«Schöne Bescherung» – „Arena“ goes X-mas

Vergangenen Freitagabend lud SRF-Moderator Jonas Projer zur wöchentlichen Arena-Sendung. Es sollte für einmal nicht gegeneinander, sondern miteinander diskutiert werden und zwar unter dem Titel „Schöne Bescherung“ zum Thema Weihnachten. Geladen hatte er dazu Christian Rutishauser, den obersten Jesuiten des Landes, Grossmünsterpfarrer und diesseits.ch-Blogger Christoph Sigrist, die Buchautorin und erklärte Feministin Julia Onken und den Vizepräsidenten der Freidenker-Vereinigung Valentin Abgottspon. Abgehandelt wurden ein ganzer Strauss von Themen: das säkulare Weihnachten, welches für viele Menschen zu einem leeren Ritual geworden ist und bei welchem mehr die Freude der Detailhändler obsiegt, als jene über die Geburt des Gottessohnes; Weihnachten auch als Familienfest, bei dem es jedoch in vielen Familien zu Streit kommt. Und es wurde der Gehalt des Festes thematisiert: Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft und aktualisiert angesichts von Kriegen wie jener in Syrien und Tausender von Flüchtlingen, welche nach Europa drängen.


So ganz anders als andere Sendungen dieses Formats wurde es dann aber doch nicht: Nachdem Julia Onken die Weihnachtsgeschichte neu zu erzählen versuchte  – mit Josef als einem emanzipierten Mann, fühlte sich der Eine bemüssigt, sich als Feminist zu outen, während der Andere seine Kirche zu verteidigen suchte und der Dritte die Vorherrschaft der anerkannten Religionsgemeinschaften beklagte.

Eingeblendet wurden als optische religiöse Alphabetisierungshilfe Animationen, welche Facts and Figures zu Jesu Geburt und seiner Familie und die theologischen Überhöhungen dargestellt. Diese waren wohl gut gemeint, doch kamen sie nicht ohne die gängig gemachten Fehler aus. So wurde die „unbefleckte Empfängnis“ in Zusammenhang gebracht mit der Jungfrauengeburt, was falsch ist, hat diese doch nichts zu tun mit fehlendem Beischlaf und etwaigen Flecken auf den Bettlaken, sondern ist eine rein dogmatische Aussage über den Seinszustand von Maria, nämlich der, dass sie ohne die Erbschuld, also das Vergehen von Eva und Adam mit dem Apfel und der Schlange, von ihrer Mutter Anna empfangen worden sein soll. Diese gedankliche Konstruktion, welche notabene den Köpfen einiger mittelalterlicher scholastischer Kleriker entsprungen ist, hatte zum Ziel, durch die Reinheit der Mutter den Sohn als einen ganz besonderen Menschen darstellen zu können.


Der Moderator machte seiner Rolle als Dompteur in der Arena alle Ehre. Mein Fazit nach der Sendung war, dass Weihnachten nach wie vor ein Fest ist, welches viele Menschen bewegt und säkulare wie religiöse Menschen in ein Gespräch bringen kann im gemeinsamen Anliegen, der Welt ein menschlicheres Gesicht zu verleihen. Doch machen Sie ich selbst ein Bild:

 

 

 

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6 Kommentare
  • Barbara Oberholzer
    Gepostet um 09:23 Uhr, 23. Dezember

    Wuhui Esther, hast du das wirklich bis zum Schluss durchgestanden? Ich strecke nach 15 Minuten die Waffen 😬. Was hat dieses Fegefeuer der Banalitäten und Eitelkeiten noch mit Weihnachten zu tun? Hast du das verstanden? Kommt es später noch? Ich grüsse dich erwartungsfroh 🙋🏼

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  • Esther Gisler Fischer
    Gepostet um 09:33 Uhr, 23. Dezember

    Liebe Barbara
    Es kommt auch später nicht wirklich. Frohe Weihnachten einewäg! 😊

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  • Verena Mühlethaler
    Gepostet um 10:55 Uhr, 23. Dezember

    Die Arena hat zuerst mich angefragt, ob ich mitwirken könnte. Ich habe schliesslich doch abgesagt, da ich befürchtete, dass die Arena kein gutes Format ist für eine etwas gründlichere Erörterung des Geheimnisses von Weihnachten….was sich also wohl bewahrheitet hat.
    Ja, frohe Weihnachtstage Euch allen!

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  • Andreas Schneiter
    Gepostet um 12:23 Uhr, 23. Dezember

    Danke, Esther, für die Erörterung betr. Unterschied von „unbefleckter Empfängnis“ und „Jungfrauengeburt“. Ich sehe den Unterschied, aber ebenso eine Gemeinsamkeit: Liegt nicht beiden Begriffen die (problematische!) Vorstellung zugrunde, dass der Sexualakt die Erbschuld überträgt, was die Dogmatik sowohl bei der Zeugung von Maria („unbefleckte Empfängnis“) als auch von Jesus („Jungfrauengeburt“) ausschliessen wollte? Ich verstehe die unbefleckten Empfängnis als Versuch, für die Jungfrauengeburt eine möglichst einleuchtende Voraussetzung zu schaffen. Liege ich daneben? Natürlich hoffe ich auf eine Antwort von katholischer Seite …

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  • Esther Gisler Fischer
    Gepostet um 14:06 Uhr, 23. Dezember

    Lieber Andreas
    Du kannst meine Antwort gerne als aus berufenem Munde nehmen: Ich war mal katholisch. Ja, mit deiner Einschätzung liegst du richtig. Das Ausklammern, bzw. Negieren von Sexualität; -gerade weiblicher-, wurde wohl als bedeutsam erachtet, um die spezielle Rolle von Maria als Mutter eines besonderen Kindes zu betonen.
    Frohe Weihnachten dir an den Zürichsee
    Esther.

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  • Esther Gisler Fischer
    Gepostet um 13:19 Uhr, 08. Februar

    SRF hat inzwischen den falsch dargestellen Sachverhalt der „unbefleckten Empfängnis“ korrigiert: http://www.srf.ch/tv/allgemein/korrekturen

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