangt als sich rigide an alten Texten bzw. Textinterpretationen festzuklamern auf Kosten der Andersgläubigen, Andersdenken und Andersfühlenden, auf die man dann als – vermeintlich – „bessere“ Christen herabschauen kann.
    Ich wünsche Dir guten Mut und die Kraft zum Selberdenken als freier Mensch auch in der Gemeinschaft von Christen.

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  • Anonymous
    Gepostet um 13:29h, 04 Juli Antworten

    Sara

    Matthew 22:29-30 kommt mir in den Sinn.

    Jesus gab ihnen zur Antwort: »Ihr irrt euch, weil ihr weder die Schrift noch die Kraft Gottes kennt. …

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  • Daniel
    Gepostet um 23:14h, 04 Juli Antworten

    Ich finde es bedenklich, dass das so wichtige Thema mit einer scheinbaren Frontlinie zwischen ref. Landeskirche und Freikirche ausgetragen wird.

    Der Rat der EKD hat zwar die Öffnung der Ehe begrüsst, aber auch festgehalten: „Zur Frage der Ausgestaltung eines rechtlichen Rahmens gibt es in den evangelischen Landeskirchen wie in der weltweiten Kirche unterschiedliche Auffassungen, die auch weiterhin ihre Berechtigung haben werden. Die Debatte um die Öffnung der Ehe ist über mehrere Jahre ernsthaft und mit wechselseitigem Respekt geführt worden. Wir hoffen, dass sie in diesem Geiste auch am Freitag im Bundestag geführt wird.““

    Jeder Theologe, der sich etwas mit der Materie auskennt und nur ein wenig über die Grenzen schaut (z.B. würtembergische Landeskirche), weiss, dass die oben beschriebene Haltung (die ich übrigens sehr fair formuliert finde) nicht alleine in Freikirchen vertreten wird.

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    • Corinne Duc
      Gepostet um 12:08h, 06 Juli Antworten

      klar – daher fordern wir ja auch: aufräumen mit biblizismus in der landeskriche!
      (die freikirchen haben durchaus potenzial, uns dabei schlank zu überholen:)

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      • Daniel
        Gepostet um 08:46h, 08 Juli Antworten

        Das ist wieder mal ein Satz, der locker den Hauptpreis der Arroganz gewinnen könnte. Er spiegelt nicht nur eine Ignoranz der Kirchengeschichte gegenüber, sondern auch eine tiefe Verachtung für Menschen mit einer anderen Meinung. Denn hinter dem, was sie als „Biblizimus“ bezeichnen, stecken ja Menschen.

        „Aufräumen“ – denn man weiss ja schon was richtig ist. Das ist weder modern, noch aufklärerisch, noch postmodern. Das entspricht einer Haltung, mit der die ref. Kirche schon in der Mitte des 19. Jh. den Täufern begegnet ist. Das ist die Arroganz der Macht.

        Und letztlich ignoriert ihr Statement auch, dass es in erster Linie nicht um die Bibel, sondern um Gott geht.

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        • Corinne Duc
          Gepostet um 12:13h, 09 Juli Antworten

          Guten Tag!
          Du scheinst genau zu wissen, was ich unter Biblizismus verstehe. Aber: Nein, hinter dem Begriff „Biblizismus“ steckt für mich keinerlei Verachtung für Menschen mit anderen Ansichten, sondern die Überzeugung, dass wir für unsere Haltung, Handlungen und Behauptungen volle Verantwortung übernehmen sollten.
          Leider weiss ich nicht, was Dich zu diesen Unterstellungen bewogen hat. Vermutlich gehörst Du nicht zu jenen, die meinen die ganze Bibel wörtlich als Wort Gottes verstehen zu müssen – inklusive die Verunglimpfung von Homosexuellen? Vielleicht eher zu jenen, die gerne Sätze herauspicken, die ihnen gerade so in den Kram passen? Oder würdest gerne daran festhalten aber siehst nicht wie man es begründen könnte? Zeigt sich diese Verunsicherung vielleicht auch darin, dass Du nicht offen und mit vollem Namen hinter dem stehen kannst was Du da hingeschrieben hast?
          Ich würde jedenfalls gerne mit Dir einmal offen und redlich über diese und andere Fragen diskutieren.

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          • Daniel
            Gepostet um 06:54h, 11 Juli

            Ich habe ihnen Arroganz vorgeworfen, weil der Begriff aufräumen für mich nicht in eine solche Diskussion passt. Aufräumen tue ich das Spielzimmer mit meinen Kindern. Aber nicht in der Kirche, nicht in der Gesellschaft.. Dort weder Meinungen / Haltungen – wie der „Biblizismus“ – von Menschen vertreten. Mit denen kann man sich auseinander setzen. Aber „aufräumen“ – ist das ihr ernst? Aufräumen – d.h. ich muss gar nicht zuhören, denn man weiss ja schon, was richtig ist.

            Und ihre Art mit mir hier umzugehen bestätigt meinen Eindruck. Sie hatten nun ja zwei „Posts“ lange Zeit sachlich auf meine Argumente einzugehen. Ich bin ja durchaus differenziert auf den Ausgangspost eingegangen. Aber von ihnen erhalte ich nur Antworten, die von Gewalt ja nur gerade so strotzen. Da werde ich analysiert, schubladisiert, psychologisiert. Wenn sie könnten, würden sie mich dazu zwingen meinen vollen Namen zu nennen. Warum eigentlich? Ist es unredlich nur den Vornamen zu kennen? Ich lade sie zu einer offenen und sachlichen Diskussion ein. Das ist auch hier möglich.

            Was verstehen sie denn unter Biblizismus?

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  • Peter Zurbrügg
    Gepostet um 19:02h, 10 Juli Antworten

    „Wer von euch ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein.“ Jesus. Und all die Superfrommen Pharisäer und Schriftgelehrten gingen beschämt weg! Die Situation hat sich nicht geändert. Religion ist der Versuch des Menschen, zu Gott zu gelangen. Evangelium bedeutet, dass Gott zum Menschen kommt. Zu allen! „Wer an mich glaubt wird leben, auch wenn er stirbt.“ Jesus.

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